Die Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld: stille Halte zwischen Altstadt und Fränkischer Schweiz

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld: stille Halte zwischen Altstadt und Fränkischer Schweiz

Von Bayreuth führte die Nebenbahn 32,73 Kilometer in die nördliche Fränkische Schweiz nach Hollfeld. Am 28. September 1974 fuhr der letzte Zug, auf der Trasse liegen heute Radwege und Straßen.

Der Bahnhof Bayreuth Altstadt mit Güterschuppen, Dezember 1987.
Der Bahnhof Bayreuth Altstadt mit Güterschuppen, Dezember 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1904
Eröffnung am 12. März
1909
Zweigbahn nach Thurnau
1974
Letzte Fahrt am 28. September
1994
Letzter Güterzug in Altstadt

Lage: Von Bayreuth in die nördliche Fränkische Schweiz, 32,73 Kilometer bis Hollfeld. Status: Die Strecke ist stillgelegt und weitgehend abgebaut. Heute: Teile der Trasse sind Rad- und Fußwege, andere Straßen; in Altstadt blieben etwa 50 Meter Gleis als Denkmal.

Die Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld war eine Nebenbahn in Bayern.

Sie zweigte in Bayreuth am Abzweig Kreuzstein aus der Bahnstrecke Schnabelwaid–Bayreuth ab und führte nach Hollfeld in der nördlichen Fränkischen Schweiz.

Der Hauptbahnhof Bayreuth ist in Betrieb und nicht Thema dieses Beitrags.

Aus der Betriebszeit der Strecke gibt es freie Fotos vor allem aus Bayreuth Altstadt, von den übrigen Halten sind nur Aufnahmen aus jüngerer Zeit vorhanden.

Entstehung: von der Idee zur Lokalbahn

Die Planungen für die Strecke reichen in die 1860er Jahre zurück.

Ursprünglich war eine längere Strecke vorgesehen, im Westen über Forchheim und Höchstadt bis Rothenburg ob der Tauber und im Osten bis ins Fichtelgebirge.

Auch über eine Verbindung nach Bamberg über Scheßlitz wurde nachgedacht.

Aus Kostengründen wegen der schwierigen topografischen Verhältnisse wurde nur die Strecke von Bayreuth nach Hollfeld verwirklicht.

Am 24. Oktober 1887 wandte sich der Distriktrat von Hollfeld mit der Bitte um Planung einer Nebenbahn an das Staatsministerium, danach wurden die Planungen konkret.

Am 23. Juli 1892 sagte das Eisenbahnkomitee Bayreuth-Plankenfels zu, die Projektierungskosten zu übernehmen.

Gebaut wurde von 1902 bis 1904.

Neben deutschen und böhmischen Arbeitern waren vor allem italienische Arbeiter aus den Provinzen Feltre und Udine beteiligt.

Am 12. März 1904 wurde die Strecke eröffnet, mit dem Bahnbetrieb wurde die Pferdepostlinie Bayreuth–Waischenfeld eingestellt.

So sah es vorher aus: Holz, Bier und Schienenbusse

Die Fahrzeit für die knapp 33 Kilometer lange Strecke betrug zunächst zwei Stunden.

Anfangs waren nur drei Zugpaare pro Tag unterwegs.

Die Güterzüge beförderten Lang- und Grubenholz.

Die Brauerei Maisel in Obernsees schickte ihr Bier per Bahn bis nach Sachsen.

In der Länderbahnzeit und der Reichsbahnzeit waren in Bayreuth bayerische Lokalbahnlokomotiven der Baureihen D VII, D VIII und D XI stationiert.

Etwa ab 1929 wurde die Baureihe 98.10 in Bayreuth heimisch, 1949 wurde sie durch die Baureihe 98.11 ersetzt.

Diese fuhr mit der Baureihe 64 bis zum Ende des Dampfbetriebs.

In den 1950er Jahren setzte mit den Schienenbussen VT 95 die Umstellung auf Dieselbetrieb ein, später lösten Lokomotiven der Baureihe V 100 die Dampflokomotiven ab.

