Stimmt es, dass …?
„Güterzüge in Richtung Lehrte nehmen wie immer die Umgehungsbahn, durch den Hauptbahnhof fahren sie heute nicht.“
Stimmt es, dass es Bahnstrecken nur für Güterzüge gibt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. In vielen deutschen Städten gibt es Güterumgehungsbahnen, die speziell für Güterzüge gebaut wurden, und in den Niederlanden dient die Betuweroute sogar ausschließlich dem Güterverkehr.
Personenzüge und Güterzüge teilen sich in Deutschland meist dieselben Gleise.
An vielen großen Eisenbahnknoten gibt es aber eigene Strecken, auf denen vor allem Güterzüge unterwegs sind.
Dieser Mythos-Check zeigt, wozu solche Güterstrecken dienen, wo es sie gibt und seit wann.

Die Fakten in Zahlen
1902
Hamburg
erstes Teilstück der Güterumgehungsbahn
44 km
Hannover
Güterumgehungsbahn von Wunstorf nach Lehrte
160 km
Betuweroute
reine Güterstrecke vom Rotterdamer Hafen Richtung Deutschland
Die Betuweroute in den Niederlanden ging im Jahr 2007 in Betrieb.
Strecken mit einem klaren Zweck
Eine Güterumgehungsbahn ist eine Eisenbahnstrecke, die speziell für die Benutzung durch Güterzüge konzipiert ist.
Sie soll vor allem den Hauptbahnhof einer Stadt umfahren, damit der Personenverkehr nicht beeinträchtigt wird.
Allgemein ermöglicht sie es, die Wege von Personen- und Güterzügen voneinander zu trennen.
Manchmal sollen solche Strecken außerdem starke Steigungen umgehen.
Der Name verrät schon das Prinzip, denn die Strecke führt den Güterverkehr um etwas herum, meist um die Innenstadt.

Sicherheit und Ruhe für die Stadt
Güterumgehungsbahnen haben auch Vorteile für die Menschen in der Stadt.
Durch die Umfahrung der Innenstadt soll eine Gefährdung durch Unfälle mit Gefahrgut vermieden werden.
Außerdem sollen Anwohner entlang der innerstädtischen Strecken vor Lärm geschützt werden.
Der Güterverkehr wird so an den Stadtrand verlegt, wo häufig auch große Rangierbahnhöfe liegen, etwa Seelze bei Hannover oder München Nord.
Gut zu wissen
Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg wurde der Eisenbahnverkehr um Aachen häufig über Nebenbahnen umgeleitet, die als Güterumgehungsbahnen dienten. Weil dort mehrere Fahrleitungsspannungen aufeinanderstießen, wurden diese Strecken nie komplett elektrifiziert.
Am S-Bahn-Haltepunkt Rübenkamp mündet eine kurze Zweigstrecke von Hamburg-Ohlsdorf in die Hamburger Güterumgehungsbahn. Über sie besteht eine Verbindung zur Hamburger S-Bahn und zur U-Bahn.
Eine Idee aus dem 19. Jahrhundert
Die ersten Wünsche nach Umgehungsbahnen für den damals langsamen und lärmreichen Güterverkehr gehen auf die Zeit um 1880 zurück.
Das erste Teilstück der Güterumgehungsbahn Hamburg ging 1902 in Betrieb.
In Hannover folgte die Güterumgehungsbahn im Jahr 1909.
Wie groß der Druck war, zeigt die Strecke Wunstorf–Lehrte bei Hannover, auf der die Zahl der täglichen Züge zwischen 1880 und 1906 von 68 auf 237 wuchs.
Hamburg umfährt seine Knoten
Die Hamburger Güterumgehungsbahn führt von Eidelstedt über Barmbek nach Rothenburgsort.
Sie verbindet die Fernstrecken der Stadt, ohne über die Verbindungsbahn und die Knoten vor Altona und dem Hauptbahnhof zu führen.
