Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Üsküdar: Soeben haben wir unter dem Bosporus von Europa nach Asien gewechselt.“
Wie lang ist der Marmaray-Tunnel unter dem Bosporus?
→ Ein Tunnel in Zahlen.
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Kurz gesagt
Der Marmaray-Tunnel ist insgesamt 13,6 Kilometer lang. Davon liegen rund 1,4 Kilometer als Absenktunnel am Grund des Bosporus zwischen Europa und Asien.
Istanbul liegt auf zwei Kontinenten, getrennt durch die Meerenge Bosporus.
Seit 2013 fahren dort Züge unter dem Wasser von Europa nach Asien.
Der Marmaray-Tunnel ist die erste normalspurige Eisenbahnverbindung zwischen den beiden Kontinenten.

Die wichtigsten Zahlen
13,6 km
Tunnel insgesamt
neu gebaut
1387 m
Absenktunnel
elf Teile am Meeresgrund
76 km
ganze Marmaray-Strecke
Halkalı bis Gebze
Der tiefste Punkt liegt nach der deutschen Wikipedia 56 Meter unter dem Meeresspiegel, die englische nennt gut 60 Meter.
13,6 Kilometer neuer Tunnel
Für das Marmaray-Projekt entstanden insgesamt 13,6 Kilometer neue Tunnel.
Davon liegen 1,4 Kilometer als Absenktunnel direkt am Meeresgrund.
Weitere 9,8 Kilometer wurden in bergmännischer Bauweise gegraben.
Die restlichen 2,4 Kilometer entstanden in offener Bauweise.
Der Tunnel unter dem Bosporus ist zweigleisig.
Er verbindet den europäischen und den asiatischen Teil von Istanbul.

Elf Teile auf dem Meeresgrund
Den Bosporus unterquert ein 1387 Meter langer Absenktunnel.
Er besteht aus elf vorgefertigten Tunnelelementen.
Acht davon sind 135 Meter lang, zwei 98,5 Meter und eines 110 Meter.
Jedes Element ist außen 8,75 Meter hoch und 15,5 Meter breit.
Die Teile wurden in einen zuvor ausgehobenen Graben am Meeresgrund abgesenkt und danach wieder zugeschüttet.
An Land schließen Tunnelröhren an, die im bergmännischen Vortrieb entstanden.
Gut zu wissen
Der Marmaray-Tunnel ist 13,6 Kilometer lang, davon liegen 1,4 Kilometer als Absenktunnel am Meeresgrund. Der tiefste Punkt liegt je nach Quelle 56 bis gut 60 Meter unter dem Meeresspiegel.
Der Tunnel wurde am 29. Oktober 2013 eröffnet, die ganze rund 76 Kilometer lange Strecke folgte am 12. März 2019. Er ist für Erdbeben bis zur Stärke 9,0 ausgelegt.
Bis zu 60 Meter unter dem Meer
Der Tunnel liegt sehr tief.
Die deutsche Wikipedia nennt als tiefsten Punkt 56 Meter unter dem Meeresspiegel.
Die englische Wikipedia spricht von gut 60 Metern und nennt ihn den tiefsten Absenktunnel unter dem Meer weltweit.
Die Wassersäule darüber drückt mit etwa 6 bar auf die Tunnelwand.
Für den Bau wurde deshalb ein besonderer Beton entwickelt, der keine Mikrorisse bekommen darf.
Er durfte beim Aushärten höchstens 50 Grad warm werden statt der üblichen 70 Grad.
Sicher bis Stärke 9
Istanbul liegt nahe der Nordanatolischen Verwerfung, die etwa 20 Kilometer südlich der Stadt durch das Marmarameer verläuft.
Deshalb lebt die Stadt mit der ständigen Gefahr starker Erdbeben.
Im Jahr 1999 bebte die Erde bei İzmit, rund 100 Kilometer östlich von Istanbul, mit der Stärke 7,4.
Der Marmaray-Tunnel ist darauf ausgelegt, Erdbeben bis zur Stärke 9,0 zu überstehen.
Er soll auch einer Verflüssigung des sandigen Bodens standhalten.
Ausgelegt ist das Bauwerk auf eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren.
