Sollte die Steigerwaldbahn zwischen Kitzingen und Schweinfurt reaktiviert werden?

Standpunkt

„Auf der Steigerwaldbahn fährt heute kein Zug, auf einem Teil der Strecke fehlen inzwischen sogar die Gleise.“

Sollte die Steigerwaldbahn zwischen Kitzingen und Schweinfurt reaktiviert werden?

→ Ein Standpunkt zur Steigerwaldbahn in Unterfranken.

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Worum es geht

Nicht als Ganzes. Für die gesamte Strecke reicht die erwartete Nachfrage nach dem Gutachten von 2021 nicht aus. Der nördliche Abschnitt zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen verdient aber eine neue, faire Prüfung, bevor die Trasse endgültig verloren geht.

Die Steigerwaldbahn verband Kitzingen über Wiesentheid und Gerolzhofen mit Schweinfurt.

Personenzüge fahren dort seit 1987 nicht mehr, planmäßige Güterzüge seit Ende 2001.

Seit 2020 werden bei Kitzingen sogar Gleise abgebaut.

Trotzdem setzen sich Initiativen und Teile der regionalen Wirtschaft für eine Rückkehr der Bahn ein.

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Foto: ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Nebenbahn durch Unterfranken

Der erste Abschnitt von Kitzingen bis Gerolzhofen ging 1893 in Betrieb.

Am 23. November 1903 folgte die Verlängerung bis zum Schweinfurter Hauptbahnhof.

Ihren Namen erhielt die Bahn, weil ihr südlicher Teil durch das Vorland des Steigerwalds führt.

Im April 1945 sprengte die Wehrmacht die Mainbrücken der Strecke in Kitzingen und Schweinfurt.

In Schweinfurt entstand 1946 eine Behelfsbrücke, die erst 1984 durch ein Brückenteil der abgebauten Mainbrücke Wertheim ersetzt wurde.

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Foto: ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der schrittweise Abschied

Zwischen Kitzingen und Gerolzhofen ersetzten ab dem 31. Mai 1981 Busse die Personenzüge.

Am 29. Mai 1987 folgte der Abschnitt von Gerolzhofen nach Schweinfurt.

Bis Ende 2001 gab es noch planmäßigen Güterverkehr zwischen Kitzingen und Schweinfurt.

Bis 2006 nutzte die in Kitzingen stationierte US-Armee die Strecke gelegentlich für Militärtransporte.

Ein für 2006 geplanter Probebetrieb mit Personenzügen an Wochenenden fand nie statt.

Stilllegung und Verkauf

Ein privates Eisenbahnunternehmen übernahm große Teile der Strecke im Jahr 2005, gab sie aber wegen fehlender Einnahmen wieder ab.

Im Juli 2014 wurde ein erster Abschnitt bei Kitzingen stillgelegt, Anfang 2016 folgte die Strecke bis Schweinfurt.

Im Mai 2016 wurde der drei Kilometer lange Abschnitt im Stadtgebiet von Kitzingen entwidmet und damit der Stadt zurückgegeben.

Ende Juli 2019 wurde die Strecke an eine Firma verkauft, die sich mit dem Abbau von Gleisanlagen beschäftigt.

Seit Januar 2020 werden die Gleise zwischen Kitzingen-Etwashausen und Streckenkilometer 5,37 abgebaut, was heftige Proteste auslöste.

Noch nicht ganz verloren

Mit Ausnahme des Abschnitts in Kitzingen ist die Strecke bisher nicht entwidmet.

Deshalb wäre eine Wiederinbetriebnahme ohne neues Planfeststellungsverfahren möglich.

Auch Bauten wie höhengleiche Bahnübergänge genießen so lange Bestandsschutz.

Die Stadt Gerolzhofen zog 2019 ihren Antrag auf Entwidmung zurück, um eine Potenzialanalyse abzuwarten.

Ein anderes Eisenbahnunternehmen beantragte 2021, die Strecke zu betreiben, das bayerische Verkehrsministerium lehnte dies jedoch ab.

Das Gutachten von 2021

Am 5. März 2021 veröffentlichte die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Analyse des Fahrgastpotenzials.

