Stimmt es, dass einmal ein Elefant aus der Wuppertaler Schwebebahn sprang?

Stimmt es, dass …?

„Nächster Halt Adlerbrücke, Elefanten verlassen den Wagen bitte ausschließlich durch die Tür.“

Stimmt es, dass einmal ein Elefant aus der Wuppertaler Schwebebahn sprang?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, das stimmt. Am 21. Juli 1950 durchbrach die junge Zirkuselefantin Tuffi die Seitenwand eines Schwebebahnwagens und landete rund zehn Meter tiefer in der Wupper, wo sie mit ein paar Schrammen davonkam.

Ein Elefant in einer Hängebahn hoch über einem Fluss klingt nach einer Anekdote, die sich jemand am Stammtisch ausgedacht hat.

Trotzdem erzählt man sich in Wuppertal seit Jahrzehnten die Geschichte von Tuffi, die aus der Schwebebahn in die Wupper gefallen sein soll.

Ob das wirklich passiert ist und welcher Teil der Legende nicht stimmt, klärt dieser Mythos-Check.

Wuppertal Lampenfieber 06c ies
Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

21.7.1950

Tag des Sturzes

um 10.38 Uhr landete Tuffi in der Wupper

ca. 10 m

Fallhöhe

das Wasser war an der Stelle keine 50 Zentimeter tief

5

Fahrkarten

vier für den Elefanten, eine für den Begleiter

Die Wuppertaler Schwebebahn fährt seit 1901 und hält heute an 20 Stationen.

Ein Zirkuselefant als Werbestar

Tuffi war eine asiatische Elefantenkuh, die 1946 in Indien zur Welt kam.

Der Zirkus Franz Althoff kaufte das junge Tier im Jahr 1949.

Weil Tuffi als einziger Elefant des Zirkus keine Furcht vor fremden Menschen und Städten zeigte, setzte der Zirkusdirektor sie gezielt als Werbe-Attraktion ein.

Sie fuhr in mehreren Städten Straßenbahn, machte in Duisburg eine Hafenrundfahrt und trug in Solingen Bierkästen zu einem Baugerüst.

Eine Fahrt mit der Schwebebahn sollte im Sommer 1950 für die nächste Schlagzeile sorgen.

Wuppertal Schwebebahn Generation 15
Foto: guillanst, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Bahn, die über dem Fluss hängt

Die Wuppertaler Schwebebahn wurde 1901 eröffnet und ist rund 13 Kilometer lang.

Ihre Wagen hängen unter einer einzigen Schiene und halten heute an 20 Stationen.

Sie gilt als älteste noch betriebene Einschienenbahn und zugleich als älteste noch betriebene Hängebahn der Welt.

Nur der erste Abschnitt bis zur Hauptkirche Sonnborn führt über Land, der weitere Verlauf heißt Wasserstrecke, weil er über der Wupper liegt.

Genau dieser Fluss spielt in der Geschichte von Tuffi die Hauptrolle.

Gut zu wissen

Tuffi war beim Sturz erst vier Jahre alt. Zirkusdirektor Franz Althoff hatte sie im Jahr zuvor gekauft und mit ihr schon in mehreren Städten für seinen Zirkus geworben.

Seit Dezember 2022 erinnert auch in Oberhausen eine Bronzeplastik an Tuffi. Sie hängt an Original-Stützen, die einst in der Oberhausener Gutehoffnungshütte für die Wuppertaler Schwebebahn gefertigt wurden.

Fünf Fahrkarten für eine Werbefahrt

Im Jahr 1950 gastierte der Zirkus Althoff in Wuppertal und durfte erst nach einigen Schwierigkeiten mit den Behörden mit einer Schwebebahnfahrt für sein Gastspiel werben.

Am 21. Juli 1950 gegen 10.30 Uhr stieg die damals zehn Zentner schwere Elefantenkuh an der Station Alter Markt in Wuppertal-Barmen ein.

Es war der Wagen mit der Nummer 13, und die Fahrt sollte in Richtung Elberfeld gehen.

Der Zirkusdirektor hatte zuvor fünf Einzelfahrkarten zweiter Klasse gelöst, vier davon für das Tier und eine für sich selbst.

Die zweite Klasse war damals übrigens die bessere der beiden Klassen der Schwebebahn, und das Abteil war eigens für Tuffi und ihre Begleiter reserviert.

Zu viele Schaulustige an Bord

Zur Premiere waren allerdings sehr viele Schaulustige gekommen, darunter zahlreiche Reporter aus dem Ruhrgebiet und aus Köln.

Der Wagen war dadurch überfüllt, und Tuffi konnte sich nicht mehr umdrehen.

Sie kletterte auf einen Sitz, der unter ihrem Gewicht zusammenbrach, und im Wagen wurde noch mehr gedrängt und geschubst.

Ein damals mitfahrender Journalist erinnerte sich später, dass die Elefantenkuh auf das Quietschen der Bahn in einer Kurve erregt mit Trompeten reagierte und im Wagen Panik ausbrach.

Dabei ging auch die Filmkamera eines Kameramanns der Wochenschau zu Bruch.

Der Sturz durch die Seitenwand

Nach nur etwa zwei Minuten Fahrt durchbrach Tuffi die Seitenwand auf der türlosen linken Seite des Wagens.

Um 10.38 Uhr landete sie in der Wupper.

