Ortstermin
„Nächster Halt Ahlen (Westfalen), Ausstieg zur Innenstadt und zum Zentralen Omnibusbahnhof direkt neben dem Bahnhof.“
Der Bahnhof Ahlen, dessen Gleise im Ersten Weltkrieg auf einen Damm zogen
→ Ein Ortstermin im Münsterland.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Ahlen wurde am 15. Oktober 1847 an der Köln-Mindener Eisenbahn in Betrieb genommen und liegt heute an der viergleisigen, elektrifizierten Hauptstrecke Hamm–Minden. Sein heutiges Empfangsgebäude wurde 1916 eröffnet, nachdem die Gleise auf einen Bahndamm verlegt worden waren.
Ahlen liegt im westfälischen Münsterland und ist die größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt des Kreises Warendorf.
Die Stadt war Mitglied der Hanse, wurde später durch ihre Emaille-Industrie bekannt und war fast ein Jahrhundert lang eine Bergbaustadt.
Wer mit dem Zug ankommt, fährt auf einer Strecke, die Ahlen schon 1847 einen Vorsprung vor den Nachbarstädten verschaffte.

Die Hansestadt an der Werse
Als Ursprung der Stadt gilt eine Siedlung an einem Übergang über die Werse, an dem sich wichtige Straßen nach Hamm, Warendorf, Beckum, Herbern und Münster trafen.
Ahlener Kaufleute tauchen schon im 13. Jahrhundert in den Rechnungen Lübecker Kaufleute auf, und 1254 trat die Stadt dem Rheinischen Städtebund bei.
Im Jahr 1271 entstand eine Stadtmauer mit fünf Tortürmen, deren letzte Reste allerdings seit 1929 verschwunden sind.
Um 1285 war die Bevölkerung so gewachsen, dass neben der alten Pfarre St. Bartholomäus eine neue Pfarre St. Marien gegründet wurde.

Die Köln-Mindener Bahn bringt den Vorsprung
In den Jahren 1846 und 1847 wurde die Cöln-Mindener Eisenbahn durch Ahlen gebaut, und die Stadt erhielt dadurch einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen Orten der Umgebung.
Der Bau brachte viele Eisenbahnarbeiter aus dem südlichen Westfalen und der Eifel in die Stadt, was sie vorübergehend belebte, aber auch zu sozialen Konflikten führte.
Nach der Fertigstellung blieben nur wenige dieser Arbeiter, darunter auffallend viele aus dem Ravensberger Land.
Der Bahnhof Ahlen wurde am 15. Oktober 1847 in Betrieb genommen, am selben Tag, an dem die Köln-Mindener Strecke bis Minden fertig wurde.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Ahlen (Westfalen) liegt an der Strecke Hamm–Minden, stündlich halten der RE 6 und die RB 69, zusammen etwa im Halbstundentakt. Direkt neben dem Bahnhof liegt der Zentrale Omnibusbahnhof mit Stadt- und Regionalbussen.
Hinter dem Empfangsgebäude gibt es Park-and-Ride-Plätze, am Busbahnhof stehen Fahrradabstellanlagen. Neben Kunst- und Heimatmuseum lohnt das 1984 eröffnete Museum im Goldschmiedehaus.
Ein neuer Bahnhof am Damm
Das erste Empfangsgebäude entstand im Jahr 1848, ein Jahr nach der Eröffnung der Strecke.
Während des Ersten Weltkriegs wurden die bis dahin ebenerdigen Gleise auf einen Bahndamm gelegt, und das alte Gebäude musste deshalb weichen.
Das neue Empfangsgebäude wurde 1916 eröffnet und wird bis heute genutzt.
Im Gebäude gibt es ein Reisezentrum, das seit 2007 ein privates Reisebüro aus Werl betreibt, dazu eine Buchhandlung mit Kiosk und eine Bäckerei.

Der verschwundene Halt in Vorhelm
Etwa sechs Kilometer in Richtung Bielefeld gab es ab 1891 einen Haltepunkt für den Ort Vorhelm.
Vorhelm gehört seit 1975 zu Ahlen, doch sein Haltepunkt wurde 1988 aus Rationalisierungsgründen stillgelegt.
Im Jahr 1994 wurden die Anlagen schließlich zurückgebaut.
Seitdem ist der Bahnhof in der Kernstadt der einzige Halt, den Ahlen an der Strecke nach Hannover noch hat.

