Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd, wo einst das Klepperle nach Göppingen abfuhr

Ortstermin

„Nächster Halt Schwäbisch Gmünd, Anschluss an die Busse am Busbahnhof westlich des Empfangsgebäudes.“

Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd, wo einst das Klepperle nach Göppingen abfuhr

→ Ein Ortstermin im Remstal.

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Kurz gesagt

Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd wurde im Juli 1861 an der Remsbahn eröffnet, und sein Empfangsgebäude aus diesem Jahr ist bis heute in Betrieb. Von 1911 bis 1984 fuhr von hier außerdem die Hohenstaufenbahn nach Göppingen, die im Volksmund Klepperle hieß.

Schwäbisch Gmünd liegt etwa 50 Kilometer östlich von Stuttgart und ist die größte Stadt im Remstal.

Weil Gmünd schon 1162 als Stadt erwähnt wurde, früher als jede andere Stadt der Staufer, nennt es sich älteste Stauferstadt.

Ihr Bahnhof an der Remsbahn ist ein Intercity-Halt, den nach Zahlen von 2015 täglich rund 4800 Reisende und Besucher nutzen.

Bahnhof Schwaebisch Gmuend 1865
Foto: Jakob August Lorent, Public domain, via Wikimedia Commons

Drei Varianten für die Remsbahn

Für den Verlauf der Remsbahn im Stadtgebiet und die Lage des Bahnhofs wurden 1858 drei Möglichkeiten diskutiert, südlich der Stadt, nördlich der Stadt vor der Rems und nördlich der Rems.

Bei den ersten beiden Varianten hätte man in bebaute Gebiete oder Grünanlagen eingreifen müssen, und die künftige Ausdehnung der Stadt wäre behindert worden.

Deshalb entschied man sich für die Linie nördlich der Rems, bei der der Bahnhof allerdings am weitesten vom Stadtzentrum entfernt lag.

Dafür musste das Flussbett der Rems verlegt werden, was die Stadt zugleich besser vor Hochwasser schützen sollte.

Bf Schwaebisch Gmuend 2008
Foto: dealerofsalvation, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Empfangsgebäude von Georg von Morlok

Wie damals in Württemberg üblich, gestaltete der leitende Ingenieur des Streckenbaus das Empfangsgebäude, bei der Remsbahn war das Georg von Morlok.

Der Bau folgt der neoklassizistischen Bahnhofsarchitektur früherer württembergischer Vorbilder.

Typisch für Morloks Bauten dieser Zeit sind der kleine Glockenaufsatz in der Mitte und die Pilaster zwischen den Rundbögen im Erdgeschoss.

Das Empfangsgebäude von 1861 wird bis heute als solches genutzt und beherbergt einen Kiosk, einen Imbiss, ein Restaurant und ein Reisezentrum.

Schwäbisch Gmünd 8
Foto: Paulis, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd liegt an der Remsbahn nordwestlich des Stadtzentrums und wurde im Juli 1861 eröffnet. Das Empfangsgebäude von 1861 ist bis heute in Betrieb.

Hier halten Intercity-Züge im Zwei-Stunden-Takt sowie Regionalexpress- und Regionalbahn-Züge. Seit 2014 sind alle drei Bahnsteige barrierefrei erreichbar.

Feierliche Eröffnung im Juli 1861

Die amtliche Abnahmefahrt auf dem Abschnitt von Schorndorf nach Gmünd fand am 29. Juni 1861 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

Am 18. Juli 1861 folgte eine offizielle Eröffnungsfahrt mit Ehrengästen, und am 25. Juli begann der fahrplanmäßige Betrieb zwischen Stuttgart und Wasseralfingen.

Die Gleisanlagen hatten zunächst 25 Weichen, eine Drehscheibe und eine Wasserstation mit zwei Wasserkränen.

Eine Fahrkarte von Gmünd nach Stuttgart kostete damals in der II. Klasse 81 Kreuzer und in der III. Klasse 51 Kreuzer.

Schwäbisch Gmünd 9
Foto: Paulis, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Großer Umbau ab 1907

Vom 16. September 1907 bis 1910 wurde der Bahnhof umgebaut, um den gestiegenen Verkehr zu bewältigen und die geplante Nebenbahn nach Göppingen anzuschließen.

Dabei entstanden ein Inselbahnsteig mit einer Unterführung, und ein Bahnübergang östlich des Empfangsgebäudes wurde durch eine Straßenunterführung ersetzt.

Am 27. April 1910 ging das zweite Gleis der Remsbahn bis Gmünd in Betrieb.

Nach dem Umbau hatte der Bahnhof 116 Weichen und zwei Drehscheiben und gehörte zu den 24 württembergischen Stationen I. Klasse.

Lorent bahnhof gmuend
Foto: Jakob August Lorent, Public domain, via Wikimedia Commons

Das Klepperle nach Göppingen

Die 27,24 Kilometer lange Hohenstaufenbahn führte vom Remstal an den Bergen Rechberg und Hohenstaufen vorbei nach Göppingen, und ihr erster Abschnitt bis Wäschenbeuren wurde am 1. August 1911 eröffnet.

Am 14. Mai 1912 folgte der Abschnitt bis Göppingen, und im Volksmund hieß die Bahn rund um Gmünd Klepperle und in der Göppinger Gegend Josefle.