Nach Angaben des Sohnes des Zirkusdirektors lag die Stelle in Höhe der damaligen Elefanten-Apotheke kurz vor der Station Adlerbrücke.

Die Elefantenkuh stürzte dort etwa zehn Meter tief in den Fluss, der an dieser Stelle keine 50 Zentimeter tief ist.

Ob Tuffi eher fiel oder sprang, wird unterschiedlich erzählt, denn manche Darstellungen sprechen von einem Sturz und andere von einem Sprung im zweiten Versuch.

Glück im Schlamm der Wupper

Tuffi erlitt nur ein paar Schrammen am Hinterteil und blieb ansonsten unverletzt.

Das lag daran, dass sie an einer schlammigen Stelle aufgeschlagen war.

Der Zirkusdirektor wollte zunächst hinterherspringen, wurde aber von seinem Sohn zurückgehalten, der die glimpfliche Landung schon bemerkt hatte.

Die Begleiter mussten ihre Fahrt bis zur nächsten Station Adlerbrücke fortsetzen und konnten die Elefantenkuh erst danach zum nahen Zirkusplatz führen.

Im Wagen erlitten einige Schaulustige und Journalisten leichte Prellungen.

Ein Nachspiel vor Gericht

Der Vorfall hatte ein juristisches Nachspiel für den Zirkusdirektor und für den Oberingenieur der Stadtwerke, der die Fahrt genehmigt hatte.

Im März 1951 verurteilte das Wuppertaler Schöffengericht beide nach einem siebenstündigen Verfahren zu Geldstrafen.

Die Vorwürfe lauteten auf fahrlässige Transportgefährdung, fahrlässige Körperverletzung und einen Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen.

Der Oberingenieur musste 300 D-Mark zahlen, der Zirkusdirektor 150 D-Mark.

In zweiter Instanz wurden Ende Mai 1951 noch einmal 21 Zeugen und drei Sachverständige geladen.

Der Sachschaden am Wagen betrug 160 D-Mark, und keiner der Verletzten verklagte den Zirkus auf Schadensersatz.

Das berühmte Bild ist eine Montage

Trotz der vielen Reporter an Bord hat niemand den entscheidenden Moment fotografiert.

Der Grund war die allgemeine Panik im überfüllten Wagen.

Das bekannte Postkartenmotiv mit der fallenden Elefantenkuh ist deshalb eine Fotomontage.

Am Tag vor dem ersten Prozess nutzte ein junger Artist das Dach eines Sonderzugs der Schwebebahn sogar für einen Kunstsprung mit Salto rückwärts.

Sein Motto lautete „Was Tuffi kann, kann ich auch“.

Wie Wuppertal an Tuffi erinnert

Die Unglücksstelle zwischen den Stationen Alter Markt und Adlerbrücke ist bis heute durch einen gemalten Elefanten auf einer Hallenwand markiert.

Die ehemaligen Milchwerke Köln-Wuppertal verkauften ab Ende der 1950er-Jahre Milchprodukte unter dem Markennamen Tuffi.

Die Wuppertaler Stadtwerke wählten Tuffi als Maskottchen für den Schwebebahn-Express, den Schienenersatzverkehr der Schwebebahn.

Seit 1992 steht in der Fußgängerzone Werth in Barmen die Bronzestatue eines Elefanten mit dem Spitznamen Tuffi.

Zum 70. Jahrestag im September 2020 wurde an der Stelle des Sturzes ein 1,80 Meter großer Störstein in Elefantenform in die Wupper gehoben.

Das Hochwasser im Juli 2021 spülte die 3,5 Tonnen schwere Skulptur fort, später fand man sie unterhalb der Station Adlerbrücke wieder.

Das Fazit

Der Mythos stimmt, denn am 21. Juli 1950 landete die Elefantenkuh Tuffi nach einer kurzen Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn tatsächlich in der Wupper.

Ob man den Weg durch die Seitenwand eher als Fall oder als Sprung beschreibt, hängt davon ab, welcher Erzählung man folgt.

Tuffi überstand das Abenteuer mit ein paar Schrammen und lebte danach noch fast vier Jahrzehnte.

Nach der Auflösung des Zirkus Althoff im Jahr 1968 kam sie zum Cirque Alexis Gruss und starb 1989 in dessen Pariser Winterquartier.

Nur das berühmte Foto vom fallenden Elefanten ist nicht echt, denn es ist eine nachträglich gebastelte Montage.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Häufige Fragen

Ist Tuffi wirklich aus der Schwebebahn gefallen?
Ja. Am 21. Juli 1950 durchbrach die junge Elefantenkuh die Seitenwand eines Wagens und landete in der Wupper.
Wurde Tuffi dabei verletzt?
Kaum. Sie hatte nur ein paar Schrammen am Hinterteil, weil sie an einer schlammigen Stelle aufschlug.
Gibt es ein Foto vom Sturz?
Nein. Niemand fotografierte den Moment, das bekannte Postkartenmotiv ist eine Fotomontage.
Warum fuhr ein Elefant mit der Schwebebahn?
Es war eine Werbeaktion des Zirkus Althoff, der 1950 in Wuppertal gastierte.
Wo erinnert heute etwas an Tuffi?
Unter anderem ein gemalter Elefant an der Unglücksstelle, eine Bronzestatue in Barmen und eine Plastik in Oberhausen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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