Rund 76 Kilometer Strecke
Der Tunnel ist das Herzstück einer viel längeren Bahnstrecke.
Sie reicht von Halkalı auf der europäischen bis nach Gebze auf der asiatischen Seite.
Die Wikipedia nennt für die Gesamtstrecke 76,3 oder 76,6 Kilometer.
Davon sind 62,7 Kilometer bestehende oberirdische Strecken, die dreigleisig ausgebaut wurden.
Zwei Gleise dienen dem Nahverkehr, das dritte dem Fernverkehr.
Güterzüge fahren wegen des dichten Personenverkehrs nachts.
Von der Idee 1860 bis zum Bau
Die Idee eines Tunnels unter dem Bosporus stammt aus dem Jahr 1860.
Damals dachte man an eine Art schwebenden Tunnel auf Pfeilern am Meeresgrund.
Ein Plan von 1902 sah Tunnelröhren vor, die auf dem Meeresboden liegen sollten.
Erst in den 1980er Jahren wurde die Idee wieder aufgegriffen, eine große Studie erschien 1987.
Am 19. August 1999 unterzeichneten die Türkei und Japan eine Vereinbarung über das Projekt.
Die Bauarbeiten begannen im Mai 2004.
Schiffe aus Byzanz
Beim Bau stießen die Arbeiter auf eine archäologische Sensation.
An der Station Yenikapı fanden sich Reste des antiken Hafens von Byzanz aus dem 4. Jahrhundert.
Darunter waren 33 Schiffe.
Außerdem kamen bis zu 8500 Jahre alte Gräber zum Vorschein.
Die Funde führten zu einem örtlichen Baustopp.
Erst am 13. Januar 2011 waren die Ausgrabungen abgeschlossen.
Eröffnung am Nationalfeiertag
Am 29. Oktober 2013 wurde der Tunnel unter dem Bosporus eröffnet.
Das war der 90. Jahrestag der Gründung der Türkischen Republik.
Zunächst umfasste das Teilstück nur den Tunnel und fünf Stationen.
Es war anfangs auf keiner Seite mit dem übrigen Bahnnetz verbunden.
Erst am 12. März 2019 ging die gesamte Strecke mit 43 Stationen in Betrieb.
In den technischen Daten der Wikipedia werden dagegen 40 Stationen genannt.
75.000 Fahrgäste pro Stunde
Marmaray ist vor allem eine Bahn für den Nahverkehr.
Pro Stunde und Richtung sollen bis zu 75.000 Fahrgäste befördert werden können.
Die Züge fahren alle 2 bis 10 Minuten.
Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 Kilometern pro Stunde, im Schnitt sind sie mit 45 Kilometern pro Stunde unterwegs.
Der Anteil der Bahn am Verkehr in Istanbul sollte damit von 3,6 auf 27,7 Prozent steigen.
Istanbul hat rund 15 Millionen Einwohner, und etwa zwei Drittel leben im europäischen Teil.
Züge für 3040 Menschen
Für den Nahverkehr lieferte die koreanische Firma Hyundai Rotem neue Triebzüge.
Es sind 20 fünfteilige und 34 zehnteilige Züge.
Ein Zehn-Wagen-Zug ist 220 Meter lang und kann bis zu 3040 Menschen befördern.
Dafür haben die Wagen je Seite fünf Doppeltüren und viel Platz zum Stehen.
Die Wagenkästen aus rostfreiem Stahl sind auf 50 Jahre ausgelegt.
Insgesamt kamen 440 neue Wagen auf die Strecke.
Auch Schnellzüge unter dem Meer
Durch den Tunnel fahren nicht nur Vorortzüge.
Auch der türkische Hochgeschwindigkeitszug YHT nutzt die Strecke auf ganzer Länge.
Der Fernverkehr hält an acht Stationen in Istanbul und braucht von Gebze nach Halkalı 105 Minuten.
Die Baukosten sollen bei rund 2,5 Milliarden Euro liegen.
Ursprünglich war von einem Projekt für 1,6 Milliarden Dollar die Rede.
Den größten Teil finanzierten die Japan Bank for International Cooperation und die Europäische Investitionsbank.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
