Sollte die Strecke von Oldenburg nach Osnabrück elektrifiziert werden?

Standpunkt

„Der RE 18 nach Osnabrück wartet auf den Gegenzug, auf dieser eingleisigen Strecke ist Geduld gefragt.“

Sollte die Strecke von Oldenburg nach Osnabrück elektrifiziert werden?

→ Ein Standpunkt zum Ausbau und zur Elektrifizierung der Oldenburger Südbahn.

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Worum es geht

Ja. Die Strecke verbindet drei Oberzentren, ist gut genutzt und wird bis heute fast nur eingleisig und mit Diesel befahren. Die Festlegung des Landes auf eine Oberleitung bis 2034 ist richtig, jetzt muss auch der Bund die Finanzierung sichern.

Die Bahnstrecke von Oldenburg nach Osnabrück, auch Oldenburger Südbahn genannt, ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Westen Niedersachsens.

Sie ist größtenteils eingleisig und nicht elektrifiziert.

Im Juli 2023 legte sich das Land Niedersachsen darauf fest, die Strecke bis 2034 vollständig mit Oberleitung auszurüsten.

Ob das der richtige Weg ist, zeigt ein Blick auf Geschichte, Verkehr und Pläne.

Cloppenburg Bahnhof 2
Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Bahn aus dem Großherzogtum

Die Strecke wurde von 1870 bis 1876 von der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn gebaut.

Der erste Abschnitt von Oldenburg nach Quakenbrück wurde am 15. Oktober 1875 eröffnet.

Das Stück über Halen nach Osnabrück-Eversburg führte über preußisches Gebiet und wurde am 30. Juni 1876 fertig.

Bis etwa Mitte der 1990er Jahre gab es ein bescheidenes Fernverkehrsangebot, darunter ein Schnellzug von Köln nach Wilhelmshaven.

Cloppenburg Bahnhof 1
Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Schneller, aber weiter eingleisig

Schon Mitte der 1990er Jahre wurde eine Elektrifizierung erwogen, doch die Deutsche Bahn lehnte das Vorhaben im Frühjahr 1994 ab.

Bis zum Jahr 2000 wurde die Strecke stattdessen für 120 km/h ausgebaut, schwach genutzte Stationen wurden aufgegeben.

Die Fahrzeit zwischen Oldenburg und Osnabrück sank dadurch um 22 Minuten auf 87 Minuten.

Zweigleisig sind bis heute nur drei kurze Abschnitte, darunter das Stück zwischen Bramsche und Achmer.

Ein Erfolg im Nahverkehr

Seit dem 5. November 2000 betreibt die NordWestBahn den Nahverkehr auf der Strecke.

Zwischen 2000 und 2008 hat sich die Nachfrage verdoppelt.

Im Jahr 2009 nutzten im Schnitt jeden Tag 11.800 Menschen die Züge zwischen Osnabrück und Wilhelmshaven.

Die Linie fährt als Regional-Express RE 18 stündlich mit Dieseltriebwagen und verbindet die drei Oberzentren Osnabrück, Oldenburg und Wilhelmshaven.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 73 km/h.

Güterzüge und ein verpasster Hafenanschluss

Im Güterverkehr fahren unter anderem Kesselwagen mit flüssigem Schwefel aus einer Erdgasaufbereitungsanlage in Großenkneten.

Dazu kommen Züge zu einem Tanklager in Hesepe, Sand- und Kieszüge und Lieferungen für ein Futtermittelwerk.

Mit dem Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven wurde ein Ausbau für mehr Güterverkehr diskutiert.

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 wurden jedoch im Herbst 2016 alle drei eingereichten Ausbauvarianten abgelehnt.

Der Plan für den Halbstundentakt

Im August 2019 gab die Landesnahverkehrsgesellschaft ein Gutachten zum Ausbau der Strecke in Auftrag.

Ziel ist ein Halbstundentakt des RE 18 zwischen Oldenburg und Osnabrück und mehr Pünktlichkeit.

Dafür sollen die Abschnitte Sandkrug–Huntlosen, Mittellandkanal–Halen und Höltinghausen–Cloppenburg auf zusammen rund 18 Kilometern zweigleisig werden.

Neue Betriebsbahnhöfe in Hemmelte und Badbergen sollen bei Störungen zusätzliche Zugkreuzungen ermöglichen.

Die seit 2000 nicht mehr bediente Station Alfhausen soll wieder in Betrieb gehen.

Die Entscheidung für die Oberleitung

Im Jahr 2022 wurden die Kosten für den Ausbau ohne Elektrifizierung auf rund 160 Millionen Euro geschätzt.

Im Juli 2023 kündigte das niedersächsische Verkehrsministerium an, die Strecke bis 2034 vollständig mit Oberleitung zu elektrifizieren.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft hatte diese Lösung als besonders wirtschaftlich empfohlen.

Elektrische Züge beschleunigen schneller und sollen die Fahrzeit zwischen Oldenburg und Osnabrück verkürzen.

Für alle heutigen Halte des RE 18 ist ein Halbstundentakt vorgesehen.

Der Stand beim Bund

Am 20. Oktober 2023 beschloss der Bundestag, den Ausbau der Strecke in den potenziellen Bedarf des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege aufzunehmen.

Das ist ein wichtiger Schritt, aber noch keine gesicherte Finanzierung.

Auch die Nachbarlinie RB 58 von Delmenhorst nach Hesepe würde vom Ausbau profitieren, dort sollen Akkuzüge fahren.

Die Bundeswehr baut ihre Umschlagstation in Hesepe so um, dass sie mit dem Streckenausbau zusammenpasst.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Pro und Contra

Dafür

+  Die Strecke verbindet Osnabrück, Oldenburg und Wilhelmshaven und hat eine hohe Nachfrage.

+  Ein Halbstundentakt ist ohne zusätzliche zweigleisige Abschnitte nicht möglich.

+  Elektrische Züge beschleunigen schneller und verkürzen die Fahrzeit.

+  Die Landesnahverkehrsgesellschaft hält die Oberleitung für besonders wirtschaftlich.

+  Auch Güterzüge und die Nachbarlinie nach Delmenhorst profitieren vom Ausbau.

+  Mit Alfhausen bekäme eine weitere Gemeinde wieder einen Halt.

Dagegen

−  Die Finanzierung durch den Bund ist nach dem Stand von 2023 nur als potenzieller Bedarf vorgemerkt.

−  Schon der Ausbau ohne Oberleitung wurde 2022 auf rund 160 Millionen Euro geschätzt.

−  Bis 2034 fahren weiter Dieselzüge, und Verzögerungen sind bei solchen Projekten häufig.

−  Akkuzüge könnten eine schnellere Übergangslösung sein, wie sie auf der Nachbarstrecke geplant sind.

−  Bauarbeiten auf einer eingleisigen Strecke führen zu Sperrungen und Ersatzverkehr.

−  Frühere Ausbaupläne sind schon mehrfach gescheitert, zuletzt im Bundesverkehrswegeplan 2030.

Unterm Strich

Die Oldenburger Südbahn ist ein Erfolg im Nahverkehr, doch ihre Infrastruktur stammt im Kern aus einer anderen Zeit.

Zweite Gleise und eine Oberleitung machen den Halbstundentakt erst möglich.

Das Land hat sich festgelegt, jetzt muss der Bund aus dem potenziellen einen festen Bedarf machen.

Dann könnte der RE 18 ab 2034 elektrisch und doppelt so oft zwischen Oldenburg und Osnabrück fahren.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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