Ortstermin
„Nächster Halt Büchen, Umstieg in die Züge nach Lübeck und Lüneburg an den Gleisen 21 und 22.“
Der Bahnhof Büchen, um den herum ein ganzer Ort gewachsen ist
→ Ein Ortstermin im Kreis Herzogtum Lauenburg.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Büchen wurde im Oktober 1851 an der Kreuzung der Strecken Berlin–Hamburg und Lübeck–Lüneburg eröffnet und war bis zur Wiedervereinigung Grenzbahnhof der Bundesrepublik. Über ihn lief der bedeutendste Grenzübergang im Güterverkehr, allein 1982 mit 12.250 Güterzügen.
Büchen ist eine Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg und liegt recht zentral in dieser Landschaft im Südosten Schleswig-Holsteins.
Hier kreuzen sich die Bahnstrecken von Berlin nach Hamburg und von Lübeck nach Lüneburg, und rund um diesen Knoten ist der heutige Ortskern überhaupt erst entstanden.
Bis zur Wiedervereinigung war der Bahnhof Grenzbahnhof der Bundesrepublik, und im Mai 2026 ging hier nach einer großen Sanierung ein neues Stellwerk in Betrieb.

Ein Bahnhof für eine Kreuzung
Die Bahnstrecke von Berlin nach Hamburg führte schon seit 1846 durch die Gegend, doch einen Bahnhof bekam Büchen erst, als hier eine zweite Strecke hinzukam.
Im Oktober 1851 gingen fast gleichzeitig die Strecke der Lübeck-Büchener Eisenbahn nach Lübeck und eine Zweigstrecke der Berlin-Hamburger Eisenbahn nach Lauenburg in Betrieb.
Die Lübecker bauten ihre Bahn nach Büchen, weil Verhandlungen über eine direkte Verbindung nach Hamburg über damals dänisches Gebiet gescheitert waren.
Der Bahnhof ist bis heute als Keilbahnhof angelegt, in dem sich die beiden Strecken kreuzen und der als regionaler Eisenbahnknoten dient.

Über die Elbe nach Lüneburg
Die Strecke nach Lauenburg endete zunächst an der Elbe, doch ab dem 15. März 1864 stellte ein Trajekt zwischen Lauenburg und Hohnstorf die Verbindung zum hannoverschen Eisenbahnnetz her.
Weil die Hamburger Elbbrücken erst 1872 zur Verfügung standen, war diese Route damals Teil der kürzesten Bahnverbindung zwischen Hamburg und Hannover.
Im Jahr 1878 wurde bei Lauenburg eine reine Eisenbahnbrücke über die Elbe gebaut, und bald fuhren durchgehende Züge von Lübeck bis nach Lüneburg.
Die Strecke Lübeck–Lüneburg ist bis heute eingleisig und abgesehen von den Bahnhöfen Lübeck, Büchen und Lüneburg nicht elektrifiziert.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Büchen ist ein Keilbahnhof, an dem sich die Strecken Berlin–Hamburg und Lübeck–Lüneburg kreuzen. Im Jahr 2013 zählte er über 4000 ein- und aussteigende Fahrgäste pro Tag.
Die Züge nach Lübeck und Lüneburg halten an den Gleisen 21 und 22, deren Oberleitungen zum Laden von Akku-Triebzügen dienen. Am 15. Mai 2026 wurde der Zugverkehr nach der Generalsanierung wieder aufgenommen.
Bomben, Sprengungen und eine neue Grenze
Am 26. April 1945 wurde der Bahnhof bei einem Bombenangriff stark beschädigt, und das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde dabei zerstört.
Ende April 1945 sprengten deutsche Truppen zudem die Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal östlich des Bahnhofs, und bei heftigen Kämpfen am 1. Mai 1945 wurden weitere Teile der Anlage zerstört.
Nach Kriegsende teilte die Grenze zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone die Strecke nach Berlin zwischen Schwanheide und Büchen.
Weil im Osten eines der beiden Streckengleise als Reparationsleistung abgebaut worden war, entfernte man auch auf westdeutscher Seite das zweite Gleis zwischen Büchen und Schwarzenbek.

Grenzbahnhof der Bundesrepublik
Im Sommer 1946 wurde die Kanalbrücke wiederhergestellt, doch der Güterverkehr über die Grenze begann erst am 27. August 1947 wieder.
Am 10. September 1949 kehrten auch Reisezüge zurück, zunächst zwei Zugpaare, eines davon mit einem Triebwagen der Bauart Köln, der aus dem Fliegenden Hamburger abgeleitet war.
Der Lokwechsel zwischen der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn der DDR fand stets in Büchen statt, doch bis 1973 durften Reichsbahnlokomotiven vor Reisezügen bis Hamburg durchfahren.
Wegen der Grenzlage hatte der Bahnhof eine vielbeschäftigte Bahnhofsmission, die sich ab 1957 um Spätaussiedler und Reisende aus der DDR kümmerte und 1995 geschlossen wurde.

