Stimmt es, dass Güterzüge Container doppelt übereinander stapeln?

Stimmt es, dass …?

„Auf Gleis 6 fährt ein Containerzug durch, wie immer mit nur einer Lage Container unter der Oberleitung.“

Stimmt es, dass Güterzüge Container doppelt übereinander stapeln?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt nur teilweise. In Nordamerika übernehmen Doppelstock-Containerzüge rund 70 Prozent des intermodalen Güterverkehrs, in Deutschland und fast ganz Europa verhindern aber die Höhe der Oberleitung und das Lichtraumprofil solche Züge.

Bilder aus Amerika zeigen lange Güterzüge, auf denen die Container in zwei Lagen übereinander stehen.

Da liegt die Frage nahe, warum die Containerzüge in Deutschland meist nur eine einzige Lage tragen.

Dieser Mythos-Check erklärt, wo gestapelt wird, warum es hierzulande nicht geht und welche Rolle der Fahrdraht dabei spielt.

Double Stacks In Claremore, OK
Foto: Doug Wertman, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

70 %

Nordamerika

Anteil der Doppelstockzüge am intermodalen Güterverkehr

5,5 m

Regelhöhe

des Fahrdrahts bei DB Netz

6,5 m

mindestens

Fahrdrahthöhe für effizienten Doppelstockverkehr

Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken hängt der Fahrdraht in Deutschland mit 5,3 Metern sogar noch etwas tiefer.

Die Idee aus Kalifornien

Container in zwei Lagen auf Güterzügen zu transportieren, geht auf Überlegungen bei der Southern Pacific Railroad im Jahr 1977 zurück, gemeinsam mit Malcom McLean.

Noch im selben Jahr gab die Bahngesellschaft bei ACF Industries den Bau spezieller Güterwagen in Auftrag.

Zunächst wurden diese Wagen nur eingeschränkt eingesetzt.

Durch setzte sich die Technik ab 1984, als das Unternehmen American President Lines sie übernahm.

Der erste Zug nur mit solchen Wagen fuhr von Los Angeles nach South Kearny in New Jersey und bediente die Strecke danach regelmäßig.

Containerzug der Mitteldeutschen Eisenbahn MEG
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wagen mit tiefer Wanne

Für die Doppelstockbeladung gibt es eigene Doppelstock-Containertragwagen, im Englischen auch well car genannt.

Bei ihnen ist die Ladefläche zwischen den Drehgestellen tief gelegt.

Der untere Container steht in dieser Wanne, der obere liegt darauf.

Die Wagen sind eine Form von Taschenwagen, die ähnlich wie Flachwagen vor allem Container tragen.

Gut zu wissen

CSX Transportation unterscheidet drei Kategorien für Doppelstockzüge mit Höhen von 5,54, 5,84 und 6,15 Metern über Schienenoberkante. Schon die niedrigste Stufe liegt damit über der Regelhöhe des deutschen Fahrdrahts.

In China wurden anfangs auf einen normalen Container niedrigere Container gestapelt, damit die Züge unter der Oberleitung fahren konnten. Nach dem Anheben der Oberleitung lassen sich dort zwei normale ISO-Container übereinander transportieren, aber nicht zwei besonders hohe High-Cube-Container.

Siebzig Prozent in Nordamerika

Doppelstock-Containerzüge sind vor allem in Kanada und in den Vereinigten Staaten zu finden.

Dort übernehmen sie inzwischen 70 Prozent des intermodalen Güterverkehrs, vor allem von und zu den Seehäfen.

Sie profitieren davon, dass die meisten Strecken in Nordamerika nicht elektrifiziert sind.

Die Bahngesellschaft CSX Transportation nennt für Doppelstockzüge Höhen von 5,54 bis 6,15 Metern über Schienenoberkante.

In den USA werden weitere Strecken, teils mit staatlicher Unterstützung, für solche Züge umgebaut.

Das Problem mit dem Fahrdraht

In Europa erlaubt das niedrigere Lichtraumprofil keine derartigen Containerzüge.

Die nominelle Höhe des Fahrdrahts liegt hier bei 5,00 bis 5,75 Metern.

Die Regelhöhe bei DB Netz beträgt 5,5 Meter, auf Hochgeschwindigkeitsstrecken sogar nur 5,3 Meter.

