Standpunkt
„Linie 8 nach Weyhe-Leeste, bitte einsteigen, planmäßige Ankunft voraussichtlich im Jahr 2027.“
Sollte die Bremer Straßenbahn nach Stuhr und Weyhe verlängert werden?
→ Ein Standpunkt zur Verlängerung der Bremer Straßenbahnlinie 8 ins niedersächsische Umland.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Ja. Die Linie nutzt größtenteils vorhandene Gleise einer alten Kleinbahn und bringt Stuhr und Weyhe ohne Umstieg in die Bremer Innenstadt. Dass sich die Fertigstellung von 2019 auf 2027 verschoben hat, zeigt aber, wie dringend schnellere Genehmigungen wären.
Stuhr und Weyhe grenzen direkt an den Süden Bremens, doch eine Straßenbahn fährt bisher nicht dorthin.
Die Bremer Linie 8 endet heute in Huchting.
Künftig soll sie über die Gleise der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn bis nach Weyhe-Leeste fahren.
Nach dem Stand von 2025 wird mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2027 gerechnet.

Ein wachsendes Straßenbahnnetz
Die Straßenbahn ist das wichtigste Verkehrsmittel im Bremer Nahverkehr.
Ihr Netz hat eine Linienlänge von 110,5 Kilometern und wird seit 1998 schrittweise ausgebaut.
Seit 2013 fahren im Liniendienst ausschließlich Niederflurwagen.
Bisher überquert nur die Linie 4 nach Lilienthal die Landesgrenze nach Niedersachsen.
Die Linie 8 fährt über die zentrale Nord-Süd-Achse der Innenstadt bis in den Süden der Stadt.

Eine Kleinbahn als Grundlage
Die Bremen-Thedinghauser Eisenbahn wurde als Kleinbahn gegründet und am 1. Oktober 1908 zwischen Huchting und Brinkum eröffnet.
Im Jahr 1910 erreichte sie zunächst Leeste und dann Thedinghausen.
Am 1. Oktober 1955 endete der Personenverkehr.
Seit dem Jahr 2000 gehört die Strecke einer Gesellschaft der Gemeinden Stuhr, Weyhe und Thedinghausen, den Betrieb führt die Weserbahn.
Heute fahren dort Güterzüge und die Museumsbahn Pingelheini.
Stuhr und Weyhe vor den Toren Bremens
Stuhr ist mit rund 33.500 Einwohnern die größte Kommune im Landkreis Diepholz.
Die Gemeinde ist zugleich die zweitgrößte in Deutschland ohne Stadtrechte.
Weyhe schließt direkt an die südliche Grenze der Stadt Bremen an.
Viele Menschen aus Stuhr orientieren sich nach Bremen, nach Delmenhorst oder nach Oldenburg.
Der lange Weg zum Baurecht
Pläne, die Kleinbahnstrecke zwischen Moordeich und Leeste für die Straßenbahn zu nutzen, gibt es seit vielen Jahren.
Im Januar 2008 stimmte nach Stuhr auch die Gemeinde Weyhe der Verlängerung zu.
Eigentlich sollte die Linie 8 bis Ende 2019 fertig sein.
Wegen einer Klage konnte der Bau 2017 aber nicht beginnen.
Erst seit Januar 2022 gibt es Baurecht für den Abschnitt auf niedersächsischem Boden.
Jetzt wird gebaut
Am 4. November 2023 begannen offiziell die Bauarbeiten auf niedersächsischer Seite.
Auf Bremer Seite wird die Strecke vom Roland-Center in Huchting bis zur Landesgrenze seit November 2024 gebaut.
Sie verläuft größtenteils über die Gleise der alten Kleinbahn.
Parallel wird die Linie 1 nach Mittelshuchting verlängert, auch sie soll 2027 eröffnet werden.
Nach dem Stand von Mai 2025 wird mit dem Betrieb bis Weyhe-Leeste im Jahr 2027 gerechnet.
Kritik vor Ort
Das Projekt war in der Bevölkerung nicht unumstritten.
Anlieger befürchteten eine Wertminderung ihrer Grundstücke, weil die Gleise teils sehr dicht an den Parzellen vorbeiführen.
Der Beirat Huchting lehnte die Verlängerungen der Linien 1 und 8 ab und wollte die Buslinien 57 und 58 erhalten.
Er wünschte sich stattdessen eine Führung nach Stuhr über die Kirchhuchtinger Landstraße.
Außerdem erschließt die Straßenbahn nicht alle Teile von Stuhr und Moordeich so flächig wie Busse.
Was die Fahrgäste gewinnen
Gegenüber dem Bus sollen Fahrgäste an den neuen Haltestellen bis zu fünf Minuten schneller in der Bremer Innenstadt sein.
Vor allem entfällt das Umsteigen, weil die Bahn direkt ins Zentrum fährt.
Die Strecke nutzt eine vorhandene Trasse, was neue Eingriffe begrenzt.
Für die alte Kleinbahn bedeutet das mehr als siebzig Jahre nach dem Ende ihres Personenverkehrs die Rückkehr der Fahrgäste.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Pro und Contra
Dafür
+ Stuhr und Weyhe bekommen eine direkte Straßenbahnverbindung in die Bremer Innenstadt ohne Umsteigen.
+ Die Linie nutzt größtenteils die vorhandenen Gleise einer Kleinbahn.
+ Fahrgäste sind nach den Planungen bis zu fünf Minuten schneller im Zentrum als mit dem Bus.
+ Beide Gemeinden haben der Verlängerung früh zugestimmt.
+ Die Linie nach Lilienthal zeigt, dass eine Straßenbahn über die Landesgrenze möglich ist.
+ Die Bauarbeiten laufen bereits auf beiden Seiten der Landesgrenze.
Dagegen
− Die Fertigstellung hat sich von 2019 auf 2027 verschoben.
− Anwohner fürchten Lärm und eine Wertminderung ihrer Grundstücke.
− Teile von Stuhr und Moordeich werden von der Bahn weniger flächig erschlossen als von Bussen.
− Im Stadtteil Huchting gab es Widerstand gegen die neue Linienführung.
− Wenn Buslinien wegfallen, können manche Wege zur Haltestelle länger werden.
− Klagen haben das Projekt um Jahre verzögert.
Unterm Strich
Die Verlängerung der Linie 8 ist ein vernünftiges Projekt, das eine alte Kleinbahntrasse sinnvoll nutzt.
Stuhr und Weyhe rücken damit näher an Bremen heran.
Die lange Verzögerung zeigt aber, wie mühsam selbst kurze Straßenbahnstrecken durch die Genehmigung kommen.
Ab 2027 heißt es dann hoffentlich: Linie 8 nach Weyhe-Leeste, bitte einsteigen.
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