Standpunkt
„Straßenbahn nach Herzogenaurach, bitte einsteigen, planmäßige Abfahrt voraussichtlich 2031.“
Sollte die Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach gebaut werden?
→ Ein Standpunkt zur Stadt-Umland-Bahn im Großraum Nürnberg.
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Worum es geht
Ja. Die StUB verbindet Nürnberg, die Universitätsstadt Erlangen und Herzogenaurach mit seinen großen Firmenstandorten, und Herzogenaurach hat seit 1984 keinen Personenzug mehr. Das Projekt wurde mehrfach von den Bürgerinnen und Bürgern bestätigt und sollte nun zügig gebaut werden.
Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach liegen in Mittelfranken nah beieinander, doch nur Nürnberg und Erlangen sind heute durch die Schiene verbunden.
Die Stadt-Umland-Bahn, kurz StUB, soll das ändern, als Straßenbahn vom Nürnberger Norden bis nach Herzogenaurach.
Nach dem Stand von 2024 wird eine abschnittsweise Betriebsaufnahme für 2031 angestrebt.
Über das Projekt wurde bereits mehrfach in Bürgerentscheiden abgestimmt.

Eine Idee aus dem Jahr 1911
Erste Ideen für eine Lokalbahn oder Überlandstraßenbahn im Knoblauchsland gab es schon um 1911.
Der Erste Weltkrieg und die folgenden wirtschaftlichen Probleme verhinderten eine Umsetzung.
Stattdessen fuhr noch in den 1920er Jahren ein Bus von Nürnberg nach Erlangen, dessen Nachfolger heute die Linie 30 ist.
Der Personenverkehr auf der Bahn von Erlangen nach Eschenau endete Anfang der 1960er Jahre, der auf der Aurachtalbahn nach Herzogenaurach im Jahr 1984.
Ende 1985 legte eine Arbeitsgruppe die Studie „Eine Stadtbahn für Erlangen“ vor, aus der Anfang der 1990er Jahre das Konzept der StUB entstand.

Viele Studien, viele Beschlüsse
Eine Machbarkeitsstudie ergab 1994 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,48.
Im September 2012 beschlossen der Landkreis Erlangen-Höchstadt und die Stadt Erlangen, einen Förderantrag zu stellen.
Im September 2013 wurde die StUB in die Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz aufgenommen.
Im März 2016 beschloss Erlangen, gemeinsam mit Nürnberg und Herzogenaurach einen Zweckverband für die weitere Planung zu gründen.
Drei Bürgerentscheide
Im April 2015 lehnte der Landkreis Erlangen-Höchstadt in einem Bürgerentscheid eine Beteiligung ab, deshalb fiel der geplante Ast nach Osten weg.
Die Menschen in Herzogenaurach stimmten dabei mit über 75 Prozent für die StUB.
Im März 2016 lehnten in Erlangen mehr als 60 Prozent einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt ab.
Am 9. Juni 2024 stimmten in Erlangen erneut 52,4 Prozent für die Stadt-Umland-Bahn, bei einer Wahlbeteiligung von 66,7 Prozent.
Damit hat das Projekt die Hürde der direkten Demokratie gleich mehrfach genommen.
Die geplante Strecke
Die StUB soll an der Nürnberger Haltestelle Am Wegfeld beginnen, wo heute die Straßenbahnlinien 4 und 10 enden.
Von dort führt sie entlang der Bundesstraße 4 über Tennenlohe in die Erlanger Innenstadt.
Hinter dem Bahnhof Erlangen quert sie auf einer neuen Brücke das Tal der Regnitz und überquert den Main-Donau-Kanal.
Über Büchenbach und die Autobahn 3 erreicht sie Herzogenaurach und endet nahe dem früheren Bahnhof der stillgelegten Aurachtalbahn.
In Nürnberg sollen die Bahnen ohne Umstieg als Linie 4 oder 10 weiterfahren.
Haltestellen und Fahrzeiten
Nach den Plänen von 2024 entstehen auf 26 Kilometern Neubaustrecke 31 Haltestellen.
