Standpunkt
„Achtung, die Weiche ist heute warm, und die Wärme kommt diesmal aus der Tiefe.“
Sollte die Bahn ihre Weichenheizungen auf Erdwärme umstellen?
→ Ein Standpunkt zum Energieverbrauch der Weichenheizungen.
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Worum es geht
Ja, wo es passt. Erdwärme nutzt Wärme aus dem Boden und kann so den Bedarf an Strom und Gas senken. Weil nicht jeder Standort geeignet ist, sollte die Bahn sie gezielt einsetzen und alle Anlagen intelligent steuern.
Damit Weichen im Winter nicht festfrieren, werden viele von ihnen beheizt.
Ende 2014 waren im Netz der Deutschen Bahn etwa 49.000 von rund 70.000 Weichen mit einer Heizung ausgerüstet.
Nach Unternehmensangaben kostet der Betrieb 44 Millionen Euro je Winter.
Ob die Bahn dafür stärker Wärme aus dem Boden nutzen sollte, ist die Frage dieses Standpunkts.

Warum Weichen Wärme brauchen
Eine Weichenheizung soll bewegliche Teile von Weichen bei kalter Witterung schnee- und eisfrei halten.
Nur so lassen sich die Weichen weiter umstellen.
Auf Schnellfahrstrecken müssen sogar Weichen beheizt werden, die bis zu 300 Meter tief in Tunneln liegen.
Weichen in Bereichen mit geringer Betriebsleistung oder in manchen Rangierbereichen werden nach Unternehmensangaben dagegen nicht beheizt, weil das zu teuer wäre.
Bei schnell befahrenen Weichen hält außerdem der Fahrtwind die Zungen frei.

Wie heute geheizt wird
Weichenheizungen werden meist elektrisch betrieben.
Bis zu 14 Heizstäbe von bis zu fünf Metern Länge geben je Weiche eine Temperatur von 65 bis 75 Grad Celsius ab.
Die Heizleistung elektrischer Anlagen reicht von etwa fünf Kilowatt bis etwa 50 Kilowatt bei Schnellfahrweichen.
Der Strom kommt aus dem öffentlichen oder bahneigenen 50-Hertz-Netz oder über einen Transformator aus der Oberleitung.
In Gegenden mit extremer Witterung setzt die Bahn bevorzugt Gasheizungen ein, die bis zu dreimal mehr Leistung bringen.
So teuer wie ein Eigenheim
Die Beheizung einer normalen Weiche über drei Monate kostet nach Unternehmensangaben so viel wie die Beheizung eines Eigenheims über ein Jahr.
Bei Zehntausenden Weichen summiert sich das zu einem großen Posten.
Jede eingesparte Kilowattstunde entlastet deshalb Kasse und Klima zugleich.
Strom- und Gasheizungen verursachen je nach Energiequelle auch Treibhausgase.
Die Frage nach der Wärmequelle ist deshalb auch eine Klimafrage.
Wärme aus der Tiefe
Neben Strom und Gas ist auch ein Betrieb mit Geothermie, Propangas, Kohle oder Fernwärme möglich.
Am 24. Januar 2007 nahm die Bahn im Bahnhof Holzminden die erste geothermische Weichenheizung als Pilotanlage in Betrieb.
Erdwärmeheizungen beheizen die Weiche mit warmem Wasser über einen Wärmetauscher.
Sie brauchen in der Regel trotzdem einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz.
Die Wärme selbst stammt aber aus dem Boden und muss nicht erst aus Strom oder Gas erzeugt werden.
Welche Energie wo passt
Welcher Energieträger gewählt wird, hängt von den verfügbaren Energienetzen und von der zu erwartenden Witterung ab.
Für Weichen in sehr kalten Lagen setzt die Bahn auf die leistungsstarke Gasheizung.
Ob Erdwärme an einem Standort genug Leistung bringt, muss jeweils geprüft werden.
Für viele Weichen in gemäßigten Lagen könnte sie dagegen eine gute Lösung sein.
Eine Umstellung lohnt sich vor allem dort, wo ohnehin gebaut oder erneuert wird.
Intelligente Steuerung
Ältere Weichenheizungen werden vom Stellwerk eingeschaltet, neuere arbeiten vollautomatisch.
Bei der witterungsabhängigen Steuerung erfasst eine Fühlerstation Feuchtigkeit, Niederschlag, Außentemperatur, Schneefall und Eisbildung.
An der klimatisch ungünstigsten Weiche wird zusätzlich die Schienentemperatur gemessen.
In der Regel werden unter null Grad die Verschlussfächer beheizt, Backenschienen und Zungen nur bei gleichzeitigem Niederschlag.
Abdeckungen auf den Verschlussfächern verringern zusätzlich den Eintrag von Schnee.
Sparen beginnt bei der Regelung
Die günstigste Wärme ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss.
Wo ältere Anlagen noch vom Stellwerk aus eingeschaltet werden, kann eine automatische, wetterabhängige Steuerung Energie sparen.
Das gilt unabhängig davon, ob die Wärme aus Strom, Gas oder dem Boden stammt.
Erdwärme und gute Regelung ergänzen sich deshalb.
Zusammen können sie den Energiebedarf der Weichen senken, ohne die Sicherheit im Winter zu gefährden.
Winter im Klimawandel
Die Freihaltung der Gleisanlagen von Schnee und Eis galt schon früh als wichtige Voraussetzung für einen zuverlässigen Bahnbetrieb.
Auch wenn Winter milder werden, bleiben Frost und Schnee ein Risiko für Weichen.
Eine Heizung, die nur bei Bedarf und mit erneuerbarer Wärme arbeitet, passt zu beiden Seiten dieser Entwicklung.
Für die Fahrgäste zählt am Ende, dass die Weiche im Winter umstellt.
Für das Klima zählt, womit sie gewärmt wird.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Pro und Contra
Dafür
+ Erdwärme nutzt Wärme aus dem Boden, statt sie aus Strom oder Gas zu erzeugen.
+ Die Weichenheizungen kosten die Bahn nach eigenen Angaben 44 Millionen Euro je Winter.
+ Eine normale Weiche drei Monate zu beheizen, kostet so viel wie ein Eigenheim ein Jahr lang.
+ Seit 2007 gibt es mit Holzminden eine Pilotanlage im Netz der Bahn.
+ Weniger Gas und Strom senken die Treibhausgase aus dem Winterbetrieb.
+ Bei ohnehin geplanten Erneuerungen lässt sich die neue Technik gleich mit einbauen.
Dagegen
− Erdwärmeanlagen brauchen trotzdem einen Anschluss an das Stromnetz.
− In Lagen mit extremer Witterung setzt die Bahn wegen der höheren Leistung bevorzugt auf Gas.
− Bohrungen und Wärmetauscher kosten Geld und passen nicht an jeden Standort.
− Eine automatische, wetterabhängige Steuerung spart womöglich schneller Energie als ein neuer Wärmeträger.
− Zehntausende Weichen umzurüsten, würde viele Jahre dauern.
− Das Geld könnte an anderer Stelle im Netz dringender gebraucht werden.
Unterm Strich
Weichenheizungen sind unscheinbar, aber sie verbrauchen jeden Winter viel Energie und Geld.
Erdwärme ist eine sinnvolle Alternative, wo Boden, Klima und Bauarbeiten zusammenpassen.
Noch wichtiger ist eine intelligente Steuerung, die nur heizt, wenn es wirklich nötig ist.
Wer beides verbindet, hält die Weichen beweglich und die Rechnung klein.
Weiterfahrt
