Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Rennsteig auf 747,7 Metern, wir haben soeben gut 60 Promille Steigung geschafft.“
Wie steil ist die Rennsteigbahn?
→ Eine Strecke in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die Rennsteigbahn erreicht eine größte Neigung von 61,2 Promille. Ihr höchster Punkt ist der Spitzkehrenbahnhof Rennsteig auf 747,7 Metern über dem Meer.
Von Ilmenau aus klettert eine Nebenbahn quer über den Kamm des Thüringer Waldes.
Sie war die erste preußische Eisenbahn mit einer Zahnstange nach dem System Abt.
Hier sind die wichtigsten Zahlen zur Rennsteigbahn.

Die wichtigsten Zahlen
61,2 ‰
größte Neigung
gut 61 Meter pro Kilometer
747,7 m
Scheitelpunkt
Spitzkehrenbahnhof Rennsteig
31,8 km
Ilmenau–Schleusingen
Teil der Strecke Plaue–Themar
Hinter Stützerbach überwindet die Bahn auf 4,4 Kilometern 156 Höhenmeter.
Bis zu 61,2 Promille
Die größte Neigung der Rennsteigbahn beträgt 61,2 Promille.
Das sind gut 61 Meter Höhenunterschied auf einem einzigen Kilometer Gleis.
Die Rennsteigbahn ist der 31,8 Kilometer lange Abschnitt von Ilmenau nach Schleusingen der Bahnstrecke Plaue–Themar.
Die gesamte Strecke von Plaue über Ilmenau und Schleusingen nach Themar ist 62 Kilometer lang.

Die erste preußische Zahnradstrecke
Der Abschnitt von Stützerbach nach Schleusingerneundorf war als erste preußische Eisenbahn mit einer Zahnstange nach dem System Abt ausgerüstet.
Die Zahnstange sollte die Züge auf der enormen Neigung sicher halten.
Der Betrieb wurde im August 1904 als Zahnradbahn aufgenommen.
Die Bauarbeiten hatten nur 15 Monate gedauert.
Gut zu wissen
Die Rennsteigbahn erreicht bis zu 61,2 Promille Neigung und hat ihren höchsten Punkt am Spitzkehrenbahnhof Rennsteig auf 747,7 Metern. Sie wurde im August 1904 als Zahnradbahn eröffnet.
Der planmäßige Personenverkehr endete 1998, seit 2014 fahren am Wochenende wieder Züge bis zum Bahnhof Rennsteig. Auf dem Abschnitt Ilmenau–Schleusingen veranstaltet die Rennsteigbahn GmbH & Co KG Museumsfahrten mit Dampf.
Günstiger als geplant
Erste Pläne für eine Bahn von Ilmenau über Stützerbach nach Suhl gab es schon im Jahr 1868.
Sie scheiterten an aufwendigen Bauwerken und daran, dass mehrere Länder zustimmen mussten.
Erst 1899 fiel die Entscheidung für den Bau, der 1903 begann.
Die Baukosten lagen am Ende bei 3 Millionen statt der geplanten 4,4 Millionen Mark, unter anderem weil viele Gastarbeiter beteiligt waren.
156 Höhenmeter hinter Stützerbach
Hinter Stützerbach beginnt der erste Steilstreckenabschnitt der Rennsteigbahn.
Auf 4,4 Kilometern überwindet die Bahn dort 156 Höhenmeter.
Im Tal des Göpfersbachs folgt der steilste Abschnitt nördlich des Rennsteigs mit teils über 60 Promille.
Die Bundesstraße 4 nimmt denselben Anstieg in Serpentinen.
Ein Spitzkehrenbahnhof auf 747,7 Metern
Der Scheitelpunkt der Strecke ist der Spitzkehrenbahnhof Rennsteig auf 747,7 Metern über dem Meer.
Dahinter geht es auf einem Abschnitt mit 59 Promille zwei Kilometer hinab nach Schmiedefeld am Rennsteig.
Am Hang des Nahetals folgen zwei weitere Steilstücke mit 59 Promille.
Ein letzter Abschnitt mit 59 Promille führt schließlich hinab ins Erletal nach Schleusingen.
Loks, die die Zahnstange überflüssig machten
Später kamen fünffach gekuppelte Tenderloks der Baureihe 94 auf die Strecke.
Sie schafften die Steilstrecken hinter Ilmenau ohne Zahnrad, allein durch Reibung.
Im Jahr 1922 wurden deshalb alle Zahnradlokomotiven nach Suhl umbeheimatet.
Auf dem Steilstück hielten sich die Dampfloks der Baureihe 94 bis 1971, dann übernahmen Dieselloks.
Leichte und starke Dieselloks
Für die Steilstrecken eignete sich besonders die Baureihe 118, die nur 15,6 Tonnen Achslast hatte.
Je nach Bauart leistete sie 2.000 bis 2.400 PS.
Schwerere Loks der Baureihen 120 und 131/132 waren für die Steilstreckenabschnitte zu schwer.
Die Steilstrecken blieben deshalb der modernisierten Baureihe 118 vorbehalten.
Urlaubszüge bis nach Berlin
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Strecke nur örtliche Bedeutung.
In der DDR blühte der Tourismus im Thüringer Wald auf, und es gab durchgehende Urlaubszüge von Schmiedefeld bis Berlin.
Das Kursbuch 1990/1991 nennt noch ein tägliches Zugpaar von Schmiedefeld nach Magdeburg.
Von 1913 bis 1965 zweigte am Bahnhof Rennsteig außerdem eine Strecke nach Frauenwald ab.
Das Ende des Regelverkehrs 1998
Der Güterverkehr auf der Steilstrecke von Stützerbach nach Schleusingen endete schon am 1. Januar 1970.
Auf der übrigen Strecke wurde er am 31. Dezember 1993 eingestellt.
Am 23. Mai 1998 endete auch der planmäßige Personenverkehr.
Im Jahr 2003 übernahm die Rennsteigbahn GmbH & Co KG den Abschnitt von Ilmenau nach Schleusingen.
Dampf und Shuttle am Wochenende
Die neue Betreiberin unterhält die Strecke und veranstaltet Museumsfahrten, meist mit Dampfloks der Baureihe 94.5–17.
Seit Juni 2014 fahren an Wochenenden und Feiertagen wieder Regionalzüge bis zum Bahnhof Rennsteig.
Bis zum 26. August 2014 nutzten 9.476 Fahrgäste diese Züge und nahmen 1.041 Fahrräder mit.
Seit 2017 betreibt die Süd-Thüringen-Bahn die vier Fahrten von und zum Bahnhof Rennsteig.
Die ganze Strecke von Plaue bis Themar
Schon ab Plaue steigt die Strecke mit 1:50 bis 1:70 an und hat Radien von teilweise nur 300 Metern.
Beim Bau des Abschnitts bis Ilmenau kamen 2.950 Kilogramm Dynamit, 8.810 Kilogramm Schwarzpulver und 115.000 Zündhütchen in rund 10.000 Bohrlöchern zum Einsatz.
Zwischen Plaue und Ilmenau fahren heute täglich im Stundentakt Züge der Süd-Thüringen-Bahn.
Ab Ilmenau bis Rennsteig fahren sie nur an Samstagen, Sonn- und Feiertagen im Zweistundentakt.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
