Ortstermin
„Nächster Halt Obstfelderschmiede, bitte hier in die Standseilbahn nach Lichtenhain umsteigen, die Fahrt hinauf auf die Hochfläche dauert 18 Minuten.“
Die Oberweißbacher Bergbahn, auf der einst ganze Güterwagen Seilbahn fuhren
→ Ein Ortstermin im Thüringer Schiefergebirge.
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Kurz gesagt
Die Oberweißbacher Bergbahn verbindet seit den Jahren 1922 und 1923 das Schwarzatal mit den Orten auf der Hochfläche und besteht aus einer Standseilbahn und einer elektrischen Flachstrecke. Ihre Seilbahn ist mit 1800 Millimetern Spurweite die einzige breitspurige Seilbahn Deutschlands, und ihre Güterbühne kann ganze Eisenbahnwagen den Hang hinauftragen.
Im Thüringer Schiefergebirge verbindet die Oberweißbacher Bergbahn den Haltepunkt Obstfelderschmiede im Schwarzatal mit der Gemeinde Cursdorf oben auf der Hochfläche.
Seit 2020 heißt sie offiziell Thüringer Bergbahn, doch bekannt geworden ist sie in über hundert Jahren unter ihrem alten Namen.
Wer hier einsteigt, fährt zuerst mit dem Seil den steilen Hang hinauf und steigt dann in einen kleinen elektrischen Triebwagen um, der über die Hochfläche nach Cursdorf rollt.

Dörfer über dem Schwarzatal
Als die Schwarzatalbahn im August 1900 bis Katzhütte fertig war, lagen Lichtenhain, Oberweißbach, Deesbach und Cursdorf noch immer abseits auf ihrer Hochfläche über dem Tal.
Besonders im Winter war der Weg hinunter so beschwerlich, dass der Transport von Menschen und Gütern zeitweise überhaupt nicht möglich war.
Geplant wurden deshalb verschiedene Verbindungen, etwa von der Schwarzatalbahn hinauf nach Ernstthal am Rennsteig oder weiter hinüber nach Lauscha.
Eine gewöhnliche Bahnstrecke über die Hochfläche wäre zwar technisch machbar gewesen, doch Bau- und Betriebskosten standen in keinem vertretbaren Verhältnis zum erwarteten Nutzen.

Die Heimat der Buckelapotheker
Oberweißbach wurde 1370 erstmals urkundlich erwähnt und war früh ein Zentrum für die Herstellung und den Handel von Olitäten, also von wohlriechenden Ölen, Essenzen und Salben.
Die Händler, die man Buckelapotheker nannte, brachten ihre Heilmittel auf oft wochenlangen Fußreisen zu Kunden in ganz Europa, und ihre lederne Rückentrage, die Raanz, gab dem Landstrich seinen Spitznamen.
Der Olitätenhandel gilt auch als ein Antrieb für den Bau der Bergbahn, die die Orte auf der Hochfläche endlich an das Verkehrsnetz anschließen sollte.
Im 19. Jahrhundert kam die Glasbläserei hinzu, und die 1903 gegründete Glühlampenfabrik stellte nach 1990 vor allem Glaslichtschmuck wie Christbaumschmuck her, bis sie im Jahr 2009 schloss.

Gut zu wissen
Die Bergbahn fährt im Stundentakt als Regionalbahnlinie RB 61 und ist barrierefrei. Es gilt ein eigener Sondertarif, das Deutschlandticket wird aber anerkannt, und Inhaber einer BahnCard 25 oder 50 erhalten drei Euro Ermäßigung.
Am Personenwagen der Seilbahn können bei jeder zweiten Fahrt bis zu acht Fahrräder mitfahren, auch in den Triebwagen der Flachstrecke ist Platz für Räder. Die Fahrkarten der Bergbahn gelten zugleich für die An- und Abfahrt mit der Schwarzatalbahn.
Eine Aktiengesellschaft für den Berg
Im Jahr 1919 gründeten der Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt und die Gemeinden Lichtenhain, Oberweißbach, Deesbach und Cursdorf gemeinsam die Oberweißbacher Bergbahn-Aktiengesellschaft.
Statt einer teuren Strecke über die Hochfläche sollte eine Standseilbahn den steilen Hang direkt hinaufführen und oben an eine kurze elektrische Bahn anschließen.
Die Seilbahntechnik entwarf und lieferte die Firma Ernst Heckel aus Saarbrücken, während die elektrische Antriebstechnik getrennt davon bei der Firma Bergmann in Berlin bestellt wurde.
Die übrigen Bauarbeiten begannen im September 1919 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, und die Eisenbahndirektion Erfurt richtete unten im Tal eigens den neuen Haltepunkt Obstfelderschmiede ein.

Erste Fahrten und ein kurioser Unfall
Am 15. Februar 1922 gingen der Haltepunkt Obstfelderschmiede und der Güterverkehr auf der Bergbahn in Betrieb, die Fahrgäste mussten sich aber noch ein Jahr gedulden.
Am 1. September 1922 ließ ein Maschinist den Antriebsmotor trotz strengen Verbots im Leerlauf arbeiten, sodass die Seilbahn außer Kontrolle geriet und der überdrehte Motor auseinandergerissen wurde.
Es blieb bei einem Sachschaden, der allerdings beträchtlich war, und im Herbst 1922 wurden automatisch wirkende Fangvorrichtungen in die Bahn eingebaut.
Nach Probefahrten und der Endabnahme im Januar 1923 begann am 1. März 1923 der Personenverkehr, und am 15. März 1923 wurde die Strecke offiziell eröffnet.

