Ortstermin
„Nächster Halt Lauscha, hier ändert der Zug die Fahrtrichtung und fährt dann weiter hinauf zum Rennsteig.“
Der Bahnhof Lauscha, eine Spitzkehre im Tal der Glasbläser
→ Ein Ortstermin im Thüringer Schiefergebirge.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Lauscha liegt 611 Meter hoch im engen Lauschatal und ist seit 1913 ein Spitzkehrenbahnhof. Die Züge nach Neuhaus am Rennweg ändern hier die Fahrtrichtung und winden sich dann um den Berg Teufelsholz nach oben.
Lauscha ist eine kleine Stadt im thüringischen Landkreis Sonneberg, die durch das Glasbläserhandwerk bekannt geworden ist.
Sie gilt als Geburtsstadt des gläsernen Christbaumschmucks, und bis heute ziehen sich Glasgeschäfte und Galerien durch den ganzen Ort.
Ihr Bahnhof ist eine Besonderheit, denn im engen Tal können die Züge nur über eine Spitzkehre weiter bergauf fahren.

Eine Bahn für Glas und Kohle
Der Bahnhof Lauscha entstand 1886 als Endpunkt einer Strecke von Sonneberg, die die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft baute und die früher auch Steinachtalbahn genannt wurde.
Die Bahn sollte der Lauschaer Glasindustrie einen Anschluss an den Güterfernverkehr verschaffen und die Gasanstalt mit Steinkohle versorgen.
Deshalb war neben dem Personenverkehr ein für eine Nebenbahn recht umfangreicher Güterverkehr vorgesehen.
Das Bahnhofsgelände im engen Lauschatal am Fuß des Tierbergs musste dafür mit bis zu 10 Meter hohen Bruchsteinmauern zum Hang hin gesichert werden.

Der erste Zug im September 1886
Am 29. September 1886 fuhr der erste Zug in den Bahnhof Lauscha ein.
Am nächsten Tag verließ um 5.22 Uhr der erste Zug im planmäßigen Betrieb den Bahnhof.
Das erste Empfangsgebäude stand damals längs an der Bahnhofstraße.
Der Bahnhof liegt 611 Meter hoch südlich des Ortszentrums im Lauschatal, zwischen dem Großen Tierberg im Osten und dem Teufelsholz im Westen.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Lauscha liegt 611 Meter hoch an der Strecke von Sonneberg nach Neuhaus am Rennweg. Er wurde 1886 eröffnet und ist seit dem Umbau von 1912/13 ein Kopf- und Spitzkehrenbahnhof.
Die Züge der Linie RB 41 fahren im Stundentakt und kreuzen sich in Lauscha. Das Empfangsgebäude von 1914 wird seit 1996 nicht mehr genutzt.
Umbau zur Spitzkehre
Im Zuge des Lückenschlusses nach Wallendorf an der Strecke nach Probstzella ließ die Königliche Eisenbahndirektion Erfurt den Bahnhof Lauscha in den Jahren 1912 und 1913 umfassend umbauen.
Weil die Züge in beide Richtungen nur nach Süden aus dem Bahnhof ausfahren können, jeweils an einem anderen Hang des Tals, wurde Lauscha zum Spitzkehrenbahnhof.
Die Züge wechseln hier also die Fahrtrichtung, bevor sie weiterfahren.
Die neue Strecke nach Ernstthal am Rennsteig führt über ein 93 Meter langes Viadukt aus Stampfbeton aus dem Bahnhof heraus an den Westhang des Tals.

Einmal rund um das Teufelsholz
Hinter dem Viadukt umrundet die Strecke den Berg Teufelsholz fast vollständig.
Auf etwa 3,3 Kilometern führt sie durch den Lauschensteintunnel und über das Viadukt Nasse Telle bis zur Eller, einem Sattel zwischen Steinachtal und Lauschatal.
Dabei gewinnt sie etwa 85 Höhenmeter und kommt dem Bahnhof Lauscha an der Eller bis auf rund 330 Meter Luftlinie wieder nahe.
So klettert die Bahn aus dem Glasbläserort hinauf in Richtung Rennsteig.

