Ortstermin
„Gleich rollt der Zug über die Ravennabrücke, 36 Meter über dem Grund der Schlucht.“
Die Ravennabrücke, neun Steinbögen hoch über der Schlucht
→ Ein Ortstermin im Hochschwarzwald.
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Kurz gesagt
Die Ravennabrücke trägt die Höllentalbahn seit 1927 über die Ravennaschlucht bei Hinterzarten. Sie ist 224 Meter lang, 36 Meter hoch und gilt als einzige beheizbare Brücke der Deutschen Bahn.
Kurz vor Hinterzarten öffnet sich unter der Höllentalbahn eine tiefe, bewaldete Schlucht.
Darüber spannt sich ein Viadukt aus Granit mit neun Bögen.
Die Ravennabrücke sieht ruhig und massiv aus, doch ihre Geschichte ist erstaunlich bewegt.

Die steile Höllentalbahn
Die Höllentalbahn führt von Freiburg im Breisgau durch das Höllental hinauf in den Hochschwarzwald und weiter bis nach Donaueschingen.
Den Abschnitt von Freiburg bis Neustadt eröffneten die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen am 21. Mai 1887.
Zwischen Himmelreich und Hinterzarten steigt die Strecke mit bis zu 57,8 Promille an.
Mit einer größten Steigung von 1 zu 18 war sie damals die steilste Normalspurbahn Deutschlands.
Auf 6525 Metern zwischen Hirschsprung und Hinterzarten halfen deshalb anfangs Zahnstangen beim Aufstieg.

Die erste Brücke von Robert Gerwig
Ab 1885 entstand die erste Ravennabrücke nach Plänen des Eisenbahnpioniers Robert Gerwig.
Sie ruhte auf drei gemauerten Pfeilern aus Sandstein und trug einen Oberbau aus Stahlfachwerk.
Die Gleise lagen mehr als 37 Meter über dem Bach und stiegen auf der Brücke mit 1 zu 20 an.
Die Züge durften darüber nur 15 Kilometer pro Stunde fahren, die Achslast war auf 16 Tonnen begrenzt.
Das ganze Bauwerk kostete 338.870 Mark.

Gut zu wissen
Die heutige Ravennabrücke ist 224 Meter lang und 36 Meter hoch und hat neun Bögen mit je 20 Metern Weite. Eingeweiht wurde sie am 14. Dezember 1927.
Die Höllentalbahn fährt von Freiburg über Hinterzarten und Neustadt bis nach Donaueschingen. Seit 2019 ist die ganze Strecke elektrifiziert.
Neun Bögen aus Granit
Schwerere Lokomotiven und höhere Geschwindigkeiten machten in den 1920er Jahren einen Neubau nötig.
Ab dem 26. August 1926 entstand ein gemauerter Viadukt mit neun Bögen von je 20 Metern Weite.
Die neue Brücke ist 224 Meter lang und 36 Meter hoch, die Strecke wurde dabei begradigt und um 38 Meter kürzer.
Die Gewölbe bestehen aus Forbachgranit, und manche Pfeiler reichen bis zu 30 Meter tief in den Boden.
Das Baumaterial kam nachts in Sonderzügen, damit der Verkehr auf der Strecke weiterlaufen konnte.

Einweihung im Dezember 1927
Am 10. Dezember 1927 war die Brücke fertig und wurde mit zwei Lokomotiven probeweise belastet.
Vier Tage später, am 14. Dezember 1927, wurde sie eingeweiht.
Die alte Stahlbrücke wurde danach abgerissen, ihre Widerlager sind aber noch vorhanden.
Direkt hinter der Brücke liegt der Ravennatunnel, der einst 85 Meter maß und nach einem teilweisen Aufschlitzen nur noch 47 Meter lang ist.
Der Freiburger Kameramann Sepp Allgeier filmte den gesamten Bau, und der Film lief 1995 in der Fernsehreihe Eisenbahn-Romantik.

Versuchsstrecke für Wechselstrom
In den 1930er Jahren wurde die Strecke bis Neustadt zu einer besonderen Versuchsstrecke.
Die Deutsche Reichsbahn testete hier Strom mit 20.000 Volt und 50 Hertz, wie er aus dem allgemeinen Netz kam.
Der elektrische Versuchsbetrieb begann am 18. Juni 1936.
Die Strecke eignete sich dafür, weil sie ebene Abschnitte sowie leichte und starke Steigungen hatte.
Von den Ergebnissen profitierte später die französische Staatsbahn SNCF, die ihr nördliches Netz mit 50 Hertz elektrifizierte.

Gesprengt im April 1945
Im Zweiten Weltkrieg griffen alliierte Flugzeuge die Brücke an, trafen sie wegen der Sperrballons aber nicht.
Kurz vor Kriegsende, im April 1945, wurde der Viadukt dann von deutscher Seite gesprengt.
Die Sprengladungen steckten schon seit 1941 im Bauwerk.
Drei Pfeiler und vier Bögen wurden zerstört, auf einer Länge von über 100 Metern.
Bis zum Wiederaufbau mussten Reisende zwischen Höllsteig und Hinterzarten zu Fuß durch das Löffeltal gehen.

Wiederaufbau bis Dezember 1947
Ab dem 16. Oktober 1946 wurde die Brücke unter Aufsicht der französischen Besatzungsmacht wieder aufgebaut.
Dabei mussten auch rund 80 deutsche Kriegsgefangene Zwangsarbeit leisten.
Der Wiederaufbau kostete eine Million Reichsmark.
Zuvor testeten vier Dampflokomotiven, ob die Brücke die Last trägt.
Am 22. Dezember 1947 wurde sie festlich wiedereröffnet, und einen Tag später fuhren die Züge wieder durchgehend.

Lichter unter den Bögen
Die Ravennabrücke gilt als einzige beheizbare Brücke der Deutschen Bahn.
Seit 2010 findet an den Adventswochenenden unter dem beleuchteten Viadukt ein Weihnachtsmarkt statt.
Seit 2014 brüten Felsenschwalben an der Brücke.
Seit Ende Oktober 2023 schaut eine Sandsteinfigur des Brückenheiligen Nepomuk von einem Pfeiler, geschaffen im Jahr 1926 von Robert Scharbach.
Die Schlucht darunter ist rund vier Kilometer lang, und ihr größter Wasserfall stürzt 16 Meter tief.

Ankommen in Hinterzarten
Der nächste Bahnhof ist Hinterzarten, ein Höhenluftkurort etwa 25 Kilometer östlich von Freiburg.
Die Ravennaschlucht gehört zu den bekannten Wanderzielen des Ortes.
Durch die Schlucht selbst führt der Heimatpfad Hochschwarzwald, teils über Treppen und Felsgalerien.
Am oberen Ende steht die Großjockenmühle von 1883, bei der das Wasser durch das Dach auf das Mühlrad geleitet wurde.
Wer lieber im Ort bleibt, findet in Hinterzarten das Schwarzwälder Skimuseum und das Adler-Skistadion.

Häufige Fragen
Wo liegt die Ravennabrücke?
Wie groß ist die Brücke?
Warum wurde die erste Brücke ersetzt?
Was geschah mit der Brücke im Krieg?
Seit wann gibt es den Weihnachtsmarkt unter der Brücke?
Weiterfahrt
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→ Ortstermin: Freiburg Hauptbahnhof – der Bahnhof am Anfang der Strecke
