Der Bahnhof Ahlen, dessen Gleise im Ersten Weltkrieg auf einen Damm zogen

Ortstermin

„Nächster Halt Ahlen (Westfalen), Ausstieg zur Innenstadt und zum Zentralen Omnibusbahnhof direkt neben dem Bahnhof.“

Der Bahnhof Ahlen, dessen Gleise im Ersten Weltkrieg auf einen Damm zogen

→ Ein Ortstermin im Münsterland.

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Kurz gesagt

Der Bahnhof Ahlen wurde am 15. Oktober 1847 an der Köln-Mindener Eisenbahn in Betrieb genommen und liegt heute an der viergleisigen, elektrifizierten Hauptstrecke Hamm–Minden. Sein heutiges Empfangsgebäude wurde 1916 eröffnet, nachdem die Gleise auf einen Bahndamm verlegt worden waren.

Ahlen liegt im westfälischen Münsterland und ist die größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt des Kreises Warendorf.

Die Stadt war Mitglied der Hanse, wurde später durch ihre Emaille-Industrie bekannt und war fast ein Jahrhundert lang eine Bergbaustadt.

Wer mit dem Zug ankommt, fährt auf einer Strecke, die Ahlen schon 1847 einen Vorsprung vor den Nachbarstädten verschaffte.

Bahnhof Ahlen (Westf)
Foto: Stefan Flöper, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Hansestadt an der Werse

Als Ursprung der Stadt gilt eine Siedlung an einem Übergang über die Werse, an dem sich wichtige Straßen nach Hamm, Warendorf, Beckum, Herbern und Münster trafen.

Ahlener Kaufleute tauchen schon im 13. Jahrhundert in den Rechnungen Lübecker Kaufleute auf, und 1254 trat die Stadt dem Rheinischen Städtebund bei.

Im Jahr 1271 entstand eine Stadtmauer mit fünf Tortürmen, deren letzte Reste allerdings seit 1929 verschwunden sind.

Um 1285 war die Bevölkerung so gewachsen, dass neben der alten Pfarre St. Bartholomäus eine neue Pfarre St. Marien gegründet wurde.

Bahnhof Ahlen (Westf) Bahnsteig
Foto: Stefan Flöper, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Köln-Mindener Bahn bringt den Vorsprung

In den Jahren 1846 und 1847 wurde die Cöln-Mindener Eisenbahn durch Ahlen gebaut, und die Stadt erhielt dadurch einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen Orten der Umgebung.

Der Bau brachte viele Eisenbahnarbeiter aus dem südlichen Westfalen und der Eifel in die Stadt, was sie vorübergehend belebte, aber auch zu sozialen Konflikten führte.

Nach der Fertigstellung blieben nur wenige dieser Arbeiter, darunter auffallend viele aus dem Ravensberger Land.

Der Bahnhof Ahlen wurde am 15. Oktober 1847 in Betrieb genommen, am selben Tag, an dem die Köln-Mindener Strecke bis Minden fertig wurde.

Ahlen Bahnhof (2)
Foto: Michael Sch., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Ahlen (Westfalen) liegt an der Strecke Hamm–Minden, stündlich halten der RE 6 und die RB 69, zusammen etwa im Halbstundentakt. Direkt neben dem Bahnhof liegt der Zentrale Omnibusbahnhof mit Stadt- und Regionalbussen.

Hinter dem Empfangsgebäude gibt es Park-and-Ride-Plätze, am Busbahnhof stehen Fahrradabstellanlagen. Neben Kunst- und Heimatmuseum lohnt das 1984 eröffnete Museum im Goldschmiedehaus.

Ein neuer Bahnhof am Damm

Das erste Empfangsgebäude entstand im Jahr 1848, ein Jahr nach der Eröffnung der Strecke.

Während des Ersten Weltkriegs wurden die bis dahin ebenerdigen Gleise auf einen Bahndamm gelegt, und das alte Gebäude musste deshalb weichen.

Das neue Empfangsgebäude wurde 1916 eröffnet und wird bis heute genutzt.

Im Gebäude gibt es ein Reisezentrum, das seit 2007 ein privates Reisebüro aus Werl betreibt, dazu eine Buchhandlung mit Kiosk und eine Bäckerei.

Ahlen Bahnhof (3)
Foto: Michael Sch., CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der verschwundene Halt in Vorhelm

Etwa sechs Kilometer in Richtung Bielefeld gab es ab 1891 einen Haltepunkt für den Ort Vorhelm.

Vorhelm gehört seit 1975 zu Ahlen, doch sein Haltepunkt wurde 1988 aus Rationalisierungsgründen stillgelegt.

Im Jahr 1994 wurden die Anlagen schließlich zurückgebaut.

Seitdem ist der Bahnhof in der Kernstadt der einzige Halt, den Ahlen an der Strecke nach Hannover noch hat.

Zeche Westfalen 1
Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Vier Gleise in Richtung Hannover

Die Strecke Hamm–Minden ist heute viergleisig und elektrifiziert und führt vom Ruhrgebiet in Richtung Hannover.

