Standpunkt
„Mitten im Wasser steht eine Brücke, die seit 1945 nirgendwohin mehr führt.“
Sollte Usedom wieder eine direkte Bahn über die Karniner Brücke bekommen?
→ Ein Standpunkt zur Ostseeküste.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Ja, auf lange Sicht. Die Insel erstickt im Sommer im Stau, und der kürzeste Schienenweg aus Berlin liegt seit 1945 in Trümmern.
Usedom ist eine der beliebtesten Urlaubsinseln Deutschlands.
Wer mit dem Zug anreist, muss heute einen Umweg über Wolgast nehmen.
Dabei gab es einmal eine direkte Strecke, deren Reste noch mitten im Wasser stehen.

Eine Bahn für die Badegäste
Der wachsende Badetourismus aus dem nahen Berlin führte im 19. Jahrhundert zum Bau einer Bahn nach Usedom.
Die Strecke zweigte bei Ducherow von der Bahn Berlin–Stralsund ab und führte über Karnin auf die Insel.
Im Jahr 1875 ging sie zusammen mit einer ersten Brücke in Betrieb.
Seit 1908 war die Strecke zweigleisig ausgebaut.

Die Hubbrücke von 1933
Weil der Verkehr zunahm, entstand 1932 und 1933 eine neue, zweigleisige Brücke.
Ihr Mittelteil war eine Hubbrücke, die für Schiffe angehoben werden konnte.
Dabei nutzte man das gleiche Prinzip mit Gegengewichten wie beim Schiffshebewerk Niederfinow.
Die ganze Brücke war etwa 360 Meter lang, der Hubteil rund 52 Meter.
Zerstört im Jahr 1945
Im Jahr 1945 sprengte die Wehrmacht die Überbauten neben dem Hubteil, um die sowjetischen Truppen aufzuhalten.
Seitdem ist die direkte Bahnverbindung zwischen dem Festland und Usedom unterbrochen.
Der Hubteil steht bis heute unverändert als Fragment mitten im Wasser.
Er ist ein technisches Denkmal und ein Symbol für die verlorene Verbindung.
Der Umweg über Wolgast
Heute erreichen Züge die Insel über Wolgast im Norden.
Von dort fährt die Usedomer Bäderbahn über die Insel bis Swinemünde in Polen.
Aus Berlin bedeutet das einen deutlichen Umweg.
Viele Urlauber nehmen deshalb lieber gleich das Auto.
Staus auf der Insel
Die Verkehrssituation auf Usedom gilt als problematisch.
Vor allem im Sommer gibt es häufig lange Staus auf den Zufahrten und auf der Insel selbst.
Schnelle Alternativen mit Bahn, Bus, Fähre oder Flugzeug fehlen.
Eine direkte Bahn könnte einen Teil des Autoverkehrs aufnehmen.
Eine Strecke über zwei Länder
Die alte Strecke führte über Swinemünde, das heute zu Polen gehört.
Ein Wiederaufbau wäre deshalb auch ein Projekt der Zusammenarbeit über die Grenze hinweg.
Auf der Insel gibt es mit der Bäderbahn bereits einen grenzüberschreitenden Zugverkehr.
Diese Erfahrung könnte beim Wiederaufbau helfen.
Kosten und Naturschutz
Eine neue Brücke über das Gewässer zwischen Stettiner Haff und Peenestrom wäre teuer.
Außerdem liegt die Gegend in einer empfindlichen Küstenlandschaft.
Auch die Strecke auf dem Festland müsste in Teilen neu aufgebaut werden.
Befürworter und Gegner streiten deshalb seit Jahren über den Nutzen.
Ein Denkmal als Mahnung
Die Hubbrücke im Wasser erinnert jeden Tag an das, was einmal möglich war.
Für viele Menschen in der Region ist sie ein Zeichen dafür, dass die Insel abgehängt wurde.
Andere sehen in ihr ein Denkmal, das man so erhalten sollte, wie es ist.
Beides lässt sich vielleicht verbinden, wenn eine neue Brücke daneben entsteht.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Pro und Contra
Dafür
+ Der Weg von Berlin nach Usedom würde deutlich kürzer.
+ Weniger Urlauber müssten mit dem Auto auf die überfüllte Insel fahren.
+ Die Staus auf Usedom könnten spürbar abnehmen.
+ Die Region im Hinterland der Insel bekäme eine bessere Anbindung.
+ Die Verbindung mit Polen über Swinemünde würde gestärkt.
+ Eine historische Bahnverbindung würde wiederhergestellt.
Dagegen
− Eine neue Brücke und neue Gleise wären sehr teuer.
− Die Küstenlandschaft ist ökologisch empfindlich.
− Der Nutzen hängt stark vom saisonalen Urlaubsverkehr ab.
− Der Umweg über Wolgast funktioniert bereits.
− Das Geld könnte in Projekte mit mehr täglichen Fahrgästen fließen.
− Die Planung über zwei Länder hinweg wäre kompliziert und langwierig.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Unterm Strich
Usedom zeigt, was passiert, wenn eine Urlaubsregion nur mit dem Auto gut erreichbar ist.
Die direkte Bahn über Karnin war die kurze Lösung, und sie fehlt seit 1945.
Ein Wiederaufbau wäre teuer, aber er würde eine Insel entlasten, die jeden Sommer im Stau steht.
Deshalb sollte das Projekt ernsthaft geplant werden, gemeinsam mit Polen.
Weiterfahrt
