Standpunkt
„Einsteigen bitte, aber erst nach bestandener Prüfung, und die braucht eben ihre Zeit.“
Sollten Quereinsteiger schneller Lokführer werden dürfen?
→ Ein Standpunkt zum Weg in den Führerstand über einen Quereinstieg.
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Worum es geht
Nein, nicht auf Kosten der Ausbildung. Der Quereinstieg ist schon heute deutlich kürzer als die klassische Lehre. Schneller gehen sollten die Wege dorthin, also Beratung, Förderung und Kursstart, nicht die Ausbildung selbst.
Viele Eisenbahnunternehmen suchen dringend Lokführer, und manche Menschen möchten mitten im Berufsleben in den Führerstand wechseln.
Für sie gibt es den Quereinstieg, eine verkürzte Ausbildung ohne die volle Berufslehre.
Immer wieder wird gefordert, diesen Weg noch schneller zu machen, damit weniger Züge ausfallen.

Zwei Wege in den Führerstand
Der klassische Weg ist die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst in der Fachrichtung Lokführer und Transport.
Sie dauert in der Regel drei Jahre.
Seit dem Ausbildungsjahr 2022 ist diese Fachrichtung von der Fachrichtung Zugverkehrssteuerung getrennt, weil sich die Arbeit von Lokführern und Fahrdienstleitern auseinanderentwickelt hat.
Daneben können Berufserfahrene über eine Weiterbildung oder Umschulung Lokführer werden.

Die verkürzte Ausbildung
Beim Quereinstieg handelt es sich um eine reine Funktionsausbildung, die meist 10 bis 14 Monate dauert.
Im Mittelpunkt stehen die Inhalte, die das Eisenbahn-Bundesamt und die Triebfahrzeugführerscheinverordnung verpflichtend vorschreiben.
Allgemeinbildende Fächer entfallen, und was das Unternehmen nicht braucht, wird meist auch nicht ausgebildet und geprüft.
Der Quereinstieg ist damit schon heute weniger als halb so lang wie die klassische Lehre.
Wer ausbildet und wer zahlt
Angeboten wird der Quereinstieg von Eisenbahnunternehmen selbst, aber auch von Akademien und Eisenbahnfachschulen im ganzen Land.
Für Arbeitsuchende kann die Weiterbildung über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter finanziert werden.
Am Ende erhalten die Absolventen den Triebfahrzeugführerschein vom Eisenbahn-Bundesamt und eine Zusatzbescheinigung.
Erst mit beidem dürfen sie im Betrieb tatsächlich einen Zug führen.
Hohe Hürden bei der Eignung
Lokführer müssen in Deutschland mindestens 20 Jahre alt sein.
Farbenfehlsichtigkeit, Geh- oder Stehbehinderungen und bestimmte andere Einschränkungen schließen den Beruf aus.
Wegen der hohen Verantwortung und des Gefahrenpotenzials sind psychologische Eignungstests und Drogentests Standard.
Ein zugelassener Arzt stellt die Tauglichkeit fest und überprüft sie in regelmäßigen Abständen.
Mehr als nur fahren
Am Anfang jeder Schicht lesen Lokführer neue Weisungen und Bekanntmachungen.
Dazu gehört etwa das Verzeichnis der Langsamfahrstellen auf den Strecken, die sie in dieser Schicht befahren.
Auch die geplanten Zugfahrten und Rangierarbeiten müssen vorbereitet werden.
Im Regionalverkehr der Deutschen Bahn informiert der Lokführer außerdem die Reisenden, wenn ihm das nicht Zugbegleiter oder Technik abnehmen.
Verantwortung wie im Cockpit
Die Fahrberechtigung muss für jede Triebfahrzeugart und jede Baureihe gesondert erworben werden, ähnlich wie bei Piloten.
Bei Rangierfahrten ohne gesicherten Fahrweg trägt der Lokführer ein hohes Maß an Mitverantwortung.
Stellt er sicherheitsrelevante Schäden fest, lässt er das Fahrzeug in Absprache mit der Leitstelle außer Dienst nehmen.
Solche Entscheidungen verlangen Wissen und Erfahrung, die sich nicht beliebig verdichten lassen.
Der Mangel ist spürbar
Im September 2019 kündigte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr einen Verkehrsvertrag, weil absehbar zu wenig Lokführer für einen verlässlichen Betrieb bereitstehen würden.
Beim Unternehmen erixx kam es wegen Personalmangels, zeitweise mit mehr als 13 Prozent erkrankter Beschäftigter, zu erheblichen Problemen.
Die S-Bahn Stuttgart nahm mit dem Fahrplanwechsel 2023 eine verlängerte Hauptverkehrszeit wegen Personalmangels wieder zurück.
Der Druck, schneller neue Lokführer auf die Strecke zu bringen, ist also groß und verständlich.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Pro und Contra
Dafür
+ Jeder Monat, den ein Quereinsteiger früher fährt, kann Zugausfälle verhindern.
+ Viele Bewerber bringen aus früheren Berufen Erfahrung mit Technik, Verantwortung und Schichtarbeit mit.
+ Eine lange Ausbildung ohne gutes Einkommen schreckt Menschen mit Familie ab.
+ Moderne Sicherungstechnik fängt manche Fehler ab, die früher schwere Folgen gehabt hätten.
+ Wer Inhalte streicht, die der Betrieb gar nicht braucht, spart Zeit ohne Verlust an Sicherheit.
+ Ein schneller Weg in den Beruf macht ihn für Menschen attraktiv, die sonst nie über einen Wechsel nachdenken würden.
Dagegen
− Der Quereinstieg ist mit 10 bis 14 Monaten schon heute stark verkürzt.
− Ein Lokführer trägt Verantwortung für Hunderte Menschen, da darf die Ausbildung nicht zur Schnellbleiche werden.
− Jede Baureihe und jede Strecke muss einzeln gelernt werden, daran ändert auch ein kürzerer Kurs nichts.
− Fehler im Betrieb können Unfälle, Sperrungen und lange Verspätungen auslösen.
− Wer zu schnell ausgebildet wird, fühlt sich im Führerstand womöglich unsicher und gibt den Beruf wieder auf.
− Mehr Kursplätze und bessere Bezahlung während der Ausbildung bringen mehr als gekürzte Inhalte.
Unterm Strich
Der Quereinstieg ist ein wichtiger Weg gegen den Mangel an Lokführern, und er ist bereits deutlich kürzer als die Lehre.
Eine weitere Kürzung der Inhalte wäre ein falsches Signal, denn Sicherheit lässt sich nicht im Schnellverfahren lernen.
Schneller werden sollten stattdessen die Wege dorthin, also Beratung, Förderung, Kursstart und Prüfungstermine.
So kommen mehr Menschen in den Führerstand, ohne dass Fahrgäste dafür ein Risiko tragen müssen.
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