Ortstermin
„Nächster Halt Bad Segeberg, Ausstieg für die Karl-May-Spiele am Kalkberg, dieser Zug fährt weiter nach Bad Oldesloe.“
Der Bahnhof Bad Segeberg, wo einst drei Bahnen in die Kreisstadt kamen
→ Ein Ortstermin im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein.
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Kurz gesagt
Seit 1875 hat Bad Segeberg einen Bahnhof an der Strecke Neumünster–Bad Oldesloe, und bis in die 1960er-Jahre kamen zusätzlich Kleinbahnen aus Kiel und Lübeck in die Stadt. Zwischen 1984 und 2002 fuhren keine Personenzüge nach Neumünster, und seit der Rückkehr des Verkehrs liegt der Bahnhof einige hundert Meter weiter nördlich.
Bad Segeberg ist die Kreisstadt des Kreises Segeberg und liegt am Südwestufer des Großen Segeberger Sees, nicht weit von der Trave.
Bis 1910 hieß die Stadt schlicht Segeberg, und mitten in ihr ragt ein Felsen aus Gips auf, der trotzdem Kalkberg genannt wird.
Ihr Bahnhof liegt an der Strecke zwischen Neumünster und Bad Oldesloe, auf der heute Akkuzüge fahren und die in den kommenden Jahren ausgebaut werden soll.

Seit 1875 an der Strecke nach Neumünster
Seit Dezember 1875 hat Segeberg einen Bahnhof an der Strecke von Neumünster nach Bad Oldesloe, die damals die Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete.
Die rund 45 Kilometer lange Strecke ist bis heute eingleisig und nicht elektrifiziert, doch sie hatte früh eine strategische Bedeutung, weil sich Züge zwischen Neumünster und Hamburg über Bad Segeberg führen ließen.
Zusammen mit der Kaiserbahn über Ratzeburg nach Hagenow bildete sie die kürzeste Schienenverbindung zwischen Berlin und Kiel, die Kaiser Wilhelm II. gern für seine Fahrten zum Marinestützpunkt nutzte.
Heute fahren hier die Züge der Linie RB 82, die früher als R 11 bezeichnet wurde und Bad Oldesloe mit Neumünster verbindet.

Drei Bahnen, drei Bahnhöfe
Am 2. Dezember 1911 eröffnete die Kleinbahn Kiel–Segeberg ihre gut 50 Kilometer lange, eingleisige und normalspurige Strecke von der Hafenstadt Kiel nach Segeberg.
Ihr eigener Kieler Kleinbahnhof lag nördlich des Staatsbahnhofs und war von 1911 bis 1961 in Betrieb.
Aus Lübeck kam die Lübeck-Segeberger Eisenbahn, deren etwa 29 Kilometer lange Strecke 1916 in drei Abschnitten eröffnet wurde und am 6. Dezember 1916 in voller Länge fertig war.
Ihr Lübecker Kleinbahnhof lag südlich des alten Segeberger Bahnhofs und wurde bis 1964 genutzt, und auf Teilen der alten Trasse verlaufen heute eine Straße sowie ein Fuß- und Radweg.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Bad Segeberg liegt an der eingleisigen Strecke Neumünster–Bad Oldesloe, die im Dezember 1875 eröffnet wurde. Zwischen dem 29. September 1984 und dem 15. Dezember 2002 fuhren keine Personenzüge nach Neumünster.
Heute verkehrt hier die Linie RB 82 der Nordbahn, seit 2024 mit Akkutriebwagen. Die Karl-May-Spiele im Kalkbergstadion finden seit 1952 jeden Sommer statt.
Eilzüge, Pendler und Panzer
Im Fahrplanjahr 1949/50 fuhren über Bad Segeberg noch ein Eilzugpaar und fünf Personenzugpaare.
Ab 1962 war Bad Segeberg Garnisonsstadt der Bundeswehr, und die Strecke gewann Bedeutung für den Transport von Panzern und für die An- und Abreise der Wehrdienstleistenden.
In den 1970er-Jahren verkehrten sieben Zugpaare über die ganze Strecke, dazu kamen zwei weitere Zugpaare zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe für Pendler in Richtung Hamburg.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt heute zwischen Neumünster und Bad Segeberg bei 120 km/h und zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe bei 100 km/h.

Achtzehn Jahre ohne Zug nach Neumünster
Am 29. September 1984 endete der Personenverkehr zwischen Bad Segeberg und Neumünster, und die Züge fuhren nur noch in Richtung Bad Oldesloe.
Die Deutsche Bundesbahn wollte auch diesen Rest einstellen, doch das Bundesverkehrsministerium genehmigte das nicht.
Erst am 15. Dezember 2002 kehrten die Personenzüge nach zahlreichen Verzögerungen auf den Abschnitt nach Neumünster zurück.
In der Zwischenzeit erwarb der Verein Eisenbahnfreunde Mittelholstein Teile des stillgelegten Bahnhofs Kleinkummerfeld und richtete dort ein Eisenbahnmuseum ein, das seit 1986 besteht.

