Standpunkt
„Die S-Bahn steht in Homburg rund 50 Minuten herum, ab Ende 2028 soll sie diese Zeit für die Fahrt nach Zweibrücken nutzen.“
Sollte die Strecke von Homburg nach Zweibrücken reaktiviert werden?
→ Ein Standpunkt zur Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken für die S-Bahn Rhein-Neckar.
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Worum es geht
Ja. Die Strecke ist kurz, die S-Bahn-Züge stehen in Homburg ohnehin lange, und der Nutzen ist nachgewiesen. Die stark gestiegenen Kosten sind ärgerlich, doch eine Verbindung zwischen zwei Städten und zwei Ländern ist das wert.
Homburg im Saarland und Zweibrücken in Rheinland-Pfalz waren einst durch eine 11,2 Kilometer lange Bahnstrecke direkt verbunden.
Seit 1991 fährt zwischen Homburg und Einöd kein Zug mehr, 1996 wurde der Abschnitt stillgelegt.
Im Juli 2020 wurde beschlossen, die Strecke zu reaktivieren und in das Netz der S-Bahn Rhein-Neckar einzugliedern.
Nach dem Stand von 2026 soll die erste S-Bahn Ende 2028 nach Zweibrücken fahren.

Eine der ältesten Strecken der Pfalz
Die Strecke wurde 1857 von der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft gebaut.
Sie gehörte zu den ältesten Bahnstrecken der damaligen Rheinpfalz.
Zweibrücken hatte sich zuvor vergeblich um einen Anschluss an die Hauptstrecke der Ludwigsbahn bemüht.
Ab 1875 diente die Strecke zusammen mit der Bahn nach Landau auch dem Abtransport von Kohle aus dem Saargebiet.
Im Jahr 1914 fuhren 16 Züge von Homburg nach Zweibrücken, eine Fahrt dauerte 20 Minuten.

Eine Grenze mitten durch die Strecke
Nach dem Ersten Weltkrieg lagen bis auf Zweibrücken alle Orte an der Strecke im Saargebiet.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten sie zum Saarland, während Zweibrücken pfälzisch blieb.
Erst mit der wirtschaftlichen Rückgliederung des Saarlands entfielen am 6. Juli 1957 die Zollkontrollen.
Die Strecke verlor durch diese Teilung stark an Bedeutung.
Der Niedergang
In den 1970er Jahren fuhren die meisten Züge zwischen Homburg und Zweibrücken ohne Zwischenhalt.
Im Jahr 1988 war nur noch ein einziger Zug von Homburg nach Zweibrücken übrig.
Am 26. Mai 1989 endete der Personenverkehr zwischen Schwarzenacker und Einöd, am 31. Mai 1991 auch zwischen Homburg und Schwarzenacker.
Die Verbindungskurve bei Einöd wurde teilweise abgebaut, 1996 folgte die Stilllegung zwischen Homburg und Einöd.
Der Abschnitt von Einöd nach Zweibrücken ist als Teil einer anderen Strecke bis heute in Betrieb.
Die Idee mit der S-Bahn
Rheinland-Pfalz und die Stadt Zweibrücken möchten die Linie S1 der S-Bahn Rhein-Neckar über Homburg hinaus bis Zweibrücken verlängern.
Fast alle S-Bahnen haben in Homburg eine Wendezeit von rund 50 Minuten.
Deshalb wäre ein Stundentakt nach Zweibrücken ohne zusätzliche Fahrzeuge möglich.
Die früheren Haltepunkte Homburg-Beeden und Schwarzenacker sollen wieder in Betrieb gehen.
Die Strecke wird dafür ausgebaut und elektrifiziert.
Auch die Wirtschaftsverbände begrüßen die Reaktivierung.
Studien und Beschlüsse
Im Jahr 2010 gaben das Saarland und Rheinland-Pfalz eine Vorentwurfsplanung in Auftrag, die 2013 vorgestellt wurde.
Sie nannte Kosten zwischen 21,7 und 25,7 Millionen Euro.
Eine Kosten-Nutzen-Untersuchung ergab im März 2015 einen positiven Faktor von 1,24.
Im Dezember 2016 vereinbarten beide Länder die Entwurfsplanung, Anfang 2017 folgten Grundsatzbeschlüsse beider Landesregierungen.
Im Juli 2020 billigte das Bundesverkehrsministerium die Entwurfsplanung und stellte eine Förderung von bis zu 90 Prozent in Aussicht.
Genehmigt und begonnen
Im Frühjahr 2021 konnten Bürgerinnen und Bürger die Pläne einsehen, rund 135 Anregungen gingen ein.
Am 22. August 2022 erging der Planfeststellungsbeschluss für die Maßnahmen in Rheinland-Pfalz.
Auf saarländischer Seite wurde das Verfahren im Oktober 2023 abgeschlossen.
Im März 2025 begannen bauvorbereitende Arbeiten, der erste Spatenstich folgte am 11. Oktober 2025.
Die Gleise sollen vor allem 2027 gebaut werden, die Oberleitung 2028, die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.
Teurer als gedacht
Im Jahr 2017 stiegen die geschätzten Kosten von 25,5 auf 31 Millionen Euro.
Im Juni 2023 wurden sie wegen vieler Anpassungen und Verbesserungen mit 77,5 Millionen Euro beziffert.
Damit haben sich die Kosten gegenüber der ersten Planung etwa verdreifacht.
Die in Aussicht gestellte Förderung des Bundes von bis zu 90 Prozent dämpft die Belastung für die beiden Länder.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Pro und Contra
Dafür
+ Die S-Bahn verbindet Zweibrücken künftig direkt mit Homburg und dem Netz der S-Bahn Rhein-Neckar.
+ Die Züge stehen in Homburg ohnehin lange, die Verlängerung nutzt vorhandene Fahrzeuge besser.
+ Der Nutzen wurde mit einem Faktor von 1,24 nachgewiesen.
+ Die alte Strecke ist noch vorhanden, es muss keine neue Trasse durch die Landschaft gebaut werden.
+ Zwei Städte in zwei Bundesländern rücken wieder enger zusammen.
+ Der Bau hat begonnen, ein Stopp würde bereits investiertes Geld verschwenden.
Dagegen
− Die Kosten haben sich seit der ersten Planung etwa verdreifacht.
− Die Planung zog sich über mehr als ein Jahrzehnt, eine Inbetriebnahme galt einmal schon für 2025 als möglich.
− In den 1980er Jahren fuhren auf der Strecke kaum noch Züge.
− Die Bauarbeiten bringen Einschränkungen für Anwohner und für den Verkehr auf der bestehenden Strecke.
− Für die Feinerschließung bleibt trotzdem eine Buslinie nötig.
− Ob die S-Bahn in Zweibrücken genug Fahrgäste gewinnt, muss sich erst noch zeigen.
Unterm Strich
Die Reaktivierung zwischen Homburg und Zweibrücken ist ein kleines Projekt mit großer Wirkung für die Region.
Die S-Bahn nutzt ihre langen Wendezeiten künftig sinnvoll für eine neue Verbindung.
Die Kostensteigerung ist ärgerlich, der Nutzen ist aber nachgewiesen und der Bau läuft.
Ende 2028 heißt es dann hoffentlich: Nächster Halt Zweibrücken.
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