Standpunkt
„Nächster Halt: Zukunft, dieser Bus fährt mit Strom von oben und mit Akku, wo der Draht fehlt.“
Sollten Städte Oberleitungsbusse zurückbringen?
→ Ein Standpunkt zum Comeback des Busses an der Oberleitung.
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Worum es geht
Ja, aber gezielt. Auf stark genutzten Linien ist der Oberleitungsbus mit Batterie eine bewährte und saubere Lösung. Für jede Stadt passt er aber nicht, denn Oberleitungen kosten Geld, Planung und Zeit.
Einst fuhren Oberleitungsbusse in vielen deutschen Städten, heute sind nur noch drei Betriebe übrig.
Gleichzeitig suchen Städte nach Wegen, ihre Busflotten ohne Diesel zu betreiben.
Deshalb stellt sich die Frage, ob der Bus am Draht ein Comeback verdient.

Ein Bus mit Stromabnehmer
Ein Oberleitungsbus bezieht seinen Fahrstrom über Stromabnehmer aus einer Oberleitung, die über der Fahrbahn gespannt ist.
Anders als bei der Straßenbahn ist diese Leitung stets zweipolig ausgeführt.
Der Obus ist damit weder an Gleise gebunden wie eine Bahn noch völlig frei wie ein Dieselbus.
In Deutschland ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt ihn den Kraftomnibussen zu.

Nur noch drei Betriebe
In Deutschland gibt es heute nur noch drei Obus-Systeme, in Eberswalde, in Esslingen am Neckar und in Solingen.
Eberswalde nahm seinen Betrieb im November 1940 auf und ist damit der älteste deutsche Obusbetrieb.
Esslingen folgte am 10. Juli 1944 und hat mit 15,2 Kilometern Netzlänge das kleinste der drei Systeme.
Solingen besitzt mit 102 Kilometern Streckenlänge das größte Netz des Landes.
Von der Blüte zum Abbau
Weltweit gab es Ende 2025 insgesamt 252 Obus-Betriebe in 44 Staaten.
Mehr als 500 Netze wurden dagegen wieder stillgelegt, die meisten davon in der westlichen Welt.
Dort erlebte der Oberleitungsbus seine Blütezeit in den 1950er- und 1960er-Jahren.
Heute fährt er vor allem in Mittel- und Osteuropa, in Nachfolgestaaten der Sowjetunion, in China, Italien und der Schweiz.
Ein früher Versuch in Eberswalde
Schon im März 1901 eröffnete in Eberswalde eine sogenannte Gleislose Bahn vom Alsenplatz zum Bahnhof.
Sie gilt als erster regelmäßig betriebener Obus Deutschlands.
Die Technik war aber noch nicht ausgereift, und bereits im Juni desselben Jahres wurde der Betrieb wieder eingestellt.
Heute verkehren in Eberswalde zwei Linien, im Volksmund heißt der Bus dort Strippenbus.
Solingen setzt auf Batterie
In Solingen heißt der Obus im Volksmund Stangentaxi.
Ab Juni 2018 testeten die Stadtwerke dort vier sogenannte Batterie-Oberleitungsbusse.
Solche Fahrzeuge können Abschnitte ohne Oberleitung mit Strom aus ihrer Batterie fahren.
Seit Januar 2024 werden in Solingen zusätzlich die Linien 691 und 694 elektrisch betrieben.
Aufwendige Zulassung
Die Zulassung eines Oberleitungsbusses ist aufwendiger und dauert deutlich länger als bei einem normalen Bus.
Weil es in Deutschland keine eigene Verordnung für Obusse gibt, wird bei neuen Anlagen die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung angewendet.
Die Oberleitungen werden regelmäßig geprüft, in Esslingen etwa die elektrischen Anlagen vierteljährlich.
Solche Pflichten sorgen für Sicherheit, verursachen aber zusätzlichen Aufwand.
Was eine Oberleitung bedeutet
Das Solinger Fahrleitungsnetz ist 98,7 Kilometer lang und wird von 20 Unterwerken gespeist.
In Esslingen hätte ein privater Betreiber nach dem Stand von 2016 jährlich eine Million Euro Trassengebühren an die Stadt zahlen müssen.
An Weichen im Fahrdraht gelten niedrige Geschwindigkeiten, in Esslingen etwa 25 Kilometer pro Stunde.
Solche Anlagen lohnen sich vor allem auf Linien mit vielen Fahrgästen und dichtem Takt.
Kleine Tücken im Alltag
Ganz ohne Probleme läuft der Betrieb nicht.
In Solingen springt bei rund 50 eingesetzten Fahrzeugen im Durchschnitt einmal am Tag eine Stange aus dem Draht.
Moderne Anlagen prüfen die Schleifkontakte der Stromabnehmer inzwischen automatisch, etwa in Esslingen und Zürich.
Solche kleinen Störungen gehören zum Alltag, ändern aber nichts daran, dass die Technik seit Jahrzehnten funktioniert.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Pro und Contra
Dafür
+ Oberleitungsbusse fahren vor Ort ohne Abgase und deutlich leiser als Dieselbusse.
+ Mit Batterie können sie auch Strecken ohne Draht bedienen und lassen sich flexibler einsetzen.
+ Weil sie unterwegs Strom bekommen, kommen sie in der Regel mit kleineren Akkus aus als reine Batteriebusse.
+ Die Technik ist erprobt, in Eberswalde fährt der Obus seit 1940.
+ Eine Oberleitung ist ein sichtbares Versprechen, dass eine Linie dauerhaft bleibt.
+ Solingen zeigt, dass ein großes Netz mit mehr als 100 Kilometern Strecke im Alltag funktioniert.
Dagegen
− Oberleitungen kosten viel Geld für Bau, Unterwerke und Wartung.
− Die Zulassung ist aufwendiger und dauert länger als bei normalen Bussen.
− Drähte über der Straße gelten in manchen Stadtbildern als störend.
− Reine Batteriebusse brauchen keine Oberleitung und lassen sich schneller einführen.
− Umleitungen bei Baustellen sind mit Draht schwieriger, auch wenn Batterien das abmildern.
− Viele Städte haben ihre alten Netze abgebaut, ein Neuanfang müsste bei null beginnen.
Unterm Strich
Der Oberleitungsbus ist keine Technik von gestern, sondern mit Batterie eine moderne Lösung.
Er lohnt sich vor allem auf dicht befahrenen Linien, auf denen viele Busse dieselbe Strecke fahren.
Städte sollten ihn neben Batteriebussen und Straßenbahnen ernsthaft prüfen, statt ihn aus Gewohnheit auszuschließen.
Solingen, Esslingen und Eberswalde zeigen seit Jahrzehnten, dass Strom von oben im Alltag funktioniert.
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