Sollte zwischen Bielefeld und Hannover eine Neubaustrecke gebaut werden?

Standpunkt

„Siebzehn Minuten Zeitgewinn klingen wenig, im Deutschlandtakt entscheiden sie über ganze Anschlüsse.“

Sollte zwischen Bielefeld und Hannover eine Neubaustrecke gebaut werden?

→ Ein Standpunkt zum Deutschlandtakt.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber nicht um jeden Preis. Der Deutschlandtakt braucht schnellere Verbindungen, doch Trasse und Tempo müssen die Region mitnehmen.

Zwischen Bielefeld und Hannover fahren täglich viele ICE auf einer Strecke, die an ihre Grenzen stößt.

Für den Deutschlandtakt soll deshalb eine neue, schnellere Trasse entstehen.

In Ostwestfalen und im Schaumburger Land sorgt das Projekt für heftige Diskussionen.

Bahnhof Seelze
Foto: Den man tau, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Worum es geht

Die geplante Neubaustrecke soll Bielefeld mit Hannover beziehungsweise Seelze verbinden.

Sie gehört zu einem größeren Ausbauvorhaben zwischen Hamm und Hannover.

Entlastet werden sollen die bestehenden Strecken Hannover–Minden und Hamm–Minden.

Auf ihnen fahren Fernzüge, Regionalzüge und viele Güterzüge.

Gleisanlagen westlich des Bahnhofs, 1, Seelze, Region Hannover
Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Von 48 auf 31 Minuten

Der erste Gutachterentwurf zum Deutschlandtakt vom Oktober 2018 sieht eine deutliche Beschleunigung vor.

Die Fahrzeit zwischen den Hauptbahnhöfen Bielefeld und Hannover soll von 48 auf 31 Minuten sinken.

Beide Städte liegen 91 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Nur mit dieser Fahrzeit passen die Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen zusammen.

Erst 230, dann 300 km/h

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 war zunächst ein Aus- oder Neubau für 230 km/h vorgesehen.

Im März 2019 kündigte der Bund dann rund 1,9 Milliarden Euro für eine Neubaustrecke an.

Im selben Jahr sollte die Planung für eine Variante mit 300 km/h beginnen.

Damit wurde aus einem Ausbau ein großes Neubauprojekt.

Planung per Gesetz

Das Projekt gehörte zu den Vorhaben des sogenannten Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetzes von 2020.

Damit wäre es möglich gewesen, die Strecke per Bundesgesetz statt per behördlicher Planfeststellung zu genehmigen.

Befürworter erhofften sich davon mehr Tempo.

Kritiker sahen darin eine Einschränkung der Rechte von Betroffenen.

Zwölf Trassenvarianten

Seit Januar 2021 gab es mehrere Bürgerdialoge, zunächst als Video-Livestream.

Am 13. August 2024 stellte die Bahn zwölf Trassenvarianten vor.

Offen war damals unter anderem, ob die neue Strecke schon zwischen Bielefeld und Herford aus der alten ausfädelt.

Jede Variante trifft andere Orte und Landschaften.

Widerstand in der Region

In Ostwestfalen und im Schaumburger Land gibt es viel Widerstand gegen eine Neubautrasse.

Viele Menschen fürchten Lärm, zerschnittene Landschaften und den Verlust von Ackerland.

Bürgerinitiativen fordern stattdessen einen Ausbau der bestehenden Strecke.

Sie bezweifeln, dass 300 km/h auf diesem kurzen Abschnitt wirklich nötig sind.

Die Logik des Takts

Der Deutschlandtakt plant Fahrzeiten so, dass Züge in den großen Knoten kurz vor der vollen oder halben Stunde ankommen.

Dann können Reisende ohne lange Wartezeiten umsteigen.

Stimmt eine Kantenfahrzeit nicht, verpassen viele Fahrgäste ihre Anschlüsse.

Deshalb zählt auf manchen Abschnitten jede Minute.

Güterverkehr braucht Platz

Auf der Strecke über Minden fahren viele Güterzüge von und zu den Nordseehäfen.

Schnelle ICE und langsame Güterzüge behindern sich gegenseitig.

Eine eigene schnelle Strecke würde auf den alten Gleisen Platz schaffen.

Davon könnten auch Regionalzüge profitieren.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Pro und Contra

Dafür

+  Der Deutschlandtakt braucht auf diesem Abschnitt kürzere Fahrzeiten.

+  Die bestehenden Strecken sind durch Fern-, Regional- und Güterverkehr stark belastet.

+  Eine Neubaustrecke schafft auf den alten Gleisen Platz für Güter- und Regionalzüge.

+  Die Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Berlin würde deutlich schneller.

+  Schnellere Züge machen die Bahn gegenüber Auto und Flugzeug attraktiver.

+  Der Bund hat bereits Geld für das Projekt in Aussicht gestellt.

Dagegen

−  Eine neue Trasse zerschneidet Landschaften und Ackerland.

−  Anwohner fürchten zusätzlichen Lärm.

−  Ein Ausbau der vorhandenen Strecke könnte schneller umsetzbar sein.

−  Ob 300 km/h auf rund 100 Kilometern wirklich nötig sind, ist umstritten.

−  Die Kosten dürften weit über den ursprünglich genannten 1,9 Milliarden Euro liegen.

−  Planung per Gesetz könnte Rechte von Betroffenen beschneiden.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Unterm Strich

Das Ziel ist richtig: Der Deutschlandtakt funktioniert nur mit verlässlichen, schnellen Verbindungen zwischen den Knoten.

Zwischen Bielefeld und Hannover fehlt diese Verbindung bisher.

Eine Neubaustrecke ist deshalb sinnvoll, wenn die Trasse sorgfältig mit der Region abgestimmt wird.

Die Frage nach dem Tempo sollte sich am Takt orientieren, nicht am Rekord.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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