Vier Gleise in Richtung Hannover
Die Strecke Hamm–Minden ist heute viergleisig und elektrifiziert und führt vom Ruhrgebiet in Richtung Hannover.
Über zwei Nahverkehrslinien im Stundentakt sind die Knoten Hamm, Gütersloh und Bielefeld angebunden, sodass insgesamt ungefähr ein Halbstundentakt in beide Richtungen besteht.
Es halten der RE 6 Rhein-Weser-Express von Köln über Dortmund, Hamm und Bielefeld nach Minden und die RB 69 Ems-Börde-Bahn von Münster über Hamm nach Bielefeld.
Gesteuert wird der Bahnhof vom Fahrdienstleiter-Stellwerk Af, einem Spurplan-Drucktastenstellwerk der Bauart SpDrS60.

Umbau für den Rhein-Ruhr-Express
Für den Vorlaufbetrieb des Rhein-Ruhr-Express wurde der Bahnhof vom Frühjahr 2019 bis Ende 2021 modernisiert.
Der Bahnsteig an Gleis 6 wurde für den stufenlosen Einstieg auf 76 Zentimeter erhöht und auf 220 Meter verlängert, und eine Rampe ersetzt dort den alten Treppenaufgang.
An den Gleisen 1/2 und 3 lösten neue Aufzüge die störanfälligen Treppenschrägaufzüge ab.
Dazu kamen neue Beleuchtung, neue Lautsprecher und ein Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen.

Pöttkesfabriken und Emaille
Die erste Industrialisierung begann 1863 mit der Blechschmiede und Verzinnerei der Gebrüder Kerkmann und um 1880 mit dem Abbau von Strontianit.
Der Strontianitbergbau blühte nur etwa zehn Jahre, lockte aber rund 650 Arbeiter in die Stadt, und diese bewegte Zeit nennt man in Ahlen die Strunz-Zeit.
Mit Fachleuten aus vielen Regionen spezialisierte sich die Metallindustrie auf emailliertes Geschirr, und aus fünf Werken im Jahr 1892 wurden bis 1968 zwanzig.
Die Arbeit in diesen Pöttkesfabriken machten überwiegend Menschen, die vom Land zugewandert waren.

Die Zeche Westfalen
Die zweite Industrialisierung kam mit der Bergwerksgesellschaft Westfalen, die 1907 Land erwarb und 1909 zuerst eine Zechenbahn fertigstellte.
Danach wurde bis 1913 eine Doppelschachtanlage abgeteuft, und für die zugewanderten Bergleute entstand die heute denkmalgeschützte Zechensiedlung Neustadt.
Allein in den Jahren 1912 und 1913 zogen knapp 5000 Menschen mehr nach Ahlen, als wegzogen, und aus der Ackerbürgerstadt mit 3535 Einwohnern im Jahr 1871 wurde bis 1964 eine Industriestadt mit 44.203 Einwohnern.
Im Juni 2000 wurde die Förderung auf der Zeche eingestellt, und im Jahr darauf wurden die letzten Schächte verfüllt.

Ankommen in Ahlen
Ankommen in Ahlen heißt, dem fast 75 Meter hohen Westturm der Marienkirche entgegenzugehen, der größten Kirche der Stadt, die 1904 im neugotischen Stil neu gebaut wurde.
Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde schon im 9. Jahrhundert gegründet und zählt zu den ältesten Taufkirchen des Münsterlandes, ihr heutiger Bau ist eine spätgotische Hallenkirche aus der Zeit um 1480.
Das Kunstmuseum Ahlen wurde im Oktober 1993 dank der Stiftung eines Ahlener Unternehmers eröffnet und zeigt Kunst des 20. Jahrhunderts von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart.
Und im Heimatmuseum, das als ältestes Profangebäude der Innenstadt gilt, geht es um das Leben auf den Höfen, um den Bergbau und um die Geschichte der Stadt.

Häufige Fragen
Seit wann hat Ahlen einen Bahnhof?
Wie alt ist das Empfangsgebäude?
Welche Züge halten in Ahlen?
Gab es früher einen zweiten Halt in Ahlen?
Wann schloss die Zeche Westfalen?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Hamm Hauptbahnhof – der große Bahnknoten im Südwesten an derselben Strecke
→ Ortstermin Gütersloh Hauptbahnhof: Bahnhof der grünen Gartenstadt – die Stadt weiter östlich an der Strecke in Richtung Bielefeld
