Sollten schon 18-Jährige Züge fahren dürfen?

Standpunkt

„Einsteigen bitte, dieser Zug wird von einer jungen Fachkraft gefahren, jünger als 20 ist sie aber nicht.“

Sollten schon 18-Jährige Züge fahren dürfen?

→ Ein Standpunkt zum Mindestalter für Lokführer.

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Worum es geht

Nein. Die Altersgrenze von 20 Jahren ist europäisch abgestimmt und passt zu einem Beruf mit großer Verantwortung. Junge Absolventen sollten die Zeit bis dahin aber sinnvoll nutzen können, etwa im Rangierdienst und bei der Streckenkunde.

Mit 18 Jahren ist man in Deutschland volljährig und darf Auto fahren.

Einen Zug auf der Strecke steuern darf man dagegen erst mit 20 Jahren.

Weil Lokführer vielerorts knapp sind, liegt die Frage nahe, ob diese Grenze noch passt.

Dieser Standpunkt wägt ab, ob schon 18-Jährige Züge fahren dürfen sollten.

Rangierlok ()
Foto: kaffeeeinstein, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die Regel von 20 Jahren

Triebfahrzeugführer müssen in Deutschland mindestens 20 Jahre alt sein.

Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung wurde dafür an die europäische Norm angepasst.

Seit Mai 2011 gilt in Deutschland die Triebfahrzeugführerscheinverordnung.

Der Führerschein wird vom Eisenbahn-Bundesamt ausgestellt und ist ein behördliches Dokument.

Klasse A gilt nur für Rangierfahrten, Klasse B für Zugfahrten, gegebenenfalls beschränkt auf Personen- oder Güterverkehr.

Mainz Kastel Bahnhof auf Brücke der Bundesstraße 40 Richtung Frankfurt a
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Lücke nach der Ausbildung

Die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst dauert in der Regel drei Jahre.

Seit dem Ausbildungsjahr 2022 sind die Fachrichtungen Lokführer und Transport sowie Zugverkehrssteuerung voneinander getrennt.

Wer die Ausbildung früh beginnt, ist bei ihrem Abschluss unter Umständen noch keine 20 Jahre alt.

Dann braucht es eine Ausnahmegenehmigung des Eisenbahn-Bundesamts.

In der Regel dürfen junge Absolventen dann nur im Rangier- und Bereitstellungsdienst arbeiten.

Hohe Hürden bei der Eignung

Wegen der hohen Verantwortung und des Gefahrenpotenzials sind psychologische Eignungstests Standard.

Auch Drogentests gehören zu den üblichen Voraussetzungen.

Die Tauglichkeit stellt ein von der Behörde zugelassener Arzt fest, und sie wird regelmäßig überprüft.

Diese Prüfungen sortieren ungeeignete Bewerber unabhängig vom Alter aus.

Sie messen allerdings nicht die Erfahrung, die mit den Jahren wächst.

Ein Beruf mit Verantwortung

Lokführer bringen Fahrgäste und Güter sicher ans Ziel und reagieren auf Störungen unterwegs.

Stellen sie sicherheitsrelevante Schäden fest, lassen sie das Fahrzeug in Absprache mit der Leitstelle außer Dienst nehmen.

Hat ein Zug keinen eigenen Zugführer, ist der Triebfahrzeugführer zugleich Zugführer.

Die Abfertigung übernimmt er je nach Zug gemeinsam mit Zugbegleitern oder auch allein.

Solche Entscheidungen verlangen Ruhe und Urteilsvermögen, die nicht jeder mit 18 schon mitbringt.

Europa gibt den Rahmen vor

In der Europäischen Union gibt es einen harmonisierten Triebfahrzeugführerschein.

Er gilt bei allen deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen und grundsätzlich auch im europäischen Ausland.

Gemeinsame Mindeststandards sind die Grundlage dafür, dass Lokführer über Grenzen hinweg anerkannt werden.

Eine niedrigere Altersgrenze müsste mit diesen europäischen Regeln vereinbar sein.

