Stimmt es, dass es Bahnstrecken nur für Güterzüge gibt?

Stimmt es, dass …?

„Güterzüge in Richtung Lehrte nehmen wie immer die Umgehungsbahn, durch den Hauptbahnhof fahren sie heute nicht.“

Stimmt es, dass es Bahnstrecken nur für Güterzüge gibt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. In vielen deutschen Städten gibt es Güterumgehungsbahnen, die speziell für Güterzüge gebaut wurden, und in den Niederlanden dient die Betuweroute sogar ausschließlich dem Güterverkehr.

Personenzüge und Güterzüge teilen sich in Deutschland meist dieselben Gleise.

An vielen großen Eisenbahnknoten gibt es aber eigene Strecken, auf denen vor allem Güterzüge unterwegs sind.

Dieser Mythos-Check zeigt, wozu solche Güterstrecken dienen, wo es sie gibt und seit wann.

DBAG class 140 Bornum Hannover Germany
Foto: ChristianSchd, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1902

Hamburg

erstes Teilstück der Güterumgehungsbahn

44 km

Hannover

Güterumgehungsbahn von Wunstorf nach Lehrte

160 km

Betuweroute

reine Güterstrecke vom Rotterdamer Hafen Richtung Deutschland

Die Betuweroute in den Niederlanden ging im Jahr 2007 in Betrieb.

Strecken mit einem klaren Zweck

Eine Güterumgehungsbahn ist eine Eisenbahnstrecke, die speziell für die Benutzung durch Güterzüge konzipiert ist.

Sie soll vor allem den Hauptbahnhof einer Stadt umfahren, damit der Personenverkehr nicht beeinträchtigt wird.

Allgemein ermöglicht sie es, die Wege von Personen- und Güterzügen voneinander zu trennen.

Manchmal sollen solche Strecken außerdem starke Steigungen umgehen.

Der Name verrät schon das Prinzip, denn die Strecke führt den Güterverkehr um etwas herum, meist um die Innenstadt.

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Foto: ChristianSchd, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sicherheit und Ruhe für die Stadt

Güterumgehungsbahnen haben auch Vorteile für die Menschen in der Stadt.

Durch die Umfahrung der Innenstadt soll eine Gefährdung durch Unfälle mit Gefahrgut vermieden werden.

Außerdem sollen Anwohner entlang der innerstädtischen Strecken vor Lärm geschützt werden.

Der Güterverkehr wird so an den Stadtrand verlegt, wo häufig auch große Rangierbahnhöfe liegen, etwa Seelze bei Hannover oder München Nord.

Gut zu wissen

Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg wurde der Eisenbahnverkehr um Aachen häufig über Nebenbahnen umgeleitet, die als Güterumgehungsbahnen dienten. Weil dort mehrere Fahrleitungsspannungen aufeinanderstießen, wurden diese Strecken nie komplett elektrifiziert.

Am S-Bahn-Haltepunkt Rübenkamp mündet eine kurze Zweigstrecke von Hamburg-Ohlsdorf in die Hamburger Güterumgehungsbahn. Über sie besteht eine Verbindung zur Hamburger S-Bahn und zur U-Bahn.

Eine Idee aus dem 19. Jahrhundert

Die ersten Wünsche nach Umgehungsbahnen für den damals langsamen und lärmreichen Güterverkehr gehen auf die Zeit um 1880 zurück.

Das erste Teilstück der Güterumgehungsbahn Hamburg ging 1902 in Betrieb.

In Hannover folgte die Güterumgehungsbahn im Jahr 1909.

Wie groß der Druck war, zeigt die Strecke Wunstorf–Lehrte bei Hannover, auf der die Zahl der täglichen Züge zwischen 1880 und 1906 von 68 auf 237 wuchs.

Hamburg umfährt seine Knoten

Die Hamburger Güterumgehungsbahn führt von Eidelstedt über Barmbek nach Rothenburgsort.

Sie verbindet die Fernstrecken der Stadt, ohne über die Verbindungsbahn und die Knoten vor Altona und dem Hauptbahnhof zu führen.

Die Strecke wurde zwar zweigleisig geplant, aber zunächst nur provisorisch eingleisig gebaut.

Bis Ende 2007 wurde der 3,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Betriebsbahnhof Horn und Rothenburgsort zweigleisig ausgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Züge über diese Strecke umgeleitet, wenn Bombenangriffe den Verkehr durch die Innenstadt unterbrachen.