Breitspur am steilen Hang
Die Standseilbahn ist 1351 Meter lang und verbindet die Talstation Obstfelderschmiede mit der Bergstation Lichtenhain an der Bergbahn.
Mit einer Spurweite von 1800 Millimetern ist sie die einzige breitspurige Seilbahn Deutschlands und überwindet bei einer fast gleichmäßigen Steigung von 1:4 einen Höhenunterschied von 323 Metern.
In der Streckenmitte liegt eine Abtsche Ausweiche, an der sich der Personenwagen mit 42 Sitz- und 58 Stehplätzen und die sogenannte Güterbühne begegnen.
Das Zugseil wurde seit der Eröffnung schon 13-mal ausgetauscht, es wird einmal im Jahr vom TÜV geprüft, und jeden November ruht der Betrieb für eine gründliche Inspektion.

Die Güterbühne, die Waggons trägt
Die Güterbühne ist eine fahrbare Plattform, auf der die Seilbahn zweiachsige normalspurige Güterwagen mit einer Masse von bis zu 27 Tonnen befördern kann.
Über Drehscheiben an beiden Enden wechselten die Wagen zwischen der Schwarzatalbahn und der Flachstrecke, bis der Güterverkehr im Jahr 1966 eingestellt wurde.
Seit 1924 kann die Güterbühne auch Fahrgäste befördern, und heute sitzt auf ihr meist der frühere Beiwagen EB 188 513 der Schleizer Kleinbahn mit seinen 32 Sitzplätzen.
Von Mai bis Oktober kommt bei gutem Wetter seit 2008 stattdessen ein offener Wagen ohne Dach zum Einsatz, in dem die Fahrt über den Hang zum Erlebnis unter freiem Himmel wird.

Mit dem Triebwagen über die Hochfläche
Oben in Lichtenhain beginnt die 2,635 Kilometer lange Flachstrecke, die über den Haltepunkt Oberweißbach-Deesbach bis nach Cursdorf führt.
Sie ist seit ihrer Eröffnung elektrifiziert, zunächst mit 500 Volt Gleichstrom und seit dem Austausch der Triebwagen im Jahr 1982 mit 600 Volt.
Früher dienten an der Strecke geschlagene Fichten als Fahrleitungsmasten, weshalb die Triebwagen einen seitlich versetzten Stromabnehmer brauchten, bis 1979 Betonmasten die alten Stämme ersetzten.
Heute pendeln elektrische Triebwagen der Baureihe 479 in acht Minuten über die Hochfläche, und seit 2016 fährt als Olitätenwagen einer mit Glasdach, Kräuter-Memory und Duftkasten.

Von der Reichsbahn zum Bahnhof des Jahres
Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Bergbahn, die bei ihr einer von sechs elektrischen Inselbetrieben war.
In der DDR brachte der Urlauberschnellzug zwischen Dresden und Katzhütte viele Feriengäste ins Schwarzatal, und an An- und Abreisetagen fuhr die Bergbahn oft voll besetzt und mit Sonderfahrten.
Seit Januar 1982 steht die Bahn als Denkmal der Produktions- und Verkehrsgeschichte unter Schutz, seit 1994 gehört sie der Deutschen Bahn, und in den Jahren 2001 und 2002 wurde die Seilbahn grundüberholt.
Im Jahr 2015 kürte die Allianz pro Schiene die Stationen Obstfelderschmiede und Lichtenhain zum Bahnhof des Jahres, und seit 2017 zeigt das Erlebnismuseum Maschinarium die Antriebsanlage der Seilbahn.

Ankommen in der Bergbahnregion
Wer anreist, nimmt die Schwarzatalbahn von Rottenbach bis Obstfelderschmiede, steigt dort in die Standseilbahn um und fährt ab Lichtenhain mit dem Triebwagen weiter nach Oberweißbach-Deesbach.
In Oberweißbach erinnert seit 1982 ein Museum im Geburtshaus am Markt an Friedrich Fröbel, der hier 1782 geboren wurde und später den Kindergarten begründete.
Die 1779 fertiggestellte Hoffnungskirche, in der Fröbel getauft wurde, gilt mit 2000 Sitzplätzen als größte Dorfkirche Thüringens und besitzt eine Kanzel, auf der zwölf Erwachsene Platz finden.
Wer danach noch Weitblick sucht, steigt auf den 1890 zu Ehren Fröbels errichteten Aussichtsturm auf dem 785 Meter hohen Kirchberg, bevor es mit der Seilbahn wieder hinab ins Schwarzatal geht.

Häufige Fragen
Wie lang ist die Oberweißbacher Bergbahn?
Wie steil ist die Standseilbahn?
Was ist die Güterbühne?
Seit wann fährt die Bergbahn?
Gilt das Deutschlandticket auf der Bergbahn?
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