Wegen der wirtschaftlichen Probleme der Strecke leitete die Deutsche Bundesbahn 1982 ein Stilllegungsverfahren ein und stellte im Juni 1984 den Personenverkehr auf der ganzen Strecke ein.

Die letzte Fahrt begleiteten etwa 1000 Fahrgäste, und seit 1990 verläuft auf dem größten Teil der alten Trasse ein Rad- und Wanderweg.

Bahnhofsgebäude Schwäbisch Gmünd
Foto: MSeses, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Güterbahnhof, Krieg und Rheingold

1923 und 1936 kamen zwei Industriegleise hinzu, die Betriebe in der Stadt an den Güterbahnhof anschlossen, auf dem 1959 rund 14.900 Güterwagen eintrafen.

Am 19. April 1945 zerstörte ein Bombentreffer eine Bahnbrücke westlich des Bahnhofs und unterbrach die Remsbahn nach Stuttgart.

Bis 1964 hieß der Bahnhof offiziell Schwäb Gmünd, davor bis 1934 nur Gmünd.

In den Jahren 1983 und 1984 hielt hier sogar ein Flügelzug des Trans-Europ-Express Rheingold auf dem Weg von Mannheim nach München.

Bahnhof der ehemaligen Hohenstaufenbahn, 1911 12 gebaut. 1984 eingestell
Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Umbau zur Landesgartenschau 2014

Zur Landesgartenschau 2014 wurden Bahnhof und Umgebung umgestaltet, wobei eine geplante Fußgängerbrücke über die Gleise verworfen wurde.

Stattdessen verlängerte die Bahn die vorhandene Unterführung nach Norden, baute Aufzüge ein und erhöhte die Bahnsteige, was zusammen 6,4 Millionen Euro kostete.

Seit 2014 heißt die Unterführung Pleuer-Passage, und alle drei Bahnsteige sind barrierefrei erreichbar.

Am Hausbahnsteig gab es früher das 500. in einem Bahnhof installierte Transportband, an das eine Bronzetafel erinnert, doch es wurde am 16. Mai 2013 abgebaut.

Bahnhof in Schwäbisch Gmünd panoramio
Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Intercity, Regionalexpress und Remsbahn

Im Zwei-Stunden-Takt halten hier die Intercity-Züge der Linie 61 von Karlsruhe über Stuttgart nach Nürnberg.

Dazu kommt alle zwei Stunden ein Regionalexpress zwischen Aalen und Karlsruhe, und Regionalbahnen fahren im Halbstundentakt von Stuttgart nach Aalen und teils weiter bis Ellwangen oder Crailsheim.

Seit Juni 2019 betreibt das Unternehmen Go-Ahead, das heute Arverio heißt, den Nahverkehr, und im Juli 2019 wurde im Bahnhof ein Intercity-Zug auf den Namen Remstal getauft.

Das Durchgangsgleis 1 liegt am Hausbahnsteig, die Gleise 2 und 4 liegen am Inselbahnsteig, und westlich des Empfangsgebäudes befindet sich der zentrale Busbahnhof der Stadt.

Bahnhof Schwäbisch Gmünd Gleis 2 und 4 panoramio
Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Schwäbisch Gmünd

Das Heilig-Kreuz-Münster entstand ab etwa 1320 als Stadtpfarrkirche und gilt als erste große Hallenkirche Süddeutschlands und als Ausgangswerk der Baumeisterfamilie Parler.

Am historischen Marktplatz steht die Grät, ein großes Fachwerkhaus, das schon als Rathaus, Schultheißensitz und Kaufhaus diente, und das Neue Rathaus war ursprünglich ein Patrizierhaus von 1760.

Das Museum im Prediger wurde 1876 als Kunstgewerbemuseum gegründet und gehört zu den ältesten Museen Südwestdeutschlands, und in der ehemaligen Ott-Pauserschen Fabrik zeigt ein Museum Silberwaren.

Die Landesgartenschau 2014 war mit etwa zwei Millionen Besuchern die bestbesuchte in Baden-Württemberg, und möglich wurde sie erst durch den Gmünder Einhorn-Tunnel.

Remsbahn Schwäbisch Gmünd
Foto: Jedesto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wann wurde der Bahnhof Schwäbisch Gmünd eröffnet?
Der fahrplanmäßige Betrieb begann am 25. Juli 1861, die offizielle Eröffnungsfahrt war am 18. Juli.
Was war das Klepperle?
So hieß im Volksmund die Hohenstaufenbahn von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen, die von 1911 bis 1984 Fahrgäste beförderte.
Halten in Schwäbisch Gmünd Fernzüge?
Ja, die Intercity-Züge der Linie 61 zwischen Karlsruhe und Nürnberg im Zwei-Stunden-Takt.
Warum liegt der Bahnhof so weit vom Zentrum entfernt?
Man wählte 1858 eine Trasse nördlich der Rems, um bebaute Gebiete zu schonen und der Stadt Raum zum Wachsen zu lassen.
Ist der Bahnhof barrierefrei?
Ja, seit der Sanierung 2014 sind alle drei Bahnsteige über die Unterführung und Aufzüge barrierefrei erreichbar.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Der Bahnhof Göppingen – einst Ziel des Klepperle über die Hohenstaufenbahn

→ Ortstermin: Stuttgart Hauptbahnhof – die Landeshauptstadt, etwa 50 Kilometer westlich

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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