Ein deutscher Alleingang könnte deshalb mehr Probleme schaffen, als er löst.

Der Mangel an Nachwuchs

Wie knapp Lokführer sind, zeigt sich an ausgefallenen Zügen.

So musste etwa das Unternehmen Vias ab der Jahresmitte 2024 wegen Personalmangels erneut viele Fahrten auf der Rheingaulinie ausfallen lassen.

Die Deutsche Bahn rechnete schon für 2015 mit einem Durchschnittsalter ihrer Beschäftigten von über 50 Jahren.

Neben der klassischen Ausbildung gibt es den Quereinstieg, der meist zehn bis vierzehn Monate dauert.

Der Nachwuchs kommt also längst nicht nur aus der Schule, sondern auch aus anderen Berufen.

Was eine Senkung bringen würde

Eine Grenze von 18 Jahren würde vor allem Absolventen helfen, die ihre Ausbildung sehr jung abschließen.

Für sie entfiele die Wartezeit bis zum 20. Geburtstag.

Die Zahl zusätzlicher Lokführer dürfte dadurch aber begrenzt bleiben, denn es ginge nur um einen kleinen Teil eines Jahrgangs.

Größere Wirkung versprechen gute Arbeitsbedingungen, planbare Schichten und mehr Ausbildungsplätze.

Das Mindestalter ist deshalb nicht der entscheidende Hebel gegen den Mangel.

Die Wartezeit sinnvoll nutzen

Jüngere Absolventen müssen bis zum 20. Geburtstag nicht untätig sein.

Mit Ausnahmegenehmigung können sie im Rangier- und Bereitstellungsdienst Erfahrung sammeln.

Weitere Strecken lernen Lokführer ohnehin auf Instruktionsfahrten kennen, neue Fahrzeuge in mehrtägigen Kursen.

Wer diese Zeit gezielt dafür nutzt, startet mit 20 besser vorbereitet in den Streckendienst.

So entsteht aus der Wartezeit eine Einarbeitungszeit, die der Sicherheit nützt.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Pro und Contra

Dafür

+  Wer die dreijährige Ausbildung früh beginnt, ist bei Abschluss unter Umständen noch keine 20 Jahre alt.

+  Eine niedrigere Grenze würde junge Fachkräfte früher in den Führerstand bringen.

+  Mit 18 tragen junge Menschen auch im Straßenverkehr Verantwortung.

+  Sifa und Zugbeeinflussung überwachen jeden Lokführer, unabhängig vom Alter.

+  Eignungstests, Drogentests und ärztliche Untersuchungen sortieren ungeeignete Bewerber ohnehin aus.

+  Eine Wartezeit nach der Ausbildung kann Nachwuchs an andere Branchen verlieren.

Dagegen

−  Die Grenze von 20 Jahren entspricht der europäischen Norm, an die Deutschland seine Regeln angepasst hat.

−  Ein europaweit anerkannter Führerschein braucht gemeinsame Standards.

−  Lokführer tragen Verantwortung für Hunderte Fahrgäste oder schwere Güterzüge.

−  Schon heute können Jüngere mit Ausnahmegenehmigung im Rangier- und Bereitstellungsdienst arbeiten.

−  Zwei Jahre Unterschied beim Mindestalter lösen den Personalmangel nicht.

−  Erfahrung und Reife lassen sich durch Technik nicht vollständig ersetzen.

Unterm Strich

Das Mindestalter von 20 Jahren ist keine Schikane, sondern ein europäischer Standard für einen verantwortungsvollen Beruf.

Eine Senkung auf 18 würde den Mangel an Lokführern kaum beheben, aber einen gemeinsamen Maßstab aufweichen.

Wichtiger ist, dass junge Absolventen die Zeit bis zum 20. Geburtstag im Rangierdienst, auf Instruktionsfahrten und in Fahrzeugkursen nutzen können.

Dann sitzen sie mit 20 gut vorbereitet im Führerstand und nicht nur ein paar Monate früher.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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