Standpunkt
„Regional-Express zum Flughafen Hahn, geplante Abfahrt erst 2010, dann 2014, bitte auf weitere Ansagen achten.“
Sollte die Hunsrückquerbahn zum Flughafen Hahn reaktiviert werden?
→ Ein Standpunkt zur Reaktivierung der Hunsrückquerbahn für den Personenverkehr.
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Worum es geht
Ja, aber für den Hunsrück, nicht nur für den Flughafen. Die Strecke kann Simmern, Kirchberg und viele kleinere Orte wieder an die Schiene bringen. Nach zwei Jahrzehnten Planung braucht das Projekt aber endlich einen verbindlichen Zeitplan und eine ehrliche Rechnung.
Die Hunsrückquerbahn zweigt in Langenlonsheim von der Nahetalbahn ab und führt über Simmern bis nach Hermeskeil.
Personenzüge fahren auf ihr seit 1984 nicht mehr.
Seit 2005 ist geplant, die Strecke bis zum Flughafen Hahn wieder für Fahrgäste zu öffnen.
Nach dem Stand von 2026 wird sie aber erst einmal nur für den Güterverkehr instand gesetzt.

Eine Bahn über den Hunsrück
Die Strecke wurde in Etappen gebaut, der erste Abschnitt von Langenlonsheim nach Simmern ging am 6. Oktober 1899 in Betrieb.
Am 1. Oktober 1903 war mit dem Abschnitt Morbach–Hermeskeil die ganze Strecke befahrbar.
In den folgenden Jahrzehnten wurde sie besonders für den Transport von Holz genutzt.
Der Personenverkehr endete 1976 zwischen Simmern und Hermeskeil und 1984 auch zwischen Langenlonsheim und Simmern.
Ihren alten Namen Hunsrückbahn trägt seitdem die Strecke von Boppard nach Emmelshausen.

Der Plan von 2005
Am 23. September 2005 kündigten die Bahn und das Land Rheinland-Pfalz an, die Strecke für den Personenverkehr zum Flughafen Frankfurt-Hahn zu reaktivieren.
Der Flughafen sollte damit besser an das Rhein-Main-Gebiet angebunden werden.
Geplant waren ein stündlicher Regional-Express von Mainz zum Flughafen und alle zwei Stunden eine Regionalbahn ab Bingen.
Die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2010 vorgesehen.
Schon 2007 hieß es jedoch, dieser Termin sei nicht zu halten und die Kosten würden von 62 auf rund 85 Millionen Euro steigen.
Viel Arbeit an alten Gleisen
Auf fast der ganzen, 62 Kilometer langen Strecke mussten Schienen, Schwellen und Schotter erneuert werden.
Die Zahl der damals rund 80 Bahnübergänge sollte halbiert werden.
Die Entwurfsplanung von 2009 sah eine Inbetriebnahme im Dezember 2014 vor und rechnete mit 104 Millionen Euro.
Bei Simmern und bei Guldental-Heddesheim sollten zwei zweigleisige Begegnungsabschnitte entstehen.
Im Frühjahr 2013 begannen die Planfeststellungsverfahren für die einzelnen Abschnitte.
Zu langsam für den Flughafen
Der Regional-Express sollte von Mainz 90 Minuten und von Frankfurt 130 Minuten bis zum Flughafen brauchen.
Mit dem Auto dauert die Fahrt von Mainz etwa 60 Minuten und von Frankfurt etwa 90 Minuten.
Die damalige Opposition im Landtag hielt die Bahn deshalb für nicht attraktiv genug.
Eine Verbindungskurve bei Gensingen hätte nach Angaben der Opposition 30 Minuten gespart, das Ministerium sprach von nur drei Minuten.
Die sogenannte Gensinger Spange wurde auch wegen zusätzlicher Kosten von 30 Millionen Euro verworfen.
Neuer Schwerpunkt Hunsrück
Nach 2015 lief ein neues Planfeststellungsverfahren, das weniger den Flughafen und mehr die Erschließung des Hunsrücks in den Blick nahm.
