Sollten autonome Kleinkabinen wie Monocab stillgelegte Nebenbahnen beleben?

Standpunkt

„Bitte beachten Sie: Diese Kabine fährt auf einer Schiene und hält trotzdem das Gleichgewicht.“

Sollten autonome Kleinkabinen wie Monocab stillgelegte Nebenbahnen beleben?

→ Ein Standpunkt zur Kabine, die auf einer Schiene balanciert

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Worum es geht

Ja, aber erst nach gründlicher Erprobung. Die Idee kann Strecken ohne Zugverkehr wieder nutzbar machen, doch bis zum Alltag fehlen noch Jahre der Entwicklung und klare Regeln.

Auf vielen stillgelegten Nebenbahnen liegen noch die Gleise, doch Züge fahren dort seit Jahrzehnten nicht mehr.

In Ostwestfalen-Lippe arbeiten Forschende deshalb an einer ungewöhnlichen Lösung, einer kleinen, selbstfahrenden Kabine, die auf nur einer Schiene balanciert.

Sie heißt Monocab, und die Frage ist, ob solche Fahrzeuge verlassene Strecken wieder beleben sollten.

MonoCab Prototyp Thusnelda
Foto: Mekandros, CC0, via Wikimedia Commons

Eine Kabine auf einer Schiene

Das Monocab ist eine elektrisch angetriebene Einschienenbahn, die auf ganz normalen Eisenbahnschienen fährt.

Damit die Kabine nicht umkippt, halten sie zwei Kreisel im Gleichgewicht, die jeweils etwa 250 Kilogramm wiegen und sich 4800-mal in der Minute drehen.

Dazu kommt ein rund 600 Kilogramm schweres Gewicht, das verschoben werden kann, und für den Notfall gibt es vier ausfahrbare Stützen.

Weil jede Kabine nur eine der beiden Schienen braucht, können zwei Kabinen auf einem eingleisigen Gleis aneinander vorbeifahren.

Das Fahrzeug soll bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell werden.

MonoCab Prototyp Thusnelda ohne Gäste
Foto: Mekandros, CC0, via Wikimedia Commons

Taxi statt Fahrplan

Jede Kabine soll vier bis sechs Menschen Platz bieten.

Anders als ein Zug soll das Monocab keinen festen Fahrplan haben, sondern bei Bedarf bestellt werden können.

Die Türen sind 1,50 Meter breit, und ihr unterer Teil klappt als Rampe auf den Bahnsteig, damit auch Rollstühle hineinpassen.

Auch Fahrräder sollen mitfahren können.

Die Entwickler sprechen von individuellem Nahverkehr, einer Mischung aus eigenem Auto und öffentlichem Verkehr.

Ein Forschungsprojekt aus Lippe

Die Idee stammt vom Verein Landeseisenbahn Lippe, getragen wird die Forschung von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Partner sind unter anderem die Hochschule Bielefeld und ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft.

Für den Start standen rund vier Millionen Euro bereit, gut 1,6 Millionen vom Land Nordrhein-Westfalen und knapp zwei Millionen aus einem Fonds der Europäischen Union.

Von 2024 bis 2026 unterstützt der Bund das Vorhaben mit insgesamt sieben Millionen Euro.

Schon 2018 wurde die Idee mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet.

Erste Fahrten im Extertal

Als Teststrecke dient ein zwei Kilometer langer stillgelegter Abschnitt der Extertalbahn bei Bösingfeld.

Auf dieser Strecke nach Rinteln endete der Personenverkehr schon 1969.

Am 3. Oktober 2022 fuhr ein Vorführfahrzeug mit dem Namen Thusnelda erstmals mit mehreren Menschen über die Teststrecke.

Dem Prototyp fehlten allerdings noch viele Bauteile, und eine Fangvorrichtung an der zweiten Schiene sicherte ihn gegen das Kippen.

Eine zweite öffentliche Vorführung folgte im April 2023.

Alte Träume von der Kabinenbahn

Kleine Kabinen statt großer Züge sind ein alter Traum der Verkehrsplanung.

Schon in den 1970er Jahren förderte der Bund das Cabinentaxi, bei dem Fahrgäste ihr Ziel per Zifferneingabe wählen und ohne Zwischenhalt ankommen sollten.

