Standpunkt
„Die Lounge befindet sich im ersten Stock, der Zutritt ist Reisenden mit passendem Status vorbehalten.“
Sollten die Lounges der Bahn allen Fahrgästen offenstehen?
→ Ein Standpunkt zum Service am Bahnhof.
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Worum es geht
Ja, zumindest teilweise. Ein einfacher Wartebereich für alle Fernreisenden, wie ihn die erste Lounge 1997 hatte, wäre fairer als die heutige Trennung, während der Premium-Bereich den zahlenden Stammkunden bleiben kann.
An 13 großen Bahnhöfen gibt es ruhige Wartebereiche mit Sesseln und kostenlosen Getränken.
Hinein dürfen aber nur Reisende der ersten Klasse und Vielfahrer mit Status.
Alle anderen warten oft auf dem zugigen Bahnsteig, und das wirft eine Gerechtigkeitsfrage auf.

Was eine DB Lounge ist
DB Lounges sind Wartebereiche, die von DB Fernverkehr betrieben werden.
Sie richten sich an Reisende der ersten Klasse und an Vielfahrer mit BahnBonus-Status.
Geschichtlich treten sie die Nachfolge der komfortablen Wartesäle erster Klasse an.
Ähnliche Bereiche gibt es auch bei anderen europäischen Eisenbahnen.
Heute findet man sie an 13 deutschen Bahnhöfen.

Getrennte Wartesäle haben Tradition
Früher gab es in größeren Bahnhöfen oft verschiedene Wartesäle für die Fahrgäste der einzelnen Wagenklassen.
Diese Wartesäle waren in der Regel nur für Reisende mit Fahrkarte zugänglich.
Eine besonders luxuriöse Variante für einen erlesenen Kreis gab es oft in Fürstenbahnhöfen.
Mit der DB Lounge gibt es seit 1997 wieder eine solche Trennung auf wichtigen Bahnhöfen.
Die Idee ist also alt, nur die Form ist neu.
Der Anfang in Frankfurt
Die erste DB Lounge eröffnete am 23. Juli 1997 im Frankfurter Hauptbahnhof.
Nach alter Tradition stand sie Fernreisenden der ersten und der zweiten Klasse offen.
Im Bereich der zweiten Klasse gab es unter anderem eine Bar und eine Spielecke.
Die erste Klasse bekam einen Ruhebereich und Arbeitsplätze mit Anschlüssen für Notebooks und Telefone.
Entstanden ist die Lounge aus einem Umbau des Reisezentrums für 7,5 Millionen D-Mark.
Wer heute hinein darf
Heute sind die Lounges Reisenden der ersten Klasse und BahnBonus-Statuskunden vorbehalten.
Einige Lounges haben zusätzlich einen Premium-Bereich für Fahrgäste mit einem Flexpreis der ersten Klasse und für Platin-Kunden mit Fernverkehrsfahrschein.
Das frühere Vielfahrerprogramm BahnComfort ging im Juni 2022 in den Statusstufen von BahnBonus auf.
An BahnBonus nahmen Ende 2023 rund 5,4 Millionen Menschen teil.
Schon 2007 waren 80 Prozent der Loungegäste Geschäftsreisende.
Kaffee, Wasser und Ruhe
In allen DB Lounges gibt es Heiß- und Kaltgetränke kostenlos.
Im Comfort-Bereich stehen eine Zapfanlage für Kaltgetränke und Kaffeemaschinen zur Selbstbedienung.
Im Premium-Bereich gibt es zusätzlich Speisen, die mehrmals im Jahr wechseln.
Ein typischer Aufenthalt dauert nach Angaben der Bahn zwischen 20 und 30 Minuten.
Mit Ausnahme von Dresden sind alle Lounges barrierefrei erreichbar.
Weniger Lounges, weniger Gäste
In den Jahren 2015 und 2016 kamen jeweils mindestens 5 Millionen Gäste in die damals 15 Lounges.
Im Jahr 2025 waren es rund 3,3 Millionen Gäste in 13 Lounges.
Pläne für eine Lounge in Dortmund gab die Bahn 2010 wegen zu geringen Fahrgastaufkommens auf.
In Karlsruhe ist in den Räumen, in die eine Lounge einziehen sollte, inzwischen ein Supermarkt geplant.
Auch in Ulm werden Pläne für eine neue Lounge nicht weiter verfolgt.
Warum es die Lounges gibt
Wesentliche Gründe für ihre Einrichtung waren eine bessere Aufenthaltsqualität im Bahnhof und die Bindung von Kunden.
Als Standorte wählte die Bahn große ICE-Knoten oder Bahnhöfe mit langfristiger Bedeutung für den Fernverkehr.
Wer viel Geld für Fahrkarten ausgibt, soll dafür einen spürbaren Vorteil bekommen.
Die Lounge ist damit auch ein Werbemittel für die erste Klasse und für treue Kunden.
Ein kostenloser Zugang für alle würde dieses Prinzip auf den Kopf stellen.
Und wo warten alle anderen?
Für Reisende ohne Status bleiben meist Bänke in der Halle, am Bahnsteig oder in Cafés.
Gerade Familien mit kleinen Kindern, Ältere und Menschen mit Behinderung bräuchten oft einen ruhigen Ort.
Die erste Lounge von 1997 zeigte, dass ein Bereich für die zweite Klasse möglich ist.
Eine Spielecke für Kinder gab es dort schon damals.
In den heutigen Lounges ist für die große Mehrheit der Fernreisenden dagegen kein Platz vorgesehen.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Pro und Contra
Dafür
+ Ein warmer, ruhiger Ort zum Warten ist Grundversorgung und kein Luxus.
+ Die erste Lounge von 1997 stand auch der zweiten Klasse offen, das Modell ist also erprobt.
+ Familien, Ältere und Menschen mit Behinderung würden besonders von einem geschützten Bereich profitieren.
+ Bei deutlich weniger Gästen als vor zehn Jahren ist in manchen Lounges womöglich Platz frei.
+ Gute Wartebereiche machen die Bahn für alle attraktiver, nicht nur für Vielfahrer.
+ Ein offener Bereich würde zeigen, dass die Bahn alle Fahrgäste gleich ernst nimmt.
Dagegen
− Die Lounges sind ein Vorteil, den erste Klasse und Vielfahrer mit ihren Fahrkarten mitbezahlen.
− Bei offenem Zugang wären die Räume schnell überfüllt und die Ruhe dahin.
− Kostenlose Getränke für alle würden hohe Kosten verursachen.
− Ohne besondere Vorteile verliert die erste Klasse an Reiz, und der Bahn fehlen Einnahmen.
− Für alle Reisenden sind gute Wartebereiche in der Bahnhofshalle der bessere Weg.
− Viele Loungegäste sind Geschäftsreisende, die dort arbeiten wollen und Ruhe brauchen.
Unterm Strich
Die Lounges sind ein legitimes Angebot für zahlende Stammkunden.
Doch die Grenze zwischen drinnen und draußen ist heute zu scharf gezogen.
Ein einfacher Bereich für alle Fernreisenden, wie ihn die erste Lounge 1997 hatte, wäre ein fairer Mittelweg.
Der Premium-Bereich kann dabei ruhig den treuesten Kunden vorbehalten bleiben.
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