Standpunkt
„Die Tram durch den Englischen Garten fällt heute aus, Grund ist ein Einspruch des Grundstückseigentümers.“
Sollte die Münchner Tram durch den Englischen Garten fahren?
→ Ein Standpunkt zur geplanten Tram-Nordtangente durch den Englischen Garten in München.
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Worum es geht
Ja, aber behutsam. Eine kurze Querung ohne Oberleitung würde zwei Äste des Tramnetzes direkt verbinden. Der Park ist aber eine der größten innerstädtischen Grünanlagen der Welt, deshalb muss jede Strecke dort so schonend wie möglich geplant werden.
Der Englische Garten in München gehört mit 3,75 Quadratkilometern zu den größten städtischen Parkanlagen der Welt.
Seit rund hundert Jahren gibt es immer wieder Pläne, eine Straßenbahn quer durch den Park zu führen.
Zuletzt war eine Tram-Nordtangente vom Elisabethplatz in Schwabing zur Tivolistraße geplant.
Im Juli 2024 zog der Freistaat Bayern als Eigentümer des Parks seine Zustimmung jedoch endgültig zurück.

Ein Park von Weltrang
Der Englische Garten entstand ab 1789 auf Anregung des Kriegsministers Benjamin Thompson, des späteren Grafen Rumford.
Er zählt zu den ersten großen Parkanlagen auf dem europäischen Kontinent, die von jedermann betreten werden durften.
Jährlich kommen rund fünf Millionen Besucher.
Der südliche Teil zur Innenstadt hin umfasst etwa 130 Hektar, der nördliche etwa 245 Hektar.
Getrennt werden beide Teile vom vierspurigen Isarring, auf dem täglich rund 110.000 Autos fahren.

Hundert Jahre Tram-Pläne
In den vergangenen hundert Jahren gab es verschiedene Pläne für eine Tramlinie durch den Park, verwirklicht wurde keiner.
Die jüngste Planung sah eine Strecke vom Elisabethplatz über den U-Bahnhof Giselastraße und den Englischen Garten zur Tivolistraße vor.
Am Elisabethplatz fährt heute die Linie 27, an der Tivolistraße die Linie 16.
Damit wären zwei Äste des Tramnetzes nördlich der Innenstadt direkt miteinander verbunden worden.
Ohne Oberleitung durch das Grün
Um den Park zu schonen, sollten die Züge zusätzliche Energiespeicher bekommen.
So hätten sie den Englischen Garten ganz ohne Oberleitung durchqueren können.
Bereits im Juli 2017 fanden im Park Untersuchungen an Bäumen statt.
Zwischen November 2017 und Juli 2019 wurde an insgesamt zwölf Stellen der Baugrund untersucht.
Die Vorbereitung war damit schon ein gutes Stück vorangekommen.
Vom Ja zum Nein
Im Juli 2017 sprach sich der damalige Ministerpräsident für das Projekt aus.
Im September 2017 stimmte der Freistaat als Eigentümer des Parks einer Wiederaufnahme der Planung zu.
Im Januar 2018 bat der Münchner Stadtrat die Verwaltung und die Stadtwerke formell, die Planungen wieder aufzunehmen.
Im Juli 2024 zog die Staatsregierung ihre Zustimmung für die Strecke durch den Park endgültig zurück.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat die Planungen für diese Neubaustrecke daraufhin eingefroren.
Ein Zeitplan, der immer länger wurde
Ursprünglich war eine Inbetriebnahme für 2025 vorgesehen.
Im Juli 2022 beschloss der Stadtrat eine neue Planung auf der Leopoldstraße.
Die Tram sollte dort auf dem 700 Meter langen Abschnitt zur Münchner Freiheit eigene Gleise bekommen.
Ende 2022 rechnete die Verwaltung mit einem Baubeginn erst im Jahr 2027.
Für den Abschnitt durch den Park war der Baubeginn damals für 2025 angesetzt.
Was von der Nordtangente bleibt
Weiterverfolgt wird nur ein Teil des Projekts, die Tram nach Johanneskirchen.
Sie soll von der Strecke nach St. Emmeram abzweigen und auf etwa einem Kilometer den S-Bahnhof Johanneskirchen erreichen.
Damit entstünde eine neue Verbindung zur S-Bahn-Linie S8 in Richtung Flughafen.
Nach dem Stand von 2024 wird mit einer Fertigstellung nicht vor Ende 2027 gerechnet.
Klagen von Anwohnern könnten den Bau weiter verzögern.
Straße, Park und Verkehr
Ganz frei vom Verkehr ist der Englische Garten schon heute nicht, der Isarring zerschneidet ihn mit täglich rund 110.000 Autos.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verbindung zu dieser Hauptverkehrsstraße sogar noch erweitert.
Eine leise Tram ohne Oberleitung wäre im Vergleich dazu ein kleiner Eingriff.
Trotzdem würden für Gleise und Haltestellen Flächen im Park gebraucht, die heute grün sind.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Pro und Contra
Dafür
+ Die Tangente würde zwei Äste des Tramnetzes direkt verbinden und neue Direktverbindungen im Münchner Norden schaffen.
+ Mit Akkus käme die Bahn im Park ganz ohne Oberleitung aus.
+ Ein Park, der schon von einer Straße mit 110.000 Autos am Tag zerschnitten wird, verträgt auch eine leise Tram.
+ Die Planung war weit fortgeschritten, Baugrund und Bäume waren bereits untersucht.
+ Eine elektrische Tram fährt leise und ohne Abgase.
+ Stadtrat und Verkehrsbetriebe hielten das Projekt über Jahre für sinnvoll.
Dagegen
− Der Englische Garten ist eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt und besonders schützenswert.
− Jährlich rund fünf Millionen Besucher kommen vor allem, um sich dort zu erholen.
− Für Gleise und Haltestellen würden Flächen im Park versiegelt.
− Der Freistaat als Eigentümer hat seine Zustimmung im Jahr 2024 endgültig zurückgezogen.
− Der Zeitplan hat sich immer wieder verschoben.
− Zusätzliche Akkus machen die Züge schwerer und die Technik aufwendiger.
Unterm Strich
Eine Tram durch den Englischen Garten ist seit hundert Jahren ein Münchner Dauerthema.
Eine leise Querung ohne Oberleitung wäre ein vertretbarer Eingriff für einen großen Gewinn im Netz.
Nach dem Nein des Freistaats von 2024 braucht es aber einen neuen Anlauf, der den Park noch stärker schützt.
Bis dahin bleibt die Tram nach Johanneskirchen der einzige Rest der Nordtangente.
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