Sollten Länder Regionalzüge selbst kaufen und an Betreiber verpachten?

Standpunkt

„Dieser Zug gehört dem Land, gefahren wird er heute von einem Unternehmen, morgen vielleicht von einem anderen.“

Sollten Länder Regionalzüge selbst kaufen und an Betreiber verpachten?

→ Ein Standpunkt zum Regionalverkehr.

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Worum es geht

Ja. Wenn das Land die Züge besitzt, sinken Finanzierungskosten und Risiken für die Betreiber, der Wettbewerb wird fairer, und bei einem Wechsel des Betreibers bleiben die Fahrzeuge im Land.

Regionalzüge fahren im Auftrag der Länder, gebaut und gekauft werden sie aber oft von den Bahnunternehmen selbst.

Einige Länder gehen einen anderen Weg und kaufen die Züge selbst.

Sollte das überall so sein?

Metronom Uelzen 1067
Foto: Sülzauge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wer im Nahverkehr bestellt

Mit der Bahnreform ging die Verantwortung für den Nahverkehr auf der Schiene 1996 an die Bundesländer.

Sie bestellen seitdem die Züge und bezahlen die Bahnunternehmen dafür.

In Niedersachsen übernimmt diese Aufgabe die 1996 gegründete Landesnahverkehrsgesellschaft.

Sie kann Linien europaweit ausschreiben, um den wirtschaftlich günstigsten Betreiber zu finden.

Die Frage ist, wem dabei die Züge gehören sollen.

Endstation Uelzen; Metronom ME 146 02
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Problem mit dem Restwert

Ein Verkehrsvertrag läuft nur eine bestimmte Zeit, ein Zug fährt oft deutlich länger.

Kauft ein Unternehmen neue Züge, trägt es deshalb das Risiko, sie nach Vertragsende nicht mehr gut einsetzen zu können.

Genau dieses Restwertrisiko wollen Länder ihren Betreibern mit eigenen Fahrzeugen abnehmen.

Außerdem bekommt ein Land meist günstigere Kredite als ein privates Unternehmen.

Beides kann die Angebote in einer Ausschreibung billiger machen.

Der Fahrzeugpool in Niedersachsen

Eine Besonderheit in Niedersachsen ist der landeseigene Fahrzeugpool.

Für einige Ausschreibungen beschafft die Landesnahverkehrsgesellschaft die Züge schon vor der Vergabe und gibt sie verbindlich vor.

Sie tritt dann als Vermieterin der Fahrzeuge auf.

Weil die Züge schon vor der Ausschreibung bestellt werden, kann ein neues Netz schneller in Betrieb gehen.

Bei mehreren gleichzeitigen Ausschreibungen drückten Sammelbestellungen gleicher Züge zudem den Preis.

Blau, gelb, grau und weiß

Alle Fahrzeuge des Pools tragen die verbindlich vorgegebenen Farben blau, gelb, grau und weiß.

Zum Pool gehören auch 220 Doppelstockwagen für den metronom.

Daneben unterstützt die Landesgesellschaft Bahnunternehmen auch beim Kauf eigener Züge, etwa bei 40 Triebwagen für die S-Bahn Hannover.

Eine Beschwerde von DB Regio gegen den Fahrzeugpool aus dem Jahr 2004 wies das Oberlandesgericht Celle ab.

Das Modell hat also auch vor Gericht Bestand.

Das Modell Baden-Württemberg

Am 12. März 2015 beschloss der Landtag von Baden-Württemberg das Gesetz über eine Landesanstalt Schienenfahrzeuge.

Diese Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart finanziert Züge für den Nahverkehr und verpachtet sie an die Betreiber.

Sie soll den Unternehmen die günstigen Kreditbedingungen des Landes erschließen und ihnen das Restwertrisiko abnehmen.

Seit dem 1. Januar 2023 darf sie auch Werkstätten, Abstellanlagen und Gleise planen, bauen und verpachten.

Ihre Geschäfte sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern sollen nur die Kosten decken.

Verschiedene Wege zum Zug

Beim sogenannten Baden-Württemberg-Modell wählt der Betreiber die Züge aus, die Landesanstalt kauft sie und verpachtet sie für die Dauer des Vertrags.

Die Instandhaltung liegt dann beim Betreiber.

Beim Lebenszyklusmodell sucht die Landesanstalt die Züge dagegen selbst aus, samt Wartung über die ganze Lebensdauer.

Den Zuschlag bekommt dann das Angebot mit den niedrigsten Kosten über den gesamten Lebenszyklus.

Das Land haftet als Träger unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der Anstalt.

Der Rhein-Ruhr-Express

Auch für den Rhein-Ruhr-Express wurden 84 Doppelstock-Triebzüge von der öffentlichen Hand beschafft.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr verpachtet sie für 15 Jahre an die Betreiber.

Den Auftrag für Lieferung und Wartung erhielt am 26. März 2015 Siemens.

Das Volumen über 32 Jahre beträgt 1,7 Milliarden Euro, davon 800 Millionen Euro für die Beschaffung.

Die Züge fahren mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde und haben je Einheit 400 Sitzplätze.

Berlin zieht nach

Am 6. Mai 2021 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die Gründung einer eigenen Landesanstalt für Schienenfahrzeuge.

Bei der Vergabe der Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn der S-Bahn sollen die neuen Wagen in Landesbesitz übergehen.

Geplant ist der Kauf von mindestens 1308 S-Bahn-Wagen mit einer Option auf weitere 852.

Neben Niedersachsen und Baden-Württemberg setzt damit auch Berlin auf eigene Fahrzeuge.

Die Erfahrungen der Vorreiter sind dafür eine wichtige Grundlage.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Pro und Contra

Dafür

+  Das Land bekommt günstigere Kredite als ein privates Unternehmen, das senkt die Kosten für alle.

+  Betreiber müssen kein Restwertrisiko tragen und können dadurch günstiger anbieten.

+  Mehr Unternehmen können sich um einen Auftrag bewerben, weil sie keine eigenen Züge kaufen müssen.

+  Sammelbestellungen gleicher Züge können den Preis drücken.

+  Bei einem Betreiberwechsel oder einer Pleite bleiben die Züge im Land und können weiterfahren.

+  Die Fahrzeuge lassen sich schon vor der Ausschreibung bestellen, das spart wertvolle Zeit.

Dagegen

−  Das Land trägt die Risiken, wenn Züge Mängel haben oder später nicht mehr gebraucht werden.

−  Für die Kredite haften am Ende die Steuerzahler.

−  Einheitlich vorgegebene Züge können Ideen bremsen, die einzelne Betreiber sonst einbringen würden.

−  Lieferverzögerungen der Hersteller treffen dann direkt das Land.

−  Sind Besitz, Wartung und Betrieb getrennt, schieben sich die Beteiligten bei Problemen leicht die Verantwortung zu.

−  Die Länder brauchen eigenes Fachpersonal für Beschaffung und Technik, das Geld kostet.

Unterm Strich

Züge in öffentlicher Hand sind ein kluges Werkzeug für einen stabilen Regionalverkehr.

Sie senken Kosten, schaffen fairen Wettbewerb und sichern die Fahrzeuge, falls ein Betreiber ausfällt.

Die Länder müssen dafür aber Fachwissen aufbauen und mit den Herstellern hart verhandeln.

Dann fährt der Nahverkehr auf einem soliden Fundament.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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