Für Hagen war damals ein Netz mit 132 Kilometern und 182 Stationen geplant.

Die Versuchsanlage wurde im Juli 1981 vollständig abgebaut, und die großen Netzpläne blieben Papier.

Auch das Paderborner Forschungsprojekt RailCab wollte kleine, autonome Fahrzeuge auf die Schiene bringen.

Die offenen Fragen

Nach mehreren Verschiebungen ist ein regelmäßiger Testbetrieb frühestens für 2028 geplant.

Wichtige Fragen sind nach wie vor ungeklärt, etwa wie Bahnübergänge und Haltestellen für die Kabinen aussehen sollen.

Der WDR urteilte nach der ersten Fahrt, dass bis zur Marktreife wohl noch viele Jahre vergehen werden.

Schon 2019 bemängelte ein Automagazin, dass es für eine Umsetzung noch an Geld, Machbarkeitsstudien und Kostenrechnungen fehle.

Eine Chance für verlassene Gleise

In einem Bericht von Deutschlandfunk Nova war von rund 6500 Kilometern stillgelegter Gleise in Deutschland die Rede.

Ein Teil davon könnte mit leichten Kabinen wieder genutzt werden, ohne dass lange Bahnsteige und große Züge nötig wären.

Weil das Monocab nicht mit dem regulären Zugverkehr konkurrieren soll, halten Beobachter es für leichter umsetzbar als frühere Kabinenprojekte.

Für Dörfer ohne Bahnanschluss wäre eine Kabine auf Abruf ein echter Fortschritt.

Kein Ersatz für echte Züge

Wo viele Menschen gleichzeitig fahren wollen, bleibt der Zug unschlagbar, denn eine Kabine für sechs Personen ersetzt keinen vollen Triebwagen.

Gefährlich wäre es, wenn die Aussicht auf Kabinen zur Ausrede würde, eine lohnende Strecke nicht richtig zu reaktivieren.

Sinnvoll sind die Kabinen vor allem dort, wo sich ein normaler Zug nie rechnen würde.

Die Gleise sollten deshalb erhalten bleiben, damit beide Wege offen sind.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Pro und Contra

Dafür

+  Vorhandene Gleise werden wieder genutzt, statt zuzuwachsen oder abgebaut zu werden.

+  Kabinen auf Abruf passen zu dünn besiedelten Gegenden, in denen ein Zug oft fast leer fahren würde.

+  Weil sich zwei Kabinen auf einem Gleis begegnen können, braucht es keine teuren Ausweichstellen.

+  Rampen an den Türen und Platz für Fahrräder machen die Kabine für viele Menschen nutzbar.

+  Ein selbstfahrender, elektrischer Betrieb könnte den Mangel an Personal auf dem Land abfedern.

+  Das Projekt bringt Forschung und Fachwissen in eine ländliche Region.

Dagegen

−  Bis zum regelmäßigen Betrieb dauert es noch Jahre, und der Termin wurde schon mehrfach verschoben.

−  Eine Kabine für vier bis sechs Menschen stößt an Grenzen, sobald Schulkinder oder Berufspendler in großer Zahl fahren wollen.

−  Fragen zu Bahnübergängen, Haltestellen und Zulassung sind noch offen.

−  Die Technik mit schweren Kreiseln ist aufwendig und muss sich erst im Dauerbetrieb bewähren.

−  Frühere Kabinenprojekte wie das Cabinentaxi sind trotz großer Pläne nie im Alltag angekommen.

−  Die Aussicht auf Kabinen könnte als Vorwand dienen, auf eine echte Reaktivierung mit Zügen zu verzichten.

Unterm Strich

Das Monocab ist eine kluge Idee für Strecken, auf denen sich ein normaler Zug nicht lohnt.

Bevor es Nebenbahnen belebt, muss es aber zeigen, dass es sicher, bezahlbar und zuverlässig fährt.

Bis dahin sollten stillgelegte Gleise erhalten bleiben, damit sie für Kabinen oder Züge bereitstehen.

Das Gleichgewicht hält die Kabine schon, jetzt muss sie noch den Alltag schaffen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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