Sollte die Berliner U7 bis zum Flughafen BER verlängert werden?

Standpunkt

„Endstation Rudow, zum Flughafen bitte in den Expressbus umsteigen.“

Sollte die Berliner U7 bis zum Flughafen BER verlängert werden?

→ Ein Standpunkt zur Verlängerung der U-Bahn-Linie U7 über Schönefeld zum Flughafen BER.

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Worum es geht

Ja, aber. Die Verlängerung nützt vor allem den Wohngebieten in Rudow und Schönefeld und den Beschäftigten am Flughafen. Bei Kosten von über 800 Millionen Euro muss sie ihren Nutzen aber belastbar nachweisen und darf dringendere Bahnprojekte nicht verdrängen.

Die U7 ist mit 31,8 Kilometern und 40 Stationen die längste U-Bahn-Linie Berlins.

Sie fährt von Spandau bis nach Rudow am südöstlichen Stadtrand, nur wenige Kilometer vom Flughafen Berlin Brandenburg entfernt.

Seit Jahren wird darüber nachgedacht, die Linie über