Standpunkt
„Bitte beim Einsteigen einchecken, der Tarifdschungel bleibt heute draußen.“
Sollte Check-in und Check-out per App das Ticket ersetzen?
→ Ein Standpunkt zu Apps, die den Fahrpreis selbst berechnen.
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Worum es geht
Ja, als Standard, aber nicht als einzige Möglichkeit. Check-in und Check-out nimmt Fahrgästen die Suche nach dem richtigen Ticket ab, doch wer kein Smartphone nutzt, braucht weiter eine einfache Alternative.
Wer in einer fremden Stadt Bus oder Bahn fahren will, steht oft ratlos vor dem Automaten und sucht die richtige Tarifzone.
Beim Check-in und Check-out entfällt diese Suche, weil die Fahrt einfach registriert und der Preis danach berechnet wird.
Solche Systeme gibt es als Chipkarte, mit der Bankkarte oder als App auf dem Smartphone.

Wie das Prinzip funktioniert
Beim Check-in und Check-out wird jede Fahrt registriert, am Start, beim Umsteigen und am Ziel.
In den Niederlanden geschieht das mit der OV-chipkaart, die an Lesegeräten in Bahnhöfen und Fahrzeugen ausgelesen wird.
Die landesweite Einführung begann dort ab 2005 und war im Jahr 2012 flächendeckend abgeschlossen.
An Bahnhöfen mit Zugangssperren dient die Karte zugleich als Schlüssel zu den Bahnsteigen.

Das Vorbild London
In London wurde bereits 2003 die Oyster Card eingeführt, eine elektronische Fahrkarte mit Chip.
Seit 2014 können Fahrgäste dort auch mit kontaktlosen Bank- und Kreditkarten direkt bezahlen.
Transport for London war der erste Verkehrsbetrieb der Welt, der kontaktlose Zahlungen in dieser Form akzeptierte.
Die Oyster Card kennt eine tägliche Obergrenze der Kosten, die der niederländischen OV-chipkaart fehlt.
Die App aus der Schweiz
Die App Fairtiq eines Schweizer Start-ups wurde am 28. April 2016 in drei Schweizer Tarifverbünden eingeführt.
Seit März 2018 gilt sie in der ganzen Schweiz und in Liechtenstein.
Die App berechnet den Fahrpreis über die GPS-Ortung des Smartphones nach dem Bestpreis-Prinzip.
Wer mehrmals am selben Tag fährt, zahlt höchstens den Preis einer Tageskarte.
Angekommen in Deutschland
Im Jahr 2019 kamen mit Göttingen und Halle an der Saale erste deutsche Städte hinzu.
Seit März 2020 ist mit dem Verkehrsverbund Mittelthüringen erstmals ein ganzer deutscher Verbund mit der App nutzbar.
In Nordrhein-Westfalen gilt bei dieser App für Fahrten innerhalb der Region eine monatliche Preisobergrenze in Höhe der Kosten des Deutschlandtickets.
Wer dort viel fährt, zahlt also nicht mehr, als ein Deutschlandticket gekostet hätte.
Die Chipkarte in Deutschland
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen stellte 2005 mit der VDV-Kernapplikation einen Standard für ein elektronisches Ticket vor.
Als erstes Unternehmen setzte die Saarbahn in Saarbrücken das System im Jahr 2005 in einem Pilotprojekt ein.
Heute heißt der Standard eTicket Deutschland, bislang wurden damit 15,5 Millionen Chipkarten produziert.
Angebot, Preise und Abrechnung liegen dabei weiter bei den einzelnen Verkehrsunternehmen.
Die Tücken der Technik
Bei der OV-chipkaart wird beim Einchecken zunächst ein fester Betrag vom Guthaben abgezogen, der sogenannte Einstiegstarif.
Bei der Bahn ist dieser Betrag deutlich höher als im Bus, und wer zu wenig Guthaben hat, kann gar nicht erst einchecken.
Erst beim Auschecken wird der tatsächliche Fahrpreis verrechnet.
Bei Apps kommen leere Akkus, fehlender Empfang und ungenaue Ortung als mögliche Fehlerquellen hinzu.
Neue Technik im Netz
In der Schweiz sind im Netz des öffentlichen Verkehrs Bluetooth-Sender verbaut, die Apps beim Erkennen der Fahrt helfen.
Für die entsprechende Funktion der SBB-App muss seit April 2026 Bluetooth eingeschaltet sein.
Bezahlt wird bei Fairtiq gesammelt nach Betriebsschluss, zum Beispiel per Kreditkarte oder Twint.
Solche Lösungen zeigen, dass die Technik reift, aber auch immer mehr Zugriff auf das Smartphone verlangt.
Wer außen vor bleibt
Nicht jeder Mensch besitzt ein Smartphone oder möchte seine Wege per App erfassen lassen.
In den Niederlanden gilt die OV-chipkaart nicht auf allen Linien, etwa auf den meisten Bürgerbuslinien und in den meisten Nachtbussen.
Dort müssen Fahrgäste weiterhin Fahrscheine aus Papier kaufen.
Ein vollständiger Ersatz des klassischen Tickets bräuchte also überall eine verlässliche Alternative.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Pro und Contra
Dafür
+ Fahrgäste müssen keine Tarifzonen mehr kennen, sie steigen einfach ein.
+ Das Bestpreis-Prinzip sorgt dafür, dass niemand aus Versehen zu viel bezahlt.
+ Tages- und Monatsgrenzen machen gelegentliches Fahren genauso fair wie ein Abo.
+ Gerade Gäste und Gelegenheitsfahrer finden so leichter den Weg in Bus und Bahn.
+ Automaten und Papierfahrscheine würden seltener gebraucht, was auf Dauer Kosten spart.
+ Die Daten helfen Verkehrsunternehmen zu erkennen, wo und wann Fahrgäste unterwegs sind.
Dagegen
− Wer kein Smartphone hat oder mit Apps nicht zurechtkommt, darf nicht ausgeschlossen werden.
− Die Erfassung jeder einzelnen Fahrt wirft Fragen zum Datenschutz auf.
− Leere Akkus oder Funklöcher können aus einer normalen Fahrt einen Streit bei der Kontrolle machen.
− Ein vergessener Check-out kann teuer werden.
− Viele verschiedene Apps und Systeme sorgen für neue Verwirrung, statt sie zu beseitigen.
− Für Vielfahrer bleibt ein festes Abo wie das Deutschlandticket oft die einfachere Lösung.
Unterm Strich
Check-in und Check-out ist eine der besten Ideen, um den Tarifdschungel für Fahrgäste zu lichten.
Es sollte deshalb überall angeboten werden, am besten bundesweit einheitlich und mit festen Preisobergrenzen.
Das klassische Ticket darf aber nicht verschwinden, solange nicht alle Menschen die neue Technik nutzen können.
Die beste Lösung ist ein System, das so einfach ist, dass niemand mehr über den Fahrpreis nachdenken muss.
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