Die Strecke wurde zwar zweigleisig geplant, aber zunächst nur provisorisch eingleisig gebaut.
Bis Ende 2007 wurde der 3,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Betriebsbahnhof Horn und Rothenburgsort zweigleisig ausgebaut.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Züge über diese Strecke umgeleitet, wenn Bombenangriffe den Verkehr durch die Innenstadt unterbrachen.
Hannover: 44 Kilometer um die Stadt
Die Güterumgehungsbahn Hannover entlastet den Hauptbahnhof und das Stadtzentrum vom durchgehenden Güterverkehr.
Die 44 Kilometer lange Strecke führt von Wunstorf über Seelze und mehrere Stadtteile im Westen und Süden nach Lehrte.
Unterwegs umschließt sie den Rangierbahnhof Seelze.
Sie entlastet damit sowohl die Ost-West- als auch die Nord-Süd-Verbindungen im Raum Hannover.
Über Verbindungskurven ist sie an die zulaufenden Strecken angebunden, etwa an die Strecken nach Altenbeken und nach Göttingen.
Köln, München und Leipzig
Auch in Köln gibt es eine Güterumgehungsbahn, die durchgehend zweigleisig und elektrifiziert ist und über die Südbrücke führt.
Sie verbindet unter anderem den Güterbahnhof Köln Eifeltor mit den Rangierbahnhöfen Köln-Kalk Nord und Gremberg auf der rechten Rheinseite.
Auf der rechten Rheinseite schließt sie zudem an die Siegstrecke, die rechte Rheinstrecke und die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main an.
In München hat der Nordring vor allem Bedeutung für den Güterverkehr, auch weil dort der Rangierbahnhof München Nord liegt.
Der Leipziger Güterring verbindet als Güterzugumfahrung alle zulaufenden Strecken des Leipziger Eisenbahnknotens miteinander.
Eine lange Liste
Weitere Güterumgehungsbahnen gibt es unter anderem in Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Freiburg, Karlsruhe, Mainz und Münster.
In Nürnberg übernimmt die Ringbahn diese Aufgabe, in Stuttgart die Strecke zwischen Untertürkheim und Kornwestheim.
Auch im Ausland sind solche Strecken verbreitet, etwa in Kopenhagen, Mailand oder mit der North London Line in London.
Überall ist das Ziel ähnlich, denn Güterzüge sollen die engen Knoten der Personenbahnhöfe meiden.
Nicht ganz ohne Personenzüge
Ganz exklusiv sind Güterumgehungsbahnen allerdings nicht.
Bei betrieblichen Schwierigkeiten werden sie auch von Reisezügen befahren.
Es gibt sogar planmäßige Reisezüge, die bestimmte Städte ohne Halt über die Güterumgehungsbahn umfahren, um die Hauptstrecke zu entlasten.
In Deutschland sind das vor allem ICE Sprinter.
Die Betuweroute als reine Güterbahn
Eine Strecke nur für Güterzüge liegt direkt an der deutschen Grenze.
Die Betuweroute in den Niederlanden führt vom Hafen Rotterdam nach Zevenaar und dient ausschließlich dem Güterverkehr.
Die insgesamt 160 Kilometer lange Strecke ging 2007 in Betrieb.
Davon sind 105 Kilometer Neubaustrecke zwischen dem Rangierbahnhof Kijfhoek und Zevenaar, 45 Kilometer sind ausgebaute Strecke westlich von Kijfhoek.
Das Fazit
Der Mythos stimmt: Es gibt Bahnstrecken, die speziell für Güterzüge gebaut wurden.
In Deutschland heißen sie Güterumgehungsbahnen und führen den Güterverkehr um große Knoten wie Hamburg, Hannover oder Köln herum.
Ganz ohne Personenzüge sind sie aber nicht, denn bei Störungen und für manche Sprinterzüge werden sie auch von Reisezügen genutzt.
Eine Strecke ausschließlich für Güterzüge ist dagegen die Betuweroute in den Niederlanden.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
