Zahlen, bitte!
„Bitte haben Sie etwas Geduld, die Friesenbrücke dreht sich gerade für ein Schiff und ist in wenigen Minuten wieder für uns da.“
Wie lang ist die neue Friesenbrücke bei Weener?
→ Eine Brücke in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die neue Friesenbrücke bei Weener ist 335 Meter lang. Ihr beweglicher Mittelteil misst 145 Meter, wiegt 1.800 Tonnen und macht sie zur größten Hub-Drehbrücke für die Eisenbahn in Europa.
Bei Weener in Ostfriesland überquert die Bahnstrecke von Leer nach Groningen die Ems.
Seit ein Frachtschiff im Dezember 2015 die alte Brücke zerstörte, fuhren dort keine Züge mehr über den Fluss.
Hier sind die wichtigsten Zahlen zur neuen Friesenbrücke, Stand September 2026.

Die wichtigsten Zahlen
335 m
Länge
Hub- und Drehbrücke
145 m
Drehteil
rund 1.800 Tonnen schwer
56,5 m
Durchfahrtsbreite
für große Werftschiffe
Das Mittelstück lässt sich in etwa achteinhalb Minuten um 90 Grad drehen.
Europas größte Hub-Drehbrücke für Züge
Die neue Friesenbrücke ist eine Hub- und Drehbrücke mit einer Länge von 335 Metern.
Ihr beweglicher Mittelteil ist 145 Meter lang und wiegt 1.800 Tonnen.
Damit ist sie die größte Hub-Drehbrücke für den Eisenbahnverkehr in Europa.
Sie überspannt die Ems bei Weener als eingleisige Brücke der Bahnstrecke Ihrhove–Groningen und der Wunderline.

In achteinhalb Minuten zur Seite gedreht
Der Drehpfeiler steht auf der Ihrhover Seite des Flusses.
Das Mittelstück lässt sich innerhalb von etwa achteinhalb Minuten um 90 Grad drehen.
Die Durchfahrtsbreite für Schiffe beträgt 56,5 Meter.
So müssen für die Überführung großer Neubauten der Meyer Werft keine Brückenteile mehr abgebaut werden.
Gut zu wissen
Die neue Friesenbrücke ist 335 Meter lang, ihr 145 Meter langes Drehteil wiegt 1.800 Tonnen. Schiffe haben 56,5 Meter Durchfahrtsbreite, das Drehen dauert etwa achteinhalb Minuten.
Die alte Brücke wurde am 3. Dezember 2015 von einem Frachtschiff zerstört. Die neue kostete mehr als 200 Millionen Euro, ab Oktober 2026 sollen wieder Züge zwischen Leer und Groningen fahren.
Die vierte Brücke an dieser Stelle
Vor der heutigen Brücke gab es an dieser Stelle schon Brücken aus den Jahren 1876, 1926 und 1951.
Die erste, von 1874 bis 1876 gebaut, war 345 Meter lang und hatte eine Drehbrücke am Ufer von Weener.
Schon rund zwei Monate nach ihrer Eröffnung wurde sie bei einer Sturmflut im Januar 1877 beschädigt.
Die Strecke war bis etwa 1975 die kürzeste Bahnverbindung von Hamburg nach Amsterdam.
Eine Lok hing über der Ems
In der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1913 überfuhr ein Personenzug bei Nebel ein Haltesignal vor der noch offenen Brücke.
Der vordere Teil der Lokomotive Venus rutschte in die Lücke, doch die Kupplung hielt, und der übrige Zug wirkte als Gegengewicht.
Menschen kamen nicht zu Schaden, die Lok wurde am 30. Juli mit einem Schwimmkran geborgen.
Nach einem Schiffsunfall im Jahr 1922 wurde ein Neubau nötig, der von 1924 bis 1926 entstand.
Klappbrücke, Sprengung und Wiederaufbau
Die Brücke von 1926 war 335 Meter lang und hatte sechs feste Überbauten von rund 50 Metern und eine Rollklappbrücke der Bauart Scherzer.
Zeitweise war sie die längste Eisenbahnklappbrücke in Deutschland.
Mitte April 1945 wurde sie von Wehrmachtsoldaten gesprengt, um kanadische Truppen an der Ems aufzuhalten.
Von 1950 bis Mai 1951 wurde sie in gleicher Form wieder aufgebaut und am 20. Mai 1951 eröffnet.
Zu eng für die Werftschiffe
Die Durchfahrtsbreite der Klappbrücke betrug nur 25 Meter.
Das reichte für viele Neubauten der Meyer Werft nicht, die 1980 abgelieferte Viking Sally kam nur mit Schlagseite hindurch.
In den 1980er Jahren wurde deshalb eine zweite, 46,6 Meter breite Durchfahrt geschaffen, für die ein Brückenteil per Schwimmkran ausgehängt wurde.
Während solcher Überführungen fuhren statt der Züge Ersatzbusse.
Der Unfall vom 3. Dezember 2015
Am Abend des 3. Dezember 2015 rammte das Frachtschiff Emsmoon den Klappteil der geschlossenen Brücke.
Der Klappteil wurde zerstört, und die Aufbauten der Brücke wurden um einige Meter verschoben.
Die Brücke war damit unbenutzbar, die Ems wurde wegen der Trümmer zunächst für die Schifffahrt gesperrt.
Seitdem enden die Züge aus Groningen in Weener, statt wie zuvor bis nach Leer durchzufahren.
Von 125 auf mehr als 200 Millionen Euro
Beim symbolischen Baustart am 23. Juli 2021 rechnete man noch mit Baukosten von 125 Millionen Euro.
Im August 2022 lag die Schätzung bereits bei 200 Millionen Euro, der Bund übernahm 57 Millionen Euro Mehrkosten.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf mehr als 200 Millionen Euro.
Das Land Niedersachsen trägt 12,6 Millionen Euro, darin enthalten sind 6,1 Millionen Euro für den Rad- und Gehweg.
Bauteile aus Tschechien und Ungarn
Die Brückenelemente wurden in Slaný in Tschechien und in Nyíregyháza in Ungarn vorgefertigt.
In Papenburg wurden sie verschweißt und dann per Schwimmkran über die Ems nach Weener gebracht.
Das 145 Meter lange Drehelement wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2024 montiert.
Dafür wurde die Ems mit dem Emssperrwerk bei Gandersum aufgestaut, damit der Wasserstand während der Montage nicht schwankte.
20 Minuten pro Stunde für die Bahn
Am 2. April 2025 wurde die neue Brücke zum ersten Mal gedreht und geschlossen.
Pro Stunde stehen 15,5 Minuten für Öffnen und Schließen, 24,5 Minuten für die Schifffahrt und 20 Minuten für den Bahnverkehr zur Verfügung.
In diesem Zeitfenster sollen zwei Züge pro Stunde die Brücke passieren können.
Fahrgastverbände kritisierten 2023, dass das für die geplante schnellere Wunderline zwischen Bremen und Groningen nicht ausreiche.
Wieder Züge ab Oktober 2026
Seit September 2025 dürfen Fußgänger und Radfahrer den 2,5 Meter breiten Weg auf der Brücke nutzen.
Der Zugverkehr sollte ursprünglich schon im Dezember 2024 beginnen, wurde aber mehrfach verschoben.
Im August 2026 führte Arriva erste Testfahrten über die Brücke durch.
Nach Angaben des Unternehmens sollen ab Oktober 2026 wieder Personenzüge zwischen Leer und Groningen fahren.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
