Sollten Boni für den Bahnvorstand an die Pünktlichkeit gekoppelt sein?

Standpunkt

„Der Zug hat 30 Minuten Verspätung, der Bonus des Vorstands kommt dagegen pünktlich.“

Sollten Boni für den Bahnvorstand an die Pünktlichkeit gekoppelt sein?

→ Ein Standpunkt zur Führung der Deutschen Bahn.

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Worum es geht

Ja. Wer ein Unternehmen führt, dessen wichtigstes Versprechen der pünktliche Zug ist, sollte keinen vollen Bonus bekommen, wenn genau dieses Ziel klar verfehlt wird, und andere Ziele dürfen das nicht einfach ausgleichen.

Im Jahr 2023 sorgten die Boni des Bahnvorstands für Schlagzeilen.

Die Züge waren so unpünktlich wie lange nicht, trotzdem gab es hohe variable Zahlungen.

Sollte die Pünktlichkeit künftig über den Bonus entscheiden?

Bahntower ()
Foto: Sascha Kohlmann, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Gehalt in zwei Teilen

Die Bezahlung von Vorständen besteht meist aus einem festen und einem variablen Teil.

Der variable Teil, oft Bonus genannt, wird erst gezahlt, wenn bestimmte Unternehmensziele erreicht sind.

Der damalige Bahnchef erhielt 2022 eine feste Vergütung von 0,968 Millionen Euro.

Dazu kam eine variable Vergütung von 1,261 Millionen Euro.

Der Bonus war damit größer als das feste Gehalt.

Berlin Potsdamer Straße mit Sony Center und Bahntower (2011)
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ziele verfehlt, Bonus trotzdem

Die Vergütung des Bahnvorstands erfuhr 2023 ein großes Medienecho.

Die Ziele für Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit waren verfehlt worden.

Sie wurden jedoch mit anderen Zielen verrechnet, die erfüllt oder übererfüllt waren.

Dazu gehörten etwa der Anteil von Frauen in Führung und die Zufriedenheit der Beschäftigten.

Für viele Fahrgäste war das schwer nachzuvollziehen.

Die Pünktlichkeit im Keller

Zwischen 2010 und 2019 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr der Bahn meist zwischen 73 und 80 Prozent.

Im Jahr 2020 erreichte sie mit 82 Prozent ein Rekordhoch seit 15 Jahren.

In den Jahren 2022, 2023 und 2024 fiel sie auf 65, 64 und schließlich 62,5 Prozent.

Das war der tiefste Wert seit mindestens 21 Jahren.

Im Nahverkehr ist die Pünktlichkeit höher.

Was als pünktlich gilt

Die Bahn zählt einen Zug als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ankommt.

Ausgefallene Züge oder Halte fließen in die Pünktlichkeitsstatistik nicht ein.

Wer Boni an die Pünktlichkeit koppelt, muss deshalb auch klären, welche Zahl genau zählt.

Sonst würden Zugausfälle in der Rechnung schlicht unsichtbar bleiben.

Im März 2019 kündigte die Bahn zudem an, im Fernverkehr auch eine Pünktlichkeit der Reisenden zu erfassen, die verpasste Anschlüsse berücksichtigt.

Neue Chefin, neue Ziele

Im September 2025 stellte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder die neue Bahnchefin Evelyn Palla vor.

Dabei skizzierte er eine neue Strategie für das Unternehmen.

Bis 2029 soll die Pünktlichkeit mindestens 70 Prozent erreichen.

Der frühere Bahnchef hatte noch 75 Prozent für 2027 und 80 Prozent für 2029 angestrebt.

Nach der Generalsanierung von 40 Hauptstrecken soll die Pünktlichkeit langfristig bei 90 Prozent liegen.

Wer über die Bezahlung entscheidet

Die Deutsche Bahn gehört als Aktiengesellschaft vollständig dem Bund.

Zehn Mitglieder ihres Aufsichtsrats werden vom Eigentümer berufen, zehn weitere von den Beschäftigten gewählt.

Nach dem Aktiengesetz setzt der Aufsichtsrat die Bezüge der Vorstandsmitglieder fest.

Dabei soll er auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens achten, und variable Bestandteile sollen mehrere Jahre abbilden.

Der Bund hat damit über seine Vertreter direkten Einfluss auf die Zielvorgaben.

Ein Gesetz von 2009

Nachdem Managergehälter in die öffentliche Kritik geraten waren, beschloss der Bundestag am 18. Juni 2009 das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung.

Danach soll sich die Vergütung am nachhaltigen Unternehmenserfolg ausrichten.

Über die Bezahlung des Vorstands muss seitdem der gesamte Aufsichtsrat entscheiden.

Aufsichtsräte haften zudem für unangemessene Gehälter.

Die Frage ist also nicht neu, sie stellt sich bei der Bahn nur besonders deutlich.

Pünktlichkeit hat viele Ursachen

Die Pünktlichkeit hängt nicht nur an der Führung, sondern auch am Zustand des Netzes.

Im Juli 2024 begann mit der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt die erste von 41 geplanten Generalsanierungen.

Solche Bauarbeiten sollen das Netz langfristig verbessern, können kurzfristig aber zusätzliche Verspätungen bringen.

Auch Wetter, Unfälle und Störungen durch Dritte beeinflussen die Zahlen.

Ein fairer Bonus müsste solche Faktoren berücksichtigen, ohne Ausreden zu belohnen.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Pro und Contra

Dafür

+  Pünktlichkeit ist das wichtigste Versprechen der Bahn an ihre Fahrgäste.

+  Ein Bonus trotz historisch schlechter Pünktlichkeit untergräbt das Vertrauen in das Unternehmen.

+  Klare Ziele mit spürbaren Folgen lenken die Aufmerksamkeit des Vorstands auf das, was Reisende erleben.

+  Ein Staatsunternehmen sollte sich an dem messen lassen, wofür es Steuergeld bekommt.

+  Verfehlte Kernziele dürfen nicht einfach mit Nebenzielen verrechnet werden.

+  Das Gesetz verlangt ohnehin, die Vergütung am nachhaltigen Erfolg auszurichten.

Dagegen

−  Die Pünktlichkeit hängt stark von einem Netz ab, dessen Mängel über Jahrzehnte entstanden sind.

−  Große Sanierungen verschlechtern die Pünktlichkeit zunächst, obwohl sie richtig sind.

−  Ein einzelnes Ziel kann Fehlanreize setzen, etwa Züge lieber ausfallen zu lassen als verspätet fahren zu lassen.

−  Auch Ziele wie Frauen in Führung oder zufriedene Beschäftigte sind für ein großes Unternehmen wichtig.

−  Ohne attraktive Bezahlung findet der Bund schwer erfahrene Führungskräfte für einen so großen Konzern.

−  Wetter, Unfälle und Störungen durch Dritte liegen außerhalb der Kontrolle des Vorstands.

Unterm Strich

Boni sollen gute Arbeit belohnen, und gute Arbeit zeigt sich bei der Bahn vor allem am pünktlichen Zug.

Deshalb sollte die Pünktlichkeit den größten Teil des variablen Gehalts bestimmen.

Verfehlte Kernziele dürfen nicht mit Nebenzielen ausgeglichen werden.

Ausgefallene Züge gehören dabei ehrlich mit in die Rechnung.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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