Ein Bahnhof zieht um
Für die Wiederaufnahme des Verkehrs im Jahr 2002 wurde der Segeberger Bahnhof um einige hundert Meter nach Norden in ein Industriegebiet verlegt.
Ausgerechnet dort hatte von 1911 bis 1961 schon einmal ein Bahnhof gestanden, nämlich der Kieler Kleinbahnhof der Kleinbahn Kiel–Segeberg.
Seit Dezember 2002 bedient die Nordbahn Eisenbahngesellschaft die Strecke und setzte dafür zunächst Dieseltriebwagen vom Typ LINT 41 ein.
Seit 2024 fahren auf der Linie RB 82 Akkutriebwagen vom Typ Stadler Flirt Akku, weil der Nahverkehrsverbund für mehrere Linien lokal emissionsfreie Fahrzeuge bestellt hatte.

Pläne für mehr Takt und zwei neue Halte
Für die Zukunft sind zwei weitere Haltepunkte in der Stadt vorgesehen, Bad Segeberg Hamburger Straße und Bad Segeberg Oldesloer Straße.
In einer ersten Baustufe vor 2030 sollen die Abschnitte Willingrade–Fahrenkrug und Bad Segeberg–Bad Oldesloe Ost wieder zweigleisig werden.
Für einen Halbstundentakt auf der Linie RB 82 braucht es außerdem eine neue Kreuzungsmöglichkeit in Fresenburg und höhere Geschwindigkeiten auf einzelnen Abschnitten.
Im Zielkonzept des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein stehen sogar eine durchgehend zweigleisige, elektrifizierte Strecke und bis zu 160 km/h.

Ein Gipsfelsen mitten in der Stadt
Bad Segeberg verdankt seine Entstehung dem Kalkberg, der entgegen seinem Namen nicht aus Kalkstein, sondern aus Gips und im Kern aus Anhydrit besteht.
Auf Anraten des Missionars Vizelin ließ Kaiser Lothar im Jahr 1134 auf dem Felsen eine erste Burg errichten, die den Namen Siegesburg erhielt.
Weil hier bis 1932 Gips abgebaut wurde, der unter anderem beim Bau des Lübecker Doms und der Segeberger Marienkirche verwendet wurde, ist vom einstigen Burgberg nur noch ein Rest übrig.
Im Inneren liegt die 1912 entdeckte Kalkberghöhle, ein wichtiges Quartier für Fledermäuse und Heimat des Segeberger Höhlenkäfers, der nur hier vorkommt.

Von der Grafenfehde zum Solbad
Im Jahr 1534 wurde Segeberg während der Grafenfehde vom Lübecker Feldherrn Marx Meyer fast völlig zerstört.
Unter dem königlich-dänischen Amtmann Heinrich Rantzau wurde die Stadt im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut und erlebte in dessen zweiter Hälfte eine Blütezeit.
Die Gegend um Bad Segeberg ist das einzige Karstgebiet Schleswig-Holsteins, und der Kleine Segeberger See am Fuß des Kalkbergs ist ein mit Wasser gefüllter Erdfall.
Als man 1868 in 152 Metern Tiefe auf Steinsalz stieß, ließ es sich wegen eindringenden Wassers nicht abbauen, doch die Sole wurde genutzt, und so entstand das Solbad Segeberg, dessen Kurhaus erst 1968 abgerissen wurde.

Ankommen in Bad Segeberg
Die bekannteste Adresse der Stadt ist das Kalkbergstadion, in dem seit 1952 jedes Jahr von Ende Juni bis Anfang September die Karl-May-Spiele stattfinden.
Dort wird in jeder Saison ein Freilichttheaterstück nach einer Vorlage von Karl May aufgeführt, und die Spiele gibt es inzwischen seit mehr als 70 Jahren.
In der Altstadt steht die Marienkirche, die ab etwa 1160 als Stiftskirche entstand, als älteste dreischiffige Gewölbebasilika der Backsteinromanik in Nordelbien gilt und den Domen in Lübeck und Ratzeburg als Vorbild diente.
Neben dem Rathaus in der Lübecker Straße steht das Alt-Segeberger Bürgerhaus von 1541, das älteste Haus der Stadt, und nicht weit entfernt lädt das Ufer des Großen Segeberger Sees zum Spaziergang ein.

Häufige Fragen
Seit wann hat Bad Segeberg einen Bahnhof?
Welche Züge halten in Bad Segeberg?
Warum liegt der Bahnhof heute weiter nördlich?
Welche Kleinbahnen fuhren früher nach Bad Segeberg?
Wann finden die Karl-May-Spiele statt?
Weiterfahrt
→ Ortstermin Neumünster: Bahnknoten im Herzen von Schleswig-Holstein – die Stadt im Herzen Schleswig-Holsteins, direkt mit der RB 82 erreichbar
→ Ortstermin: Lübeck Hauptbahnhof – die Kreisstadt an der Trave, Endpunkt der Linie mit Anschluss nach Hamburg und Lübeck