Ein Empfangsgebäude in Kopflage
Zwischen 1912 und 1914 entstand nach einem Entwurf des Ingenieurs Steinbrinck das heutige Empfangsgebäude, das am Kopf der beiden Gleise am Mittelbahnsteig steht.
Das ein- und zweigeschossige Haus hat eine mit Naturstein verblendete Fassade, und im Erdgeschoss lagen Schalterhalle, Gepäckannahme, Diensträume und eine Gaststätte, die zeitweise die Mitropa betrieb.
Das mechanische Stellwerk von 1913 ist dreigeschossig in die Stützmauer eingebaut und hat ein Walmdach.
Sein Bedienraum im obersten Geschoss hat eine verschieferte Fachwerkfassade mit großen Fenstern, die weit über die Mauer hinausragt.

Güterbahnhof und Lokwechsel
Für den erweiterten Güterbahnhof wurde das abschüssige Gelände mit Material aus dem Lauschensteintunnel aufgefüllt und durch eine Stützmauer aus 6.000 Kubikmetern Stampfbeton gesichert.
Es entstanden eine Ladestraße, eine Rampe, eine Gleiswaage und ein neuer Lokschuppen, sodass die Bahnhofsgleise 1914 zusammen 1503 Meter lang waren.
Bei den Personen- und Eilzügen zwischen Sonneberg und Saalfeld wurde in Lauscha die Lokomotive umgesetzt, wofür der Fahrplan mindestens zwölf Minuten vorsah.
Ein historischer Wasserkran, die alte Gleiswaage und Reste von Rangier- und Ladegleisen erinnern bis heute an den regen Betrieb von damals.

Die Baureihe 95 und ein Unglück
Seit 1923 prägten Lokomotiven der Baureihe 95 den Verkehr auf der steilen Strecke.
Am 10. März 1950 geriet die Lok 95 041 beim Rangieren auf ein Gleis zum Lokschuppen, durchbrach dessen Außenwand über der 12 Meter hohen Betonmauer und stürzte rückwärts auf die Bahnhofstraße.
Lokführer und Heizer wurden schwer verletzt, und der Oberlokführer starb fünf Tage nach dem Unfall.
Ende der 1970er Jahre wurden sie durch Lokomotiven der Baureihe 119 abgelöst, die den Verkehr bis zur Streckensperrung im Jahr 1999 übernahmen.

Neustart mit dem Regio-Shuttle
1997 wurde die Strecke vorübergehend stillgelegt, 1998 wurde der Abschnitt nach Sonneberg saniert, und 1999 ruhte der Verkehr erneut für die Sanierung in Richtung Neuhaus am Rennweg.
Seit dem 15. Dezember 2002 fährt die Süd-Thüringen-Bahn im Stundentakt mit Triebwagen vom Typ Regio-Shuttle von Sonneberg über Lauscha und Ernstthal am Rennsteig nach Neuhaus am Rennweg.
Seit dem 13. Dezember 2020 heißt die Linie RB 41, und weil kein Lokwechsel mehr nötig ist, dauert der Halt in Lauscha nur noch drei Minuten, doch der Bahnhof dient weiterhin als Kreuzungsbahnhof der Strecke.
Der Bahnhof, der in den 1950er Jahren 27 Beschäftigte hatte, ist heute unbesetzt und wird seit 2002 vom elektronischen Stellwerk in Sonneberg gesteuert, während das Empfangsgebäude seit 1996 leer steht.

Ankommen in Lauscha
Lauscha entstand durch eine Glashütte, denn am 10. Januar 1597 erhielten die Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller vom Herzog Johann Casimir die Erlaubnis, hier eine Glashütte zu betreiben.
Zwischen 1730 und 1770 brachte der Glasbläser Johann Greiner die Glasbläserei vor der Lampe aus dem Rheinland in die Heimarbeit nach Lauscha, und der Ort wuchs von 490 Einwohnern im Jahr 1781 auf 2228 im Jahr 1871.
Das Herz der Glasbläserstadt ist die Farbglashütte mit über 150 Jahren Hüttengeschichte, in der bis heute Röhren und Stäbe von Hand gefertigt werden und Besucher zuschauen können.
Das Museum für Glaskunst zeigt das Thüringer Glas, im Glaszentrum lässt sich die Studioglashütte besichtigen, und viele Glasbläser kann man bei der Arbeit beobachten.

Häufige Fragen
Was ist ein Spitzkehrenbahnhof?
Wann fuhr der erste Zug nach Lauscha?
Welche Züge halten heute in Lauscha?
Wofür ist Lauscha bekannt?
Wie hoch liegt der Bahnhof Lauscha?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Sonneberg in Thüringen – die Kreisstadt talabwärts, Ausgangspunkt der RB 41
→ Ortstermin: Bahnhof Coburg – die Stadt in Oberfranken, wo die Strecke beginnt