Über zwei Nahverkehrslinien im Stundentakt sind die Knoten Hamm, Gütersloh und Bielefeld angebunden, sodass insgesamt ungefähr ein Halbstundentakt in beide Richtungen besteht.

Es halten der RE 6 Rhein-Weser-Express von Köln über Dortmund, Hamm und Bielefeld nach Minden und die RB 69 Ems-Börde-Bahn von Münster über Hamm nach Bielefeld.

Gesteuert wird der Bahnhof vom Fahrdienstleiter-Stellwerk Af, einem Spurplan-Drucktastenstellwerk der Bauart SpDrS60.

Zeche Westfalen Maschinenhalle
Foto: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Umbau für den Rhein-Ruhr-Express

Für den Vorlaufbetrieb des Rhein-Ruhr-Express wurde der Bahnhof vom Frühjahr 2019 bis Ende 2021 modernisiert.

Der Bahnsteig an Gleis 6 wurde für den stufenlosen Einstieg auf 76 Zentimeter erhöht und auf 220 Meter verlängert, und eine Rampe ersetzt dort den alten Treppenaufgang.

An den Gleisen 1/2 und 3 lösten neue Aufzüge die störanfälligen Treppenschrägaufzüge ab.

Dazu kamen neue Beleuchtung, neue Lautsprecher und ein Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen.

Zeche Westfalen Lampenstube
Foto: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Pöttkesfabriken und Emaille

Die erste Industrialisierung begann 1863 mit der Blechschmiede und Verzinnerei der Gebrüder Kerkmann und um 1880 mit dem Abbau von Strontianit.

Der Strontianitbergbau blühte nur etwa zehn Jahre, lockte aber rund 650 Arbeiter in die Stadt, und diese bewegte Zeit nennt man in Ahlen die Strunz-Zeit.

Mit Fachleuten aus vielen Regionen spezialisierte sich die Metallindustrie auf emailliertes Geschirr, und aus fünf Werken im Jahr 1892 wurden bis 1968 zwanzig.

Die Arbeit in diesen Pöttkesfabriken machten überwiegend Menschen, die vom Land zugewandert waren.

Zeche Westfalen Osthalde Blick auf Ahlen
Foto: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Die Zeche Westfalen

Die zweite Industrialisierung kam mit der Bergwerksgesellschaft Westfalen, die 1907 Land erwarb und 1909 zuerst eine Zechenbahn fertigstellte.

Danach wurde bis 1913 eine Doppelschachtanlage abgeteuft, und für die zugewanderten Bergleute entstand die heute denkmalgeschützte Zechensiedlung Neustadt.

Allein in den Jahren 1912 und 1913 zogen knapp 5000 Menschen mehr nach Ahlen, als wegzogen, und aus der Ackerbürgerstadt mit 3535 Einwohnern im Jahr 1871 wurde bis 1964 eine Industriestadt mit 44.203 Einwohnern.

Im Juni 2000 wurde die Förderung auf der Zeche eingestellt, und im Jahr darauf wurden die letzten Schächte verfüllt.

Markt Ahlen 1
Foto: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Ankommen in Ahlen

Ankommen in Ahlen heißt, dem fast 75 Meter hohen Westturm der Marienkirche entgegenzugehen, der größten Kirche der Stadt, die 1904 im neugotischen Stil neu gebaut wurde.

Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde schon im 9. Jahrhundert gegründet und zählt zu den ältesten Taufkirchen des Münsterlandes, ihr heutiger Bau ist eine spätgotische Hallenkirche aus der Zeit um 1480.

Das Kunstmuseum Ahlen wurde im Oktober 1993 dank der Stiftung eines Ahlener Unternehmers eröffnet und zeigt Kunst des 20. Jahrhunderts von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart.

Und im Heimatmuseum, das als ältestes Profangebäude der Innenstadt gilt, geht es um das Leben auf den Höfen, um den Bergbau und um die Geschichte der Stadt.

Ahlen Ostberg, Stellwerk
Foto: Michael Schmalenstroer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Seit wann hat Ahlen einen Bahnhof?
Der Bahnhof wurde am 15. Oktober 1847 mit der Köln-Mindener Eisenbahn in Betrieb genommen.
Wie alt ist das Empfangsgebäude?
Das heutige Gebäude wurde 1916 eröffnet, nachdem das erste von 1848 im Ersten Weltkrieg für den neuen Bahndamm abgerissen worden war.
Welche Züge halten in Ahlen?
Stündlich halten der RE 6 Rhein-Weser-Express und die RB 69 Ems-Börde-Bahn, zusammen ergibt das etwa einen Halbstundentakt.
Gab es früher einen zweiten Halt in Ahlen?
Ja, im heutigen Ortsteil Vorhelm gab es ab 1891 einen Haltepunkt, der 1988 stillgelegt und 1994 zurückgebaut wurde.
Wann schloss die Zeche Westfalen?
Die Förderung endete im Juni 2000, und im Jahr darauf wurden die letzten Schächte verfüllt.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Hamm Hauptbahnhof – der große Bahnknoten im Südwesten an derselben Strecke

→ Ortstermin Gütersloh Hauptbahnhof: Bahnhof der grünen Gartenstadt – die Stadt weiter östlich an der Strecke in Richtung Bielefeld

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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