Gegen Ende des Betriebs verkehrten planmäßig Triebzüge der Baureihen VT 24 und 614.

Kreuzstein: der Abzweig am Stadtrand

Die Station Kreuzstein wurde als Haltestelle in Betrieb genommen und später durch Erweiterung der Gleisanlagen zum Bahnhof aufgewertet, blieb aber unbesetzt.

Dort gab es ein Anschlussgleis zu einem Tanklager, einem Schrottplatz und weiteren Firmen.

Auch das Gaswerk der Bayreuther Stadtwerke hatte einen eigenen Gleisanschluss, der 1949 gebaut wurde, obwohl er bereits seit 1918 geplant war.

Zwischen dem Haltepunkt Röhrensee und dem Bahnhof Bayreuth Altstadt zweigten Gleise zur BayWa, zu einer Kohlenhandlung, einem Sägewerk und zu Lagerhäusern im Industriegebiet ab.

Einzelne dieser Anschlüsse wurden noch in den frühen 1990er Jahren gelegentlich genutzt.

Der Bahnhof Bayreuth Kreuzstein, Dezember 1986.
Der Bahnhof Bayreuth Kreuzstein, Dezember 1986. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Die Hollfelder Bahn mit Blick von Westen zur Brücke Friedenstraße, September 1990.
Die Hollfelder Bahn mit Blick von Westen zur Brücke Friedenstraße, September 1990. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bayreuth Altstadt: Gleisdenkmal und Abzweig nach Thurnau

Der Bahnhof Bayreuth Altstadt bei Kilometer 5,33 war der erste größere Halt hinter dem Abzweig.

Am 26. Juni 1909 ging nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit die Nebenbahn nach Thurnau in Betrieb.

Sie nutzte vom Hauptbahnhof bis Altstadt die vorhandene Infrastruktur der Hollfelder Bahn.

Am nordwestlichen Ende des entsprechend umgebauten Bahnhofs zweigte sie nach Norden ab.

Kurz hinter Altstadt hatten zwei Ziegeleien im Ortsteil Meyernberg einen gemeinsam genutzten Gleisanschluss.

Es folgte der 1907 eingerichtete Haltepunkt Fantaisie-Eckersdorf, der noch auf Bayreuther Stadtgebiet lag.

Am 30. September 1994 löste die Deutsche Bahn den Gütertarifpunkt Bayreuth Altstadt auf, der letzte Güterzug verließ den Bahnhof am 14. Oktober 1994.

Den letzten Waggon aus einer der Anschlussstellen holten 1998 zwei Dieselloks der DFS ab.

Nur etwa 50 Meter Gleis sind im Bereich Altstadt quasi als Denkmal erhalten.

Der Abzweig in Bayreuth Altstadt, 28. September 1974.
Der Abzweig in Bayreuth Altstadt, 28. September 1974. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Bahnhof Bayreuth Altstadt, Dezember 1987.
Der Bahnhof Bayreuth Altstadt, Dezember 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Güterschuppen des Bahnhofs Bayreuth Altstadt, 26. Dezember 1987.
Der Güterschuppen des Bahnhofs Bayreuth Altstadt, 26. Dezember 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Güterschuppen des Bahnhofs Bayreuth Altstadt, 1987.
Der Güterschuppen des Bahnhofs Bayreuth Altstadt, 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Ein Gleisrest an der Jakobstraße in Bayreuth, 2012.
Ein Gleisrest an der Jakobstraße in Bayreuth, 2012. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Mistelbach: kleines Agenturgebäude aus Holz

Der Bahnhof Mistelbach lag bei Kilometer 9,4.

Er besaß nur ein kleines Agenturgebäude in Holzbauweise.

Der Haltepunkt Pittersdorf bei Kilometer 11,6 hatte Ladegleise und war damit eine unbesetzte Haltestelle.

