Bahn-Slam · Zahlen, bitte
„Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug fährt elektrisch. Über die meisten Strecken könnte er das – aber nicht über alle.“
Wie viel vom Netz ist elektrifiziert?
→ Rund 62 Prozent der Strecken haben eine Oberleitung – aber fast der ganze Verkehr fährt schon elektrisch.
Lesezeit: 6 Minuten · Netz & Energie
Kurz gesagt
Rund 62 Prozent des deutschen Bundesschienennetzes sind elektrifiziert, haben also eine Oberleitung. Das klingt nach wenig, ist aber mehr, als es scheint: Weil vor allem die stark befahrenen Hauptstrecken unter Strom stehen, werden bereits 90 Prozent der gesamten Verkehrsleistung elektrisch erbracht. Auf dem Rest, oft dünne Nebenstrecken, fahren noch Dieselzüge. Bis 2030 will der Bund auf mindestens 75 Prozent kommen – doch der Ausbau geht schleppend: 2024 kamen nur rund 20 Kilometer neue Oberleitung dazu.
Ein elektrischer Zug ist leise, sauber und stark – aber er braucht eine Oberleitung über sich.
Und die gibt es längst nicht überall.
Auf vielen Nebenstrecken tuckert noch der Dieseltriebwagen, weil schlicht kein Draht gespannt ist.
Wie groß ist also der elektrische Teil des Netzes – und warum fühlt es sich größer an, als die Zahl sagt?

Die große Zahl
Rund 62 Prozent des Bundesschienennetzes sind elektrifiziert.
Betrachtet man wirklich jeden Kilometer Gleis im Land, sind es sogar nur etwa 54 Prozent.
Doch diese Zahl täuscht, denn unter Strom stehen vor allem die großen, viel befahrenen Hauptstrecken.
Deshalb werden schon rund 90 Prozent der gesamten Verkehrsleistung elektrisch gefahren – fast alles, was wichtig ist.
Strom auf der Schiene
62 %
des Netzes elektrifiziert
Bundesschienennetz, mit Oberleitung
90 %
der Verkehrsleistung
wird bereits elektrisch gefahren
75 %
Ziel bis 2030
so viel soll Oberleitung haben
≈ 20 km
neu in 2024
so langsam wächst das Netz
59 → 62 %
2010 bis 2024
kaum Fortschritt in 14 Jahren
Quelle: Allianz pro Schiene, Statista. 62 Prozent Bundesnetz, 54 Prozent Gesamtnetz.
Warum der Rest noch Diesel fährt
Eine Strecke zu elektrifizieren ist teuer: Masten, Oberleitung, Umspannwerke, oft auch höhere Tunnel und Brücken.
Auf einer kleinen Nebenstrecke mit wenigen Zügen rechnet sich das lange nicht.
Deshalb blieben viele Landstrecken beim Diesel – bis heute.
Neue Ideen helfen: Akku-Züge, die ein Stück ohne Draht fahren, oder Wasserstoffzüge auf einzelnen Strecken.
Warum der Ausbau so zäh ist
Die Bundesregierung will bis 2030 mindestens 75 Prozent des Netzes elektrifiziert haben.
Doch das Tempo stimmt nicht: 2024 kamen nur rund 20 Kilometer neue Oberleitung dazu, im Jahr danach etwas mehr.
Um das Ziel zu schaffen, müssten jährlich Hunderte Kilometer gebaut werden. Im EU-Vergleich ist Deutschland beim Strom auf der Schiene nur Mittelmaß.
Zum Weiterdenken
Jeder Kilometer Oberleitung ersetzt Diesel durch Strom – und wenn der grün ist, fast CO₂-freie Fahrten.
Gerade die letzten, dünnen Strecken sind am teuersten zu elektrifizieren und bringen am wenigsten Verkehr.
Deshalb wird die Lücke wohl nie ganz durch Draht geschlossen – sondern zunehmend durch Akku- und Wasserstoffzüge.
Häufige Fragen zur Elektrifizierung
Wie viel vom deutschen Bahnnetz ist elektrifiziert?
Warum fährt dann fast alles elektrisch?
Wo fahren noch Dieselzüge?
Welches Ziel gibt es?
Was sind die Alternativen zur Oberleitung?
Steht Deutschland gut da?
Quellen
Allianz pro Schiene und Statista: rund 62 Prozent Elektrifizierung des Bundesschienennetzes (54 Prozent Gesamtnetz), 90 Prozent der Verkehrsleistung elektrisch, Ziel 75 Prozent bis 2030, rund 20 Kilometer Neubau 2024.
Alle Zahlen gerundet. Stand: September 2026.
Weiterfahrt
→ Wie viel Strom verbraucht die Bahn? – was durch die Oberleitung fließt
→ Wie lang ist das Schienennetz? – das ganze Netz in Zahlen
→ Wasserstoffzug – fahren ohne Oberleitung
