Standpunkt
„Um halb acht passt niemand mehr hinein, um halb zehn hat jeder einen Fensterplatz.“
Sollten gestaffelte Schul- und Arbeitszeiten die Züge entlasten?
→ Ein Standpunkt zur morgendlichen Stoßzeit in Bus und Bahn.
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Worum es geht
Ja. Wenn nicht alle Schulen und Betriebe zur selben Minute beginnen, verteilt sich der Andrang besser. Das entlastet volle Züge und Busse, ohne dass dafür sofort neue Fahrzeuge oder Gleise nötig sind.
Morgens drängen sich Schüler, Auszubildende und Berufstätige zur selben Zeit in Busse und Bahnen.
Wenige Stunden später fahren dieselben Züge oft mit vielen freien Plätzen.
Deshalb wird vorgeschlagen, Schul- und Arbeitsbeginn zu staffeln, damit sich die Fahrgäste besser verteilen.

Die Spitze am Morgen
In der Hauptverkehrszeit dominieren zwei Zwecke, der Weg zur Arbeit und der Weg zur Schule.
Üblicherweise reicht sie morgens von 6 bis 9 Uhr und nachmittags von 16 bis 19 Uhr.
Die Nachfrage am Morgen gilt als unelastisch, weil Arbeits- und Schulbeginn meist fest liegen.
Am Abend fällt die Spitze in der Regel niedriger aus, weil sich die Heimwege stärker verteilen.

Wenn Berufs- und Schülerverkehr zusammentreffen
Um die Spitze zu bewältigen, setzen Verkehrsunternehmen Verstärkerfahrten ein, meist in der Hauptverkehrszeit und in der Hauptlastrichtung.
Manche Linien fahren sogar nur am Morgen, wenn Berufs- und Schülerverkehr zusammentreffen.
In der Hauptverkehrszeit gelten im Nahverkehr oft andere Takte als im Rest des Tages.
All das bindet Fahrzeuge und Personal, die außerhalb der Spitze weniger gebraucht werden.
Große Busse für wenige Stunden
Besonders auf dem Land zeigt sich das Problem deutlich.
Große Gelenk- und Stadtbusse sind dort für den normalen Betrieb oft zu groß, müssen aber für den Schülerverkehr bereitstehen.
Kleinere Busse stoßen regelmäßig auf Ablehnung, weil Unternehmen dann doppelte Flotten mit kleinen und großen Fahrzeugen bräuchten.
Neuere Konzepte trennen deshalb wieder den Schülerverkehr von der Grundversorgung.
Die Schul-Rushhour
Rund um Schulen und Kindergärten entsteht durch Bringen und Abholen häufig eine eigene, kleine Stoßzeit.
Schulbusse fahren in Deutschland meist vor den ersten beiden Schulstunden zur Schule und nach den letzten beiden zurück.
Wenn alle Schulen einer Stadt zur gleichen Zeit beginnen, treffen diese Wege genau auf den Berufsverkehr.
Schon eine Verschiebung um eine halbe Stunde kann die Wege auseinanderziehen.
Gleitzeit als Vorbild
In vielen Betrieben gibt es Gleitzeit, bei der Beschäftigte Beginn und Ende ihrer Arbeit in einem Rahmen selbst wählen.
Gleitzeit kann zur Entlastung des Berufsverkehrs in Ballungsräumen beitragen.
Zugleich können Beschäftigte ihre Freizeit individueller gestalten.
Was in Büros funktioniert, ließe sich auch auf Schulen, Behörden und Hochschulen übertragen.
Volle Züge in Tokio
Wie extrem die Spitze werden kann, zeigt Tokio.
Dort gibt es in U-Bahnhöfen zu Stoßzeiten Personal, das Fahrgäste von außen in die Züge drückt, damit die Türen schließen können.
Im Japanischen heißen diese Helfer Oshiya, was so viel wie Drücker bedeutet.
So weit ist es hierzulande nicht, doch das Grundproblem ist dasselbe, nämlich zu viele Menschen zur gleichen Zeit.
Mehr Züge allein reichen nicht
Viele Städte reagieren auf die Spitze mit dichteren Takten und längeren Zügen.
Manche Netze fahren in der Hauptverkehrszeit sogar ohne festen Fahrplan mit der dichtesten möglichen Zugfolge, etwa in Paris.
Irgendwann stoßen Strecken und Bahnhöfe aber an ihre Grenzen.
Dann ist es oft günstiger, die Nachfrage zu verteilen, als für wenige Stunden am Tag teure Ausbauten zu bezahlen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Pro und Contra
Dafür
+ Gestaffelte Anfangszeiten entlasten Busse und Bahnen, ohne dass neue Gleise gebaut werden müssen.
+ Fahrgäste bekommen eher einen Sitzplatz und kommen entspannter an.
+ Verkehrsunternehmen brauchen weniger Fahrzeuge nur für die Spitze und sparen Kosten.
+ Auch auf den Straßen würde sich der Berufsverkehr besser verteilen.
+ Gleitzeit zeigt, dass flexible Anfangszeiten in vielen Betrieben längst funktionieren.
+ Weniger Gedränge macht den Weg zur Schule für Kinder ruhiger und sicherer.
Dagegen
− Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen müssten ihren Morgen noch komplizierter organisieren.
− Viele Arbeitszeiten hängen an Schichtplänen, Kundenzeiten oder Kinderbetreuung und lassen sich nicht einfach verschieben.
− Schulbusse müssten neu geplant werden, was auf dem Land zunächst mehr Fahrten bedeuten könnte.
− Wenn nur wenige Schulen und Betriebe mitmachen, bleibt die Wirkung gering.
− Ein späterer Schulschluss kann mit Sport, Musik und Nachmittagsbetreuung kollidieren.
− Die Verantwortung für volle Züge würde auf Schulen und Betriebe abgeschoben, statt das Angebot auszubauen.
Unterm Strich
Gestaffelte Schul- und Arbeitszeiten sind eines der günstigsten Mittel gegen volle Züge am Morgen.
Sie ersetzen den Ausbau von Bus und Bahn nicht, verschaffen aber schnell Luft.
Städte, Schulen, Betriebe und Verkehrsunternehmen sollten die Anfangszeiten gemeinsam abstimmen.
Schon eine halbe Stunde Unterschied kann darüber entscheiden, ob man stehen muss oder sitzen darf.
Weiterfahrt