Mistelgau: der höchste Punkt der Strecke

Der Bahnhof Mistelgau bei Kilometer 14,8 besaß ein größeres, gemauertes Dienstgebäude.

Zwischen Pittersdorf und Mistelgau lag mit 439,82 Metern der höchste Punkt der Strecke.

Der Schriftsteller Hans Max von Aufseß erzählt, dass bei Mistelgau eine schiefe Ebene lag, auf der Schüler ausstiegen und neben dem keuchenden Zug herliefen.

Obernsees: Wasserfassen und Bier

In Obernsees bei Kilometer 20,7 gab es nur ein kleines Agenturgebäude in Holzbauweise.

Die Lokomotive fasste hier Wasser.

Nach einer Vereinbarung mit dem Zugführer konnten Reisende Bier bestellen, eine Kellnerin aus der etwa 200 Meter entfernten Gastwirtschaft brachte so viele Seidel, wie die Lokomotive durch Pfiffe angekündigt hatte.

Ab Bayreuth wurde die Trasse bis Obernsees zum Radweg umgebaut und Anfang der 2000er Jahre asphaltiert.

Plankenfels: eine Brücke und die größte Steigung

Der Bahnhof Plankenfels bei Kilometer 24,8 besaß ein größeres, gemauertes Dienstgebäude.

Zwischen Plankenfels und Wadendorf lag mit 19,2 Promille die größte Steigung der Strecke.

Zwischen Obernsees und Plankenfels wurde die Bahntrasse für den Ausbau und die Begradigung der Staatsstraße 2186 genutzt.

Oberhalb von Plankenfels kreuzt die neu gebaute Staatsstraße 2191 mehrmals die ehemalige Trasse, die zum Teil noch als Feldweg genutzt wird.

Die Bahnbrücke bei Plankenfels, 2019.
Die Bahnbrücke bei Plankenfels, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wadendorf: ein einfacher Haltepunkt

Wadendorf lag bei Kilometer 27,2 und war ein einfacher Haltepunkt.

Weitere Anlagen sind nicht belegt.

Die ehemalige Bahntrasse bei Wadendorf, 2019.
Die ehemalige Bahntrasse bei Wadendorf, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Moggendorf: Haltepunkt vor Hollfeld

Der Haltepunkt Moggendorf lag bei Kilometer 31,1, kurz vor dem Endbahnhof.

Davor lag der Haltepunkt Stechendorf-Welkendorf bei Kilometer 29,4, der Ladegleise hatte und mit einem Bahnagenten besetzt war.

Am 27. Mai 1961 blockierten die Lokomotivführer in Treppendorf mit ihrem Zug einen Bahnübergang, den eine Hochzeitsgesellschaft passieren musste, und gaben ihn erst frei, nachdem das Brautpaar den Wegezoll entrichtet hatte.

Die Braut stammte aus der Hollfelder Bahnhofswirtschaft.

Zwischen Stechendorf und Hollfeld besteht wieder ein asphaltierter Radweg.

Eine Bahnbrücke bei Treppendorf nahe Hollfeld, 2019.
Eine Bahnbrücke bei Treppendorf nahe Hollfeld, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hollfeld: Endbahnhof mit Maschinenhaus

Der Endbahnhof Hollfeld bei Kilometer 32,7 besaß drei durchgehende Gleise und mehrere Stumpfgleise.

Im Maschinenhaus, einem zweiständigen Lokomotivschuppen mit Wohngebäude, konnte das Zugpersonal übernachten.

Es blieb wie das Bahnhofsgebäude und ein weiteres Nebengebäude erhalten.

Hollfeld liegt 41,58 Meter höher als der Bayreuther Hauptbahnhof, der auf 343,72 Metern über dem Meeresspiegel liegt.

Das ehemalige Empfangsgebäude Hollfeld, 2019.
Das ehemalige Empfangsgebäude Hollfeld, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Maschinenhaus in Hollfeld, 2019.
Das ehemalige Maschinenhaus in Hollfeld, 2019. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

Die letzte Fahrt war eine Sonderfahrt mit einer Dampflokomotive der Baureihe 64 am 28. September 1974, die unter großem Zuspruch der Bevölkerung stattfand.