Der wichtigste Übergang für Güterzüge
Seit 1965 rollten auch Güterzüge im Transitverkehr von und nach West-Berlin über Büchen.
Der Grenzübergang war der bedeutendste im Güterverkehr, vor allem für den Transit der RGW-Staaten zum Hamburger Hafen, weil hier die kürzeste Strecke auf westlichem Gebiet zurückzulegen war und das Devisen sparte.
Im Jahr 1982 wurden hier 12.250 Güterzüge mit fast 433.000 Wagen befördert.
Die Grenzabfertigung eines Güterzugs dauerte im Bahnhof Büchen etwa zwei Stunden, und am 26. April 1987 ging ein neues Relaisstellwerk in Betrieb.

Nach der Einheit auf Tempo 230
Mit den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit wurde der Abschnitt von Hagenow Land nach Büchen 1996 elektrifiziert, und die Strecke Berlin–Hamburg gilt als erste Bestandsstrecke in Deutschland, die für mehr als 200 km/h ausgebaut wurde.
Im Bahnhof ist sie auf vier Gleise aufgefächert, wobei die beiden inneren Gleise für bis zu 230 km/h ausgebaut sind und nur dem Schnellverkehr ohne Halt dienen.
An den äußeren Gleisen halten Regionalzüge und Fernzüge, und nach 1996 stoppten hier auch einige EuroCity-Züge von Hamburg über Berlin und Dresden nach Prag und Budapest.
Von Oktober 2010 bis November 2013 wurde die Station für 4,5 Millionen Euro saniert, das Empfangsgebäude von 1951 wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Generalsanierung und neues Stellwerk
Während der Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg ab dem 1. August 2025 fand im Bahnhof Büchen kein Zugverkehr statt, und auch die Personenunterführung war gesperrt.
An den Gleisen nach Lüneburg wurde der alte Mittelbahnsteig durch zwei Außenbahnsteige an den Gleisen 21 und 22 ersetzt, deren Oberleitungen zum Laden der Akku-Triebzüge dienen.
Am 8. Mai 2026 ging das neue elektronische Stellwerk mit Außeneinheiten in Schwarzenbek und Aumühle in Betrieb, und am 15. Mai 2026 wurde der Zugverkehr wieder aufgenommen.
Außerdem sollten zwei Bahnsteige auf 406 Meter verlängert werden, damit künftig längere Regionalzüge in Büchen halten können.

Salz, Kanal und eine Wallfahrtskirche
Büchen liegt dort, wo die Steinau in die Delvenau mündet, die heute im Elbe-Lübeck-Kanal aufgegangen ist.
Von 1391 bis 1398 bauten die Lübecker hier den Stecknitzkanal, den ersten Kanal Nordeuropas, der eine Wasserscheide überwand und Salz aus Lüneburg nach Lübeck bringen sollte.
Der heutige Elbe-Lübeck-Kanal wurde im Juni 1900 in Anwesenheit des Kaisers eröffnet und ist 61,55 Kilometer lang.
Die Marienkirche im alten Dorf wurde um 1200 erbaut und war wegen eines prächtigen Marienbildes ein Wallfahrtsort, bis dieses Bild im Dreißigjährigen Krieg verschwand.

Ankommen in Büchen
Der Ortskern rund um die Gleise hieß früher schlicht Büchen-Bahnhof, und ab 1900 siedelten sich dort immer mehr Menschen an, obwohl der Bahnhof damals zur Gemeinde Pötrau mit nur 72 Einwohnern gehörte.
So wuchsen die weit auseinanderliegenden Dörfer Nüssau, Pötrau und Büchen-Dorf zu einer Gemeinde zusammen.
In der denkmalgeschützten Priesterkate finden Kunstausstellungen statt, und eine Dauerausstellung erinnert an die innerdeutsche Grenze, die hier so nah war.
Auf dem ehemaligen Bahngelände zeigt ein Skulpturenpark Werke des Künstlers Ludwig Vöpel aus Stahl und Beton, und entlang des Kanals führt der Radfernweg Alte Salzstraße.

Häufige Fragen
Wann wurde der Bahnhof Büchen eröffnet?
Welche Strecken kreuzen sich in Büchen?
Warum war Büchen ein Grenzbahnhof?
Wie viele Güterzüge fuhren über den Grenzübergang Büchen?
Wie ist der Ortskern von Büchen entstanden?
Weiterfahrt
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