Fünf davon liegen in Nürnberg, 19 in Erlangen und sieben in Herzogenaurach.
Die Strecke soll größtenteils auf eigenen Gleiskörpern verlaufen, teils als Rasengleis.
Von der Innenstadt Herzogenaurachs bis Am Wegfeld sind 51 Minuten geplant, bis zum Nürnberger Plärrer 65 Minuten.
Angebunden werden unter anderem Universitätsgebäude in Erlangen, Schulzentren und die Firmenstandorte in Herzogenaurach.
Eine Brücke über den Regnitzgrund
Das auffälligste Bauwerk wird die Brücke über den Regnitzgrund westlich der Autobahn 73.
Im Jahr 2021 gewann ein Ingenieurbüro den Architektenwettbewerb dafür.
Als Gestaltungselement ist Cortenstahl vorgesehen, unter der Brücke soll ein Radweg verlaufen.
Die Wöhrmühlbrücke soll nur für Straßenbahn, Busse und Einsatzfahrzeuge befahrbar sein.
Was die StUB kostet
Nach der Kostenschätzung von 2019 lagen die Investitionen in die Infrastruktur bei rund 372 Millionen Euro, dazu kamen etwa 56 Millionen Euro für die Planung.
Im Jahr 2023 wurden die gesamten Investitions- und Planungskosten auf 730 Millionen Euro geschätzt.
Der Bund fördert nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz 75 Prozent der förderfähigen Kosten, dazu kommt Geld vom Freistaat Bayern.
Nach Preisstand 2022 bleiben für die drei Städte nach Abzug der Förderung zusammen 131 Millionen Euro.
Davon entfallen 82 Millionen Euro auf Erlangen, 27 Millionen Euro auf Nürnberg und 22 Millionen Euro auf Herzogenaurach.
Der Stand der Planung
Im Januar 2020 schloss die Regierung von Mittelfranken das Raumordnungsverfahren ab und stufte das Vorhaben als raumverträglich ein.
Seit 2021 läuft die Entwurfsplanung.
Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren sollten bis Ende 2025 vorbereitet werden.
Eine abschnittsweise Betriebsaufnahme wird für 2031 angestrebt.
Die Trasse für den früher geplanten Ostast soll freigehalten werden, damit er später noch gebaut werden kann.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Pro und Contra
Dafür
+ Herzogenaurach bekäme erstmals seit 1984 wieder einen Anschluss an die Schiene.
+ Die Bahnen fahren ohne Umstieg bis in die Nürnberger Innenstadt.
+ Die Bürgerinnen und Bürger haben das Projekt mehrfach bestätigt, zuletzt 2024 in Erlangen.
+ Bund und Freistaat übernehmen den größten Teil der Kosten.
+ Wichtige Arbeitsplatz- und Hochschulstandorte werden direkt angebunden.
+ Eigene Gleiskörper machen die Bahn weitgehend unabhängig vom Stau auf den Straßen.
Dagegen
− Die geschätzten Kosten sind von 2019 bis 2023 von rund 428 auf 730 Millionen Euro gestiegen.
− Der Eigenanteil der drei Städte liegt nach Preisstand 2022 bei 131 Millionen Euro.
− Die Mehrheit in Erlangen war 2024 mit 52,4 Prozent knapp.
− Mit 65 Minuten von Herzogenaurach bis zum Plärrer ist die Fahrt ins Nürnberger Zentrum nicht gerade schnell.
− Der Ast nach Osten fehlt, weil der Landkreis Erlangen-Höchstadt ausgestiegen ist.
− Jahrelange Bauarbeiten belasten Straßen und Anwohner in allen drei Städten.
Unterm Strich
Die StUB wurde über Jahrzehnte geprüft und mehrfach von den Bürgerinnen und Bürgern bestätigt.
Sie schließt eine echte Lücke im Schienennetz zwischen Erlangen und Herzogenaurach.
Die steigenden Kosten müssen die Städte im Blick behalten, sie sprechen aber nicht gegen das Projekt.
Dann könnte ab 2031 die Straßenbahn aus Nürnberg bis nach Herzogenaurach rollen.
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