Zahlen, bitte
„Über den Hauptstrecken hängt der Draht – über vielen Nebenstrecken aber nicht.“
Wie viel vom Netz ist elektrifiziert?
→ Rund 62 Prozent der Gleise, aber 90 Prozent des Verkehrs – wir lösen den Widerspruch auf.
Lesezeit: 6 Minuten · Schalter: Zahlen bitte
Kurz gesagt
Elektrisch fahren gilt als sauber und leise. Doch längst nicht überall hängt eine Oberleitung. Wir schauen, wie viel vom deutschen Netz wirklich elektrifiziert ist.
Der elektrische Betrieb ist das Rückgrat der modernen Bahn.
Er ist sauber, leise und kräftig.
Doch damit ein Zug elektrisch fahren kann, braucht er eine Oberleitung – und die gibt es nicht überall.

Rund 62 Prozent der Gleise
Etwa 62 Prozent des deutschen Schienennetzes sind elektrifiziert, haben also eine Oberleitung.
Der Rest, immerhin gut ein Drittel, ist es nicht.
Dort fahren bis heute Dieselfahrzeuge.
Das klingt nach viel ungenutztem Potenzial.
Doch die Zahl erzählt nur die halbe Geschichte.
Entscheidend ist nämlich nicht, wie viele Kilometer elektrifiziert sind, sondern wie viel Verkehr auf ihnen läuft.
Elektrifizierung in Zahlen
~62 %
der Gleise
mit Oberleitung
~90 %
des Verkehrs
fährt elektrisch
~38 %
ohne Draht
meist Nebenstrecken
Warum 90 Prozent elektrisch fahren
Der Trick liegt in der Auswahl.
Elektrifiziert wurden zuerst die wichtigsten, am stärksten befahrenen Strecken.
Dort rollen die meisten Züge.
Die nicht elektrifizierten Strecken sind dagegen oft ruhige Nebenstrecken.
So kommt es, dass rund 90 Prozent der gesamten Verkehrsleistung elektrisch erbracht werden – obwohl nur 62 Prozent der Gleise einen Draht haben.
Die Oberleitung hängt genau dort, wo sie am meisten gebraucht wird.
Das Problem der Nebenstrecken
Auf den restlichen Strecken fahren Dieselfahrzeuge.
Sie sind lauter und stoßen Abgase aus.
Genau hier will die Bahn ansetzen, um sauberer zu werden.
Doch jede Nebenstrecke zu elektrifizieren, wäre teuer und würde sich oft nicht lohnen.
Der Bau der Oberleitung kostet viel Geld, und auf einer wenig befahrenen Strecke dauert es lange, bis sich das rechnet.
Neue Wege ohne Draht
Deshalb setzt man dort zunehmend auf andere Lösungen.
Batteriezüge laden ihren Strom unter der Oberleitung und fahren dann ein Stück ohne Draht weiter.
Auch Wasserstoffzüge werden erprobt.
So lässt sich der Dieselbetrieb nach und nach ersetzen, ohne überall teure Oberleitungen bauen zu müssen.
Das Ziel bleibt: möglichst sauberer Verkehr auf dem ganzen Netz.
Warum Draht so viel bringt
Elektrische Züge haben viele Vorteile.
Sie sind kräftiger als Dieselfahrzeuge, beschleunigen besser und fahren leiser.
Vor allem stoßen sie vor Ort keine Abgase aus – wichtig gerade in Städten und Tunneln.
Zudem können elektrische Züge beim Bremsen Strom zurückgewinnen.
Diese Energie fließt zurück in die Oberleitung und kann von anderen Zügen genutzt werden.
Das spart Energie und Geld.
Der Lückenschluss
Ein besonderes Ärgernis sind kleine Lücken im elektrischen Netz.
Manchmal fehlen nur wenige Kilometer Oberleitung, um zwei elektrifizierte Strecken zu verbinden.
Ein durchgehender elektrischer Betrieb scheitert dann an dieser Lücke.
Solche Lückenschlüsse zu bauen, lohnt sich besonders.
Mit wenig Aufwand lässt sich viel erreichen, weil ganze Verbindungen dann ohne Diesel auskommen.
Die Bahn arbeitet gezielt daran, diese Lücken zu schließen.

Was die Zukunft bringt
Das Ziel ist ein möglichst sauberer Verkehr auf dem ganzen Netz.
Wo sich eine Oberleitung lohnt, wird weiter elektrifiziert.
Wo nicht, kommen Batterie- oder Wasserstoffzüge zum Einsatz.
So entsteht nach und nach eine Bahn, die fast ohne Diesel auskommt.
Die 62 Prozent elektrifizierte Strecke von heute sind dabei nur eine Momentaufnahme – der Anteil soll weiter steigen.
Wie die Oberleitung entstand
Die Elektrifizierung begann in Deutschland vor über hundert Jahren, zunächst in den Bergen und in Ballungsräumen.
Nach und nach wuchs das elektrische Netz und verband die großen Städte.
Durch Kriege und die Teilung Deutschlands verlief der Ausbau in Ost und West unterschiedlich.
Nach der Wiedervereinigung wurde vieles nachgeholt, doch bis heute bleiben große Lücken auf den Nebenstrecken.
Der Vergleich mit anderen Ländern
Beim Anteil elektrifizierter Strecken liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld.
Die Schweiz ist praktisch vollständig elektrifiziert, andere Länder hinken hinterher.
Es gibt also noch Luft nach oben.
Gerade weil die Bahn beim Klimaschutz eine große Rolle spielt, ist der weitere Ausbau wichtig.
Jede zusätzlich elektrifizierte Strecke bringt sauberere, leisere Züge – und macht die Bahn attraktiver.
Der Draht als Zeichen
Für viele ist die Oberleitung längst ein Symbol für eine moderne, saubere Bahn.
Wo sie hängt, fahren leise elektrische Züge; wo sie fehlt, brummt oft noch der Diesel.
Die 62 Prozent von heute sind deshalb auch ein Auftrag: mehr Strecken unter Strom zu setzen und die Lücken zu schließen.
Jede neue Oberleitung bringt die Bahn ein Stück näher an eine Zukunft ganz ohne Diesel.
Wer das nächste Mal eine Oberleitung über dem Gleis sieht, weiß nun: Sie steht für den saubersten und stärksten Teil der Bahn – und für ein Netz, das Stück für Stück weiter unter Strom gesetzt wird.
Kurz erklärt
Rund 62 Prozent des deutschen Schienennetzes sind elektrifiziert.
Trotzdem fahren etwa 90 Prozent des Verkehrs elektrisch.
Grund: Elektrifiziert wurden zuerst die stark befahrenen Hauptstrecken.
Auf Nebenstrecken sollen Batterie- und Wasserstoffzüge den Diesel ablösen.
Häufige Fragen
Wie viel vom Netz ist elektrifiziert?
Warum fahren dann 90 Prozent elektrisch?
Was passiert auf nicht elektrifizierten Strecken?
Weiterfahrt
→ Was kostet die Generalsanierung? – noch eine Zahl
→ Ortstermin: Bahn am Mittelrhein – eine Bilderreise
→ Haben ICE-Züge Namen? – ein Mythen-Check