Hannover: 44 Kilometer um die Stadt

Die Güterumgehungsbahn Hannover entlastet den Hauptbahnhof und das Stadtzentrum vom durchgehenden Güterverkehr.

Die 44 Kilometer lange Strecke führt von Wunstorf über Seelze und mehrere Stadtteile im Westen und Süden nach Lehrte.

Unterwegs umschließt sie den Rangierbahnhof Seelze.

Sie entlastet damit sowohl die Ost-West- als auch die Nord-Süd-Verbindungen im Raum Hannover.

Über Verbindungskurven ist sie an die zulaufenden Strecken angebunden, etwa an die Strecken nach Altenbeken und nach Göttingen.

Köln, München und Leipzig

Auch in Köln gibt es eine Güterumgehungsbahn, die durchgehend zweigleisig und elektrifiziert ist und über die Südbrücke führt.

Sie verbindet unter anderem den Güterbahnhof Köln Eifeltor mit den Rangierbahnhöfen Köln-Kalk Nord und Gremberg auf der rechten Rheinseite.

Auf der rechten Rheinseite schließt sie zudem an die Siegstrecke, die rechte Rheinstrecke und die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main an.

In München hat der Nordring vor allem Bedeutung für den Güterverkehr, auch weil dort der Rangierbahnhof München Nord liegt.

Der Leipziger Güterring verbindet als Güterzugumfahrung alle zulaufenden Strecken des Leipziger Eisenbahnknotens miteinander.

Eine lange Liste

Weitere Güterumgehungsbahnen gibt es unter anderem in Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Freiburg, Karlsruhe, Mainz und Münster.

In Nürnberg übernimmt die Ringbahn diese Aufgabe, in Stuttgart die Strecke zwischen Untertürkheim und Kornwestheim.

Auch im Ausland sind solche Strecken verbreitet, etwa in Kopenhagen, Mailand oder mit der North London Line in London.

Überall ist das Ziel ähnlich, denn Güterzüge sollen die engen Knoten der Personenbahnhöfe meiden.

Nicht ganz ohne Personenzüge

Ganz exklusiv sind Güterumgehungsbahnen allerdings nicht.

Bei betrieblichen Schwierigkeiten werden sie auch von Reisezügen befahren.

Es gibt sogar planmäßige Reisezüge, die bestimmte Städte ohne Halt über die Güterumgehungsbahn umfahren, um die Hauptstrecke zu entlasten.

In Deutschland sind das vor allem ICE Sprinter.

Die Betuweroute als reine Güterbahn

Eine Strecke nur für Güterzüge liegt direkt an der deutschen Grenze.

Die Betuweroute in den Niederlanden führt vom Hafen Rotterdam nach Zevenaar und dient ausschließlich dem Güterverkehr.

Die insgesamt 160 Kilometer lange Strecke ging 2007 in Betrieb.

Davon sind 105 Kilometer Neubaustrecke zwischen dem Rangierbahnhof Kijfhoek und Zevenaar, 45 Kilometer sind ausgebaute Strecke westlich von Kijfhoek.

Das Fazit

Der Mythos stimmt: Es gibt Bahnstrecken, die speziell für Güterzüge gebaut wurden.

In Deutschland heißen sie Güterumgehungsbahnen und führen den Güterverkehr um große Knoten wie Hamburg, Hannover oder Köln herum.

Ganz ohne Personenzüge sind sie aber nicht, denn bei Störungen und für manche Sprinterzüge werden sie auch von Reisezügen genutzt.

Eine Strecke ausschließlich für Güterzüge ist dagegen die Betuweroute in den Niederlanden.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Häufige Fragen

Was ist eine Güterumgehungsbahn?
Eine Eisenbahnstrecke, die speziell für Güterzüge konzipiert ist und meist den Hauptbahnhof einer Stadt umfährt.
Wo gibt es solche Strecken?
Unter anderem in Hamburg, Hannover, Köln, Bremen, Karlsruhe und Münster, in München übernimmt der Nordring diese Rolle.
Fahren dort nie Personenzüge?
Doch, bei Störungen und teilweise auch planmäßig, zum Beispiel ICE Sprinter, die bestimmte Städte ohne Halt umfahren.
Seit wann gibt es Güterumgehungsbahnen?
Die ersten Wünsche stammen aus der Zeit um 1880, das erste Teilstück in Hamburg ging 1902 in Betrieb.
Gibt es eine Strecke ausschließlich für Güterzüge?
Ja, die Betuweroute in den Niederlanden dient ausschließlich dem Güterverkehr.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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