Für die ganze Strecke ergab sie bei einem Stundentakt eine Nachfrage von 563 Personenkilometern je Kilometer Strecke.

Auf dem Nordabschnitt zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen lag der Wert bei 838, auf dem Südabschnitt nur bei 365.

Der in Bayern gültige Schwellenwert für eine Reaktivierung liegt bei 1000 Personenkilometern je Kilometer.

Deshalb wird eine Wiederinbetriebnahme für den Personenverkehr derzeit nicht weiter verfolgt.

Im November 2021 gab auch der Kreistag des Landkreises Schweinfurt seine Bemühungen auf.

Kritik an den Zahlen

Kritiker bemängelten, dass das Zustandekommen der Nachfrage im Gutachten nicht nachvollziehbar sei.

Andere Gutachter kamen unter Einbeziehung von Ausbildungs-, Einkaufs- und Ausflugsverkehr auf eine annähernd doppelt so hohe Nachfrage.

Die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt setzt sich seit 2018 für Personenzüge zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen ein.

Sie stützt sich auf eine Potenzialanalyse, deren Ergebnis nach ihren Angaben die Anforderungen des Freistaats erfüllt.

Die Idee einer Regionalstraßenbahn

Im August 2019 stellte ein Verkehrsplaner das Konzept einer Regionalstraßenbahn vor.

Sie soll über die Nordbrücke bis zum Bahnhof Kitzingen fahren und damit wieder zwei Hauptbahnen verbinden.

In Schweinfurt soll sich der Zug teilen, ein Teil fährt zum Hauptbahnhof, der andere als Straßenbahn durch die Innenstadt.

Dieser Ast soll die Hochschule und das Schulzentrum West anbinden und an die Strecke Richtung Meiningen anschließen.

Die Stadt Schweinfurt will dazu eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen.

Andere Pläne für die Trasse

Als Alternative wurde vorgeschlagen, die Trasse für autonom fahrende Busse und einen Express-Radweg umzubauen.

Eine Ausarbeitung aus dem Verkehrsclub VCD wies dabei auf erhebliche Probleme hin.

Der Förderverein Steigerwald-Express setzt sich seit 2007 für den Erhalt der Strecke ein.

Im Jahr 2008 beförderte er an vier Fahrtagen mit Sonderzügen rund 1300 Fahrgäste.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Pro und Contra

Dafür

+  Die Strecke ist bis auf den Abschnitt in Kitzingen nicht entwidmet und könnte ohne neues Planfeststellungsverfahren wieder in Betrieb gehen.

+  Der Nordabschnitt kommt mit 838 Personenkilometern je Kilometer schon recht nahe an den bayerischen Schwellenwert.

+  Andere Gutachter sehen eine fast doppelt so hohe Nachfrage wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft.

+  Orte wie Gerolzhofen bekämen wieder einen direkten Anschluss an die Schiene.

+  Die regionale Wirtschaft unterstützt zumindest den Abschnitt Schweinfurt–Gerolzhofen.

+  Eine einmal abgebaute Trasse lässt sich kaum zurückholen, deshalb zählt jetzt jede Entscheidung.

Dagegen

−  Für die ganze Strecke liegt die erwartete Nachfrage mit 563 deutlich unter dem Schwellenwert von 1000.

−  Der Südabschnitt erreicht mit 365 nur gut ein Drittel des Schwellenwerts.

−  Bei Kitzingen sind Gleise bereits abgebaut und Flächen entwidmet.

−  Die Strecke ist seit Jahren ohne Verkehr, eine Sanierung würde viel Geld kosten.

−  Der Landkreis Schweinfurt hat seine Bemühungen im Jahr 2021 aufgegeben.

−  Busse erschließen die Orte schon heute und sind flexibler als eine Bahn.

Unterm Strich

Die Steigerwaldbahn zeigt, wie schwer eine einmal stillgelegte Strecke zurückzuholen ist.

Für die ganze Strecke sprechen die Zahlen von 2021 derzeit nicht.

Der Nordabschnitt zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen verdient aber eine neue, unabhängige Prüfung.

Bis dahin sollte die Trasse erhalten bleiben, denn ein Gleis, das einmal weg ist, kommt so schnell nicht wieder.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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