Neben Sohren, Kirchberg, Simmern, Rheinböllen und Stromberg waren nun auch Halte in Windesheim und Guldental vorgesehen.
Die Züge sollten über Langenlonsheim nach Bingen und von dort über Ingelheim nach Mainz fahren.
Im März 2018 befand sich das Projekt nach Angaben des Landes in der vierten Planungsphase.
Wegen vieler Einwendungen wurde ein Planfeststellungsbeschluss frühestens Ende 2018 erwartet.
Güterzüge und Gerichte
Zwischen Ende 2017 und Ende 2018 setzte ein Übertragungsnetzbetreiber den Abschnitt Langenlonsheim–Stromberg für Transformatortransporte instand.
Im August 2021 bot die Bahn die noch betriebene Strecke bis Büchenbeuren zur Übernahme an und begründete dies mit Unwirtschaftlichkeit.
Das Verwaltungsgericht Koblenz verpflichtete die Bahn jedoch, den Abschnitt zwischen Stromberg und Büchenbeuren instand zu setzen.
Seit Januar 2024 wird die Strecke für Güterzüge mit höchstens 20 km/h ertüchtigt.
Die Freigabe wurde mehrfach verschoben, im September 2026 auf Ende Oktober 2027.
Ein Flughafen im Wandel
Die frühere Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt-Hahn meldete im Oktober 2021 Insolvenz an.
Seit Mai 2023 betreibt ein neues Unternehmen den Flughafen, der sich seitdem Hahn Airport nennt.
Als Frachtflughafen ist Hahn nach dem Stand von 2025 der fünftgrößte in Deutschland.
Ohne Bahn bleibt der Flughafen im öffentlichen Verkehr auf Busse angewiesen.
Die Touristikbahn im Westen
Von 2008 bis 2013 arbeiteten eine Verkehrsgesellschaft und ein Förderverein daran, den 50 Kilometer langen Abschnitt Büchenbeuren–Hermeskeil für touristische Fahrten wiederzubeleben.
Eine Reaktivierung der Reststrecke von Hermeskeil nach Morbach scheiterte an nötigen Investitionen und finanziellen Problemen des Betreibers.
Das zeigt, wie schwer es ist, eine lange stillgelegte Strecke dauerhaft zurückzuholen.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Pro und Contra
Dafür
+ Simmern, Kirchberg und viele kleinere Orte im Hunsrück bekämen wieder einen Anschluss an die Schiene.
+ Die Gleise liegen noch und werden gerade für den Güterverkehr instand gesetzt.
+ Die Planung hat sich seit 2015 stärker auf die Menschen im Hunsrück ausgerichtet, mit zusätzlichen Halten.
+ Eine durchgehende Verbindung nach Mainz würde Pendlern eine Alternative zur Straße bieten.
+ Auch Beschäftigte am Flughafen könnten mit der Bahn zur Arbeit fahren.
+ Das Land hat das Projekt über Jahre in seinen Planungen geführt, etwa im Rheinland-Pfalz-Takt 2015.
Dagegen
− Nach zwei Jahrzehnten Planung ist noch kein Personenzug gefahren, und die Kosten stiegen schon früh von 62 auf über 100 Millionen Euro.
− Mit 90 Minuten ab Mainz wäre die Bahn deutlich langsamer als das Auto.
− Der Flughafen hat eine Insolvenz hinter sich, auf ihn allein lässt sich eine Bahn kaum stützen.
− Die Bahn wollte die Strecke 2021 sogar abgeben, weil sie sie für unwirtschaftlich hielt.
− Selbst die Instandsetzung für langsame Güterzüge verzögert sich immer wieder.
− Der Umweg über Bingen mit Fahrtrichtungswechsel kostet zusätzliche Zeit.
Unterm Strich
Die Hunsrückquerbahn ist ein Lehrstück dafür, wie lange eine Reaktivierung dauern kann.
Als reine Flughafenbahn wäre sie heute schwer zu begründen.
Als Bahn für den Hunsrück mit Halten in vielen Orten kann sie dagegen sinnvoll sein.
Dafür braucht es nach Jahren der Ankündigungen aber endlich einen verbindlichen Plan des Landes.
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