Standpunkt
„Information zum Dachlandeplatz: Das Flugtaxi entfällt heute, Ersatzverkehr mit dem Regionalexpress.“
Sollten Bahnhöfe Landeplätze für Flugtaxis bekommen?
→ Ein Standpunkt zum Traum vom Umsteigen in die Luft
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Worum es geht
Nein, jedenfalls nicht jetzt. Die bekanntesten deutschen Hersteller sind in die Insolvenz gerutscht, die Geräte tragen nur ein bis zwei Fahrgäste, und der Platz an Bahnhöfen wird dringender für Fahrräder, Busse und Fußwege gebraucht.
Vor wenigen Jahren schien ein Teil der Zukunft des Stadtverkehrs in der Luft zu liegen.
Elektrische Fluggeräte sollten senkrecht starten, über Staus hinwegschweben und Menschen in wenigen Minuten ans Ziel bringen.
Auch die Bahn könnte davon profitieren, so die Hoffnung, wenn Reisende am Bahnhof direkt in die Luft umsteigen, und die Frage ist, ob Bahnhöfe dafür Landeplätze bekommen sollten.

Was ein Flugtaxi ist
Als Flugtaxi bezeichnet man kleine Fluggeräte, die auf Bestellung wenige Fahrgäste meist über kurze Strecken befördern.
Neu sind elektrische Senkrechtstarter, die an große Drohnen erinnern und vor allem in Städten fliegen sollen.
Ihre Hersteller betonen, dass sie keine Abgase ausstoßen und wenig Lärm machen.
Das erste autonome Flugtaxi stellten chinesische Unternehmer 2016 auf der Elektronikmesse CES vor.
Im Jahr 2023 erhielt ein solches Gerät in China eine Zulassung.

Zwei deutsche Hoffnungsträger
In Deutschland galten zwei Firmen als Vorreiter, Volocopter aus Bruchsal und Lilium mit deutschem Firmensitz in Oberpfaffenhofen bei München.
Der VoloCity von Volocopter bietet Platz für zwei Personen, den Piloten und einen Fahrgast.
Ab 2021 wurde er bei Paris für einen möglichen Einsatz während der Olympischen Spiele 2024 getestet.
Lilium wollte einen elektrischen Jet bauen, dessen Erstflug für 2025 oder 2026 geplant war.
Anfang 2019 sprach Lilium sogar mit den Schweizerischen Bundesbahnen über das Flugtaxi als Ergänzung zur Bahn.
Der tiefe Fall
Nachdem rund 1,5 Milliarden Euro ausgegeben waren, meldete Lilium im Oktober 2024 Insolvenz an, fast 1000 Beschäftigte waren betroffen.
Kurz zuvor hatte die Bundesregierung eine Bürgschaft abgelehnt, an die der Freistaat Bayern seine eigene Hilfe geknüpft hatte.
Eine Investorengruppe übernahm das Geschäft, musste aber im Februar 2025 ebenfalls Insolvenz anmelden.
Volocopter meldete Ende Dezember 2024 Insolvenz an und wurde 2025 vom österreichischen Flugzeugbauer Diamond Aircraft gekauft, der einem chinesischen Konzern gehört.
Auch Flugtaxi-Projekte großer Konzerne wie Boeing und Airbus werden als eingestellt geführt.
Wenig Platz, viele offene Fragen
Ein Flugtaxi trägt nur eine Handvoll Menschen, oft nur einen einzigen Fahrgast neben dem Piloten.
Ein einziger Regionalzug befördert dagegen Hunderte Menschen auf einmal.
Die Entwickler kämpfen nach wie vor mit Lärm, geringer Nutzlast, kurzen Flugzeiten und strengen Regeln für den Luftraum.
Außerdem fehlen verlässliche Daten zur Sicherheit im Alltagsbetrieb.
Platz am Bahnhof ist knapp
Ein Landeplatz braucht Fläche, Sicherheitsabstände und Anlagen zum Laden der Akkus.
An vielen Bahnhöfen fehlt schon heute Platz für Fahrradstellplätze, Bushaltestellen und sichere Fußwege.
Auf den Dächern alter Empfangsgebäude oder über Bahnhofshallen dürfte ein Landeplatz nur mit großem Umbau möglich sein.
Und jeder Start über einer Innenstadt bringt Geräusche mit sich, die die Nachbarschaft hört.
Wer würde damit fliegen?
Ein Platz im Flugtaxi dürfte deutlich teurer sein als eine Fahrkarte im Nahverkehr, denn ein Fluggerät für zwei Personen ist aufwendig in Bau und Betrieb.
Damit wäre es vor allem ein Angebot für wenige Eilige mit großem Budget.
Für die vielen Pendler, die täglich am Bahnhof umsteigen, brächte ein Landeplatz nichts.
Öffentliches Geld sollte vor allem dem Verkehr dienen, den die Mehrheit nutzt.
Wo Flugtaxis nützen könnten
Ganz nutzlos ist die Technik nicht.
Volocopter sah für sein Gerät auch einen Einsatz in der Luftrettung vor.
Klassische Lufttaxis verbinden schon heute entlegene Orte, etwa in Inselstaaten, in denen es kaum Straßen oder Schienen gibt.
Solche Aufgaben brauchen aber keine Landeplätze auf Bahnhöfen, sondern Stellen dort, wo die Schiene nicht hinkommt.
Erst die Technik, dann die Bauten
Bevor Städte oder die Bahn Geld in Landeplätze stecken, müssten die Geräte zugelassen, sicher und im Alltag erprobt sein.
Heute ist nicht einmal klar, welche Hersteller in einigen Jahren noch fliegen.
Wer jetzt baut, riskiert Plattformen, auf denen niemand landet.
Sinnvoller ist es, Bahnhöfe mit Bus, Rad und Fußwegen gut zu verknüpfen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Pro und Contra
Dafür
+ Ein Landeplatz am Bahnhof würde Flugtaxis mit dem Schienennetz verknüpfen, statt sie in Konkurrenz zu setzen.
+ Elektrische Fluggeräte stoßen im Betrieb keine Abgase aus.
+ Für Rettungsflüge und dringende Transporte könnten zentrale Landeplätze nützlich sein.
+ Wer früh plant, könnte Flächen sichern, bevor sie anders vergeben sind.
+ Bahnhöfe liegen oft zentral und wären gut erreichbare Knoten für neue Verkehrsmittel.
+ Deutschland könnte zeigen, dass neue Technik und Bahn zusammenpassen.
Dagegen
− Die bekanntesten deutschen Hersteller sind in die Insolvenz geraten, die Zukunft der Technik ist ungewiss.
− Ein Flugtaxi trägt nur ein bis zwei Fahrgäste und ersetzt keinen Zug und keinen Bus.
− Lärm, kurze Flugzeiten und offene Sicherheitsfragen sind bis heute nicht gelöst.
− Der Platz an Bahnhöfen wird für Fahrräder, Busse und Fußwege dringender gebraucht.
− Die Flüge dürften teuer werden und kämen nur wenigen Menschen zugute.
− Landeplätze ohne erprobte Fluggeräte könnten zu teuren Denkmälern einer Mode werden.
Unterm Strich
Flugtaxis sind eine faszinierende Technik, aber bisher vor allem eine Geschichte von großen Versprechen und hohen Verlusten.
Bahnhöfe sollten deshalb jetzt keine Landeplätze bekommen.
Sollte sich die Technik eines Tages bewähren, kann man die Frage neu stellen.
Bis dahin bleibt der beste Anschluss am Bahnhof der Bus, das Fahrrad und der eigene Fuß.
Weiterfahrt