Von der zunächst geplanten Fortführung im reinen Güterverkehr sah man ab, nur bis Bayreuth Altstadt blieb er noch 20 Jahre erhalten.

Die Gleise zwischen Altstadt und Hollfeld wurden sehr schnell abgebaut.

Zuvor fanden bis 1994 gelegentlich Sonderfahrten statt, meist mit einem Triebzug der Baureihe 614.

Am 31. Mai 1992 befuhr der Triebzug 614 023 die Strecke.

So sieht es jetzt aus: Radweg statt Reisezug

Ende der 1980er Jahre erwog die Stadt Bayreuth einen Haltepunkt Universität, der den Erhalt der ersten 0,7 Kilometer der Strecke gesichert hätte.

1995 unterzeichnete die Stadt einen Vertrag mit der Deutschen Bahn über den Ankauf des Abschnitts vom Abzweig Kreuzstein bis zum Bahnhof Bayreuth Altstadt.

Ein Gutachten kam Ende 1996 zu dem Ergebnis, dass die Reaktivierung des Schienenpersonenverkehrs unwirtschaftlich sei.

Stattdessen wurde der Abschnitt zu einem Fuß- und Radweg umgebaut, dessen erster Teil vom Bahnhof Altstadt zur Pottensteiner Straße im September 2000 fertig war.

Das Eisenbahn-Bundesamt hatte schon am 9. März 1995 die dauernde Einstellung des Betriebs zwischen dem Abzweig Kreuzstein und Bayreuth Altstadt genehmigt.

Durch einen Neubau zwischen der ehemaligen Abzweigstelle Kreuzstein und der Nürnberger Straße ist eine Wiederinbetriebnahme nicht mehr möglich.

Der Bahnkilometerstein Bayreuth Kreuzstein, 2012.
Der Bahnkilometerstein Bayreuth Kreuzstein, 2012. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Geschichte in Daten

1887: Am 24. Oktober bittet der Distriktrat Hollfeld um die Planung einer Nebenbahn.

1892: Am 23. Juli sagt das Eisenbahnkomitee Bayreuth-Plankenfels die Übernahme der Projektierungskosten zu.

1904: Am 12. März wird die Strecke eröffnet.

1909: Am 26. Juni geht die Nebenbahn nach Thurnau in Betrieb.

1949: Das Gaswerk in Bayreuth erhält seinen Gleisanschluss.

1961: Am 27. Mai blockieren die Lokführer in Treppendorf einen Bahnübergang für ein Brautpaar.

1974: Am 28. September findet die letzte Fahrt statt.

1992: Am 31. Mai befährt der Triebzug 614 023 die Strecke.

1994: Am 30. September wird der Gütertarifpunkt Altstadt aufgelöst, am 14. Oktober verlässt der letzte Güterzug den Bahnhof.

1995: Am 9. März genehmigt das Eisenbahn-Bundesamt die dauernde Einstellung des Betriebs zwischen Kreuzstein und Altstadt.

2000: Im September ist der erste Abschnitt des Fuß- und Radwegs fertig.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Zug nach Hollfeld?
Die letzte Fahrt war eine Dampf-Sonderfahrt am 28. September 1974.
Wie lang war die Strecke?
Die exakte Länge betrug 32,73 Kilometer, die Luftlinie 20,5 Kilometer.
Was ist von der Strecke erhalten?
In Hollfeld blieben das Bahnhofsgebäude, das Maschinenhaus und ein Nebengebäude erhalten, in Altstadt etwa 50 Meter Gleis.
Kann man die Trasse nutzen?
Teile sind Rad- und Fußwege, so zwischen Bayreuth und Obernsees sowie zwischen Stechendorf und Hollfeld.
Welche Strecke zweigte in Altstadt ab?
Am 26. Juni 1909 ging dort die Nebenbahn nach Thurnau in Betrieb.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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