Nach Erfahrungen aus China und Australien sollte der Fahrdraht für einen effizienten Doppelstocktransport aber mindestens 6,5 Meter über der Schiene hängen.

Früher hing der Draht höher

Historisch ist die Fahrdrahthöhe in Deutschland sogar gesunken.

Im Jahr 1932 betrug sie noch 6,25 Meter, ab 1950 dann 6 Meter und ab 1960 5,75 Meter.

Weil die Elektrifizierung in Europa weit vor den ersten Doppelstockzügen lag, hängt der Draht auf den meisten Strecken heute zu niedrig.

Auch der Raum, den Brücken, Tunnel und Masten über dem Gleis freilassen, ist hierzulande nicht für solche Höhen ausgelegt.

Das Maß für Europa

Für den Containerverkehr auf der Schiene wurden in Europa eigene Begrenzungslinien namens GA, GB und GC festgelegt.

Der deutsche Regellichtraum basiert auf der Begrenzungslinie G2.

Bei Neubaustrecken und umfassenden Umbauten ist in Deutschland das größere Profil GC vorzusehen.

Für zwei Lagen normaler Container reicht aber auch dieses Profil nicht aus.

Nach den europäischen Vorgaben müssen Stromabnehmer auf Strecken mit dem Profil GC zwischen 4,8 und 6,5 Metern Höhe funktionieren.

Neubauten ohne Reserve

Die Betuweroute in den Niederlanden ist für eine spätere Doppelstockbeladung vorbereitet.

Viele andere neue Strecken sind es dagegen nicht, etwa das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 oder der Gotthard-Basistunnel.

Dadurch wird die Entwicklung von Doppelstock-Containerzügen in Europa auch langfristig ausgebremst.

Containerzüge fahren hier deshalb auf Tragwagen mit nur einer Lage.

Wo sonst gestapelt wird

Außerhalb Nordamerikas fahren Doppelstock-Containerzüge unter anderem in Australien, wo der Lichtraum 6,5 Meter hoch ist.

In China fahren sie sogar unter einer Oberleitung mit 25 Kilovolt.

Im Jahr 2010 waren dort nach chinesischen Angaben 8000 Kilometer Strecke für den Doppelstocktransport geeignet.

Auch zwischen Mombasa und Nairobi in Kenia verkehren solche Züge mit Diesellokomotiven, auf einer 490 Kilometer langen Strecke, die im Oktober 2018 eröffnet wurde.

Indien und die Zwergcontainer

In Indien werden einige Güterstrecken mit einem Fahrdraht in 7,45 Metern Höhe elektrifiziert.

Versuche dort haben gezeigt, dass Doppelstocktransport auch unter Oberleitung mit elektrischer Traktion möglich ist.

Zusätzlich baut Indien sogenannte Zwergcontainer, die mit 1930 Millimetern deutlich niedriger sind als normale Container.

Sie sind für den Inlandstransport gedacht und können auch auf herkömmlich elektrifizierten Strecken eingesetzt werden.

Das Fazit

Der Mythos stimmt nur teilweise: Doppelt gestapelte Container gibt es auf Güterzügen, vor allem in Nordamerika und einigen anderen Regionen der Welt.

In Deutschland verhindern die Höhe der Oberleitung und das Lichtraumprofil solche Züge.

Containerzüge tragen hierzulande deshalb in der Regel nur eine Lage.

Unter den neuen europäischen Strecken ist die Möglichkeit für zwei Lagen bisher nur selten vorbereitet, etwa bei der Betuweroute.

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Häufige Fragen

Werden Container auf Güterzügen gestapelt?
In Nordamerika und einigen anderen Ländern ja, in Deutschland und fast ganz Europa dagegen nicht.
Warum geht das in Deutschland nicht?
Weil Oberleitung und Lichtraumprofil zu niedrig sind, der Fahrdraht hängt in der Regel in 5,5 Metern Höhe.
Wie hoch müsste der Fahrdraht sein?
Nach Erfahrungen aus China und Australien mindestens 6,5 Meter über der Schienenoberkante.
Seit wann gibt es Doppelstock-Containerzüge?
Die Idee stammt von 1977, ab 1984 fuhr in den USA der erste Zug nur mit solchen Wagen regelmäßig.
Gibt es in Europa eine vorbereitete Strecke?
Ja, die Betuweroute in den Niederlanden ist für den Doppelstockverkehr vorbereitet.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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