Standpunkt
„Willkommen im Billigzug, Gepäck, Sitzplatzwahl und WLAN kosten heute leider extra.“
Sollte die Deutsche Bahn eine Billigmarke wie Ouigo gründen?
→ Ein Standpunkt zum Fernverkehr und seinen Preisen.
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Worum es geht
Ja, als Versuch auf ausgewählten Strecken. Ein einfacher Fernzug mit klaren Regeln und niedrigen Preisen könnte neue Fahrgäste gewinnen, darf aber nicht dazu führen, dass der normale ICE schlechter oder teurer wird.
In Frankreich fährt seit 2013 ein Hochgeschwindigkeitszug, der nach dem Vorbild der Billigflieger funktioniert.
Er heißt Ouigo und ist oft fast ausgebucht.
Sollte auch die Deutsche Bahn eine eigene Billigmarke im Fernverkehr gründen?

Die Idee aus Frankreich
Ouigo ist eine 2013 eingeführte Marke und Zuggattung der französischen Staatsbahn SNCF.
Sie bietet günstige Fernzüge an, die auf bestimmte Komfortmerkmale der teureren Angebote verzichten.
Die Züge fahren meist ab oder nach Paris und erreichen etwa 60 Orte in Frankreich sowie Mons und Brüssel in Belgien.
Mit Stand 2024 sind etwa 20 Prozent der Hochgeschwindigkeitsfahrten der SNCF Ouigo-Fahrten.
Die ersten Ouigo-Züge fuhren am 2. April 2013 ab Marne-la-Vallée bei Paris in den Südosten Frankreichs.

Wie beim Billigflieger
Fahrkarten gibt es nur online über die Website oder die App, nicht am Automaten oder Schalter.
Sie müssen vor Fahrtantritt gekauft sein.
Reisende sollen bereits 30 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof sein, weil die Fahrkarten schon beim Einstieg kontrolliert werden.
So reichen vier Beschäftigte für die Betreuung eines ganzen TGV.
Kontakt zum Kundendienst ist nur über ein Webformular möglich.
Was extra kostet
Im Grundpreis sind nur ein kleineres Gepäckstück und ein Handgepäck enthalten.
Weitere Koffer kosten je nach Zeitpunkt der Buchung zwischen fünf und 20 Euro.
Auch eine Sitzplatzreservierung und das WLAN kosten Aufpreis.
Eine erste Klasse gibt es nicht.
Erwachsene zahlen je nach Strecke und Buchungszeitpunkt zwischen 10 und 115 Euro, Kinder unter zwölf Jahren pauschal fünf oder acht Euro.
Volle Doppelstockzüge
Für Ouigo werden umgebaute TGV-Duplex-Züge eingesetzt, die nur eine zweite Klasse und keinen Speisewagen haben.
In einem Zug finden so bis zu 644 Fahrgäste Platz, 20 Prozent mehr als in üblichen TGV.
Meist fahren zwei Einheiten zusammen mit dann 1268 Sitzplätzen.
Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Auslastung nach Angaben der SNCF bei 90 Prozent.
Im Sommer 2024 standen 38 solcher Züge für Ouigo bereit.
Auch auf klassischen Strecken
Seit April 2022 gibt es auch Ouigo-Züge abseits der Schnellfahrstrecken, etwa zwischen Paris und Nantes.
Sie bestehen aus älteren Wagen, die von Lokomotiven mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde gezogen werden.
Erwachsene zahlen dort feste Preise zwischen 10 und 30 Euro, Kinder pauschal fünf Euro.
Seit Dezember 2024 fährt ein solcher Zug dreimal täglich zwischen Paris und Brüssel.
Betrieben werden diese Züge von einer Tochtergesellschaft, für deren Personal nicht die Arbeitsbedingungen der SNCF übernommen werden mussten.
Der Weg nach Spanien
Seit Mai 2021 fährt Ouigo im Zuge der Öffnung des Bahnmarkts auch in Spanien.
Zuerst verbanden fünf Zugpaare Barcelona mit Madrid.
Seit dem 28. April 2023 fahren Züge von Madrid auch nach Albacete und Alicante.
Die spanische Staatsbahn Renfe führte im Juni 2021 selbst eine eigene Billigmarke ein.
Seit November 2022 ist mit iryo ein weiterer Anbieter im spanischen Hochgeschwindigkeitsverkehr unterwegs.
Billig fahren in Deutschland
In Deutschland gibt es mit Flixtrain bereits einen privaten Anbieter mit günstigen Fernzügen.
Im April 2018 startete Flixtrain auf den Strecken Stuttgart–Berlin und Hamburg–Köln.
Die Züge haben nur eine Wagenklasse und keinen Speisewagen, die Preise richten sich nach der Nachfrage.
Im Jahr 2018 verkaufte das Unternehmen rund 750.000 Fahrkarten.
Ende Mai 2025 bestellte es 30 Hochgeschwindigkeitszüge beim Hersteller Talgo.
Was eine deutsche Billigmarke bräuchte
Eine eigene Billigmarke wäre für die Deutsche Bahn ein neuer Schritt.
Sie bräuchte freie Trassen, passende Züge und Bahnhöfe, an denen der Einstieg schnell geht.
In Frankreich fährt Ouigo seit Juni 2020 auch die zentralen Bahnhöfe in Lyon an, mit Direktverbindungen ins Zentrum von Paris.
Das zeigt, dass Billigzüge nicht nur Randbahnhöfe bedienen müssen.
Entscheidend wäre, ob zusätzliche Fahrgäste kommen oder nur bestehende Kunden umsteigen.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Pro und Contra
Dafür
+ Niedrige Preise könnten Menschen in den Zug holen, die bisher Fernbus, Auto oder Flugzeug nutzen.
+ Volle Doppelstockzüge sind besonders effizient und senken die Kosten je Fahrgast.
+ Eine Auslastung von rund 90 Prozent in Frankreich zeigt, wie groß die Nachfrage sein kann.
+ Eine eigene Marke würde der Bahn helfen, im Wettbewerb mit Flixtrain mitzuhalten.
+ Klare, einfache Regeln können für junge und preisbewusste Reisende attraktiv sein.
+ Ein Versuch auf wenigen Strecken wäre überschaubar und ließe sich gut auswerten.
Dagegen
− Viele Zusatzgebühren können den günstigen Grundpreis am Ende deutlich teurer machen.
− Ein Kundendienst nur per Webformular passt schlecht zu einem Staatsunternehmen.
− Auf vollen deutschen Strecken fehlt oft der Platz für zusätzliche Züge.
− Billigzüge könnten Fahrgäste aus dem normalen ICE abziehen und dort Einnahmen senken.
− Eine Tochterfirma mit eigenen Arbeitsbedingungen könnte Löhne und Standards unter Druck setzen.
− Ohne Bordbistro, Flexibilität und Kundendienst verliert Bahnfahren einen Teil seines Komforts.
Unterm Strich
Ouigo zeigt, dass Billigzüge funktionieren können, wenn sie konsequent geplant sind.
Für die Deutsche Bahn wäre ein Versuch auf ausgewählten Strecken sinnvoll.
Wichtig ist, dass der normale Fernverkehr dadurch nicht schlechter oder teurer wird.
Und die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für niedrige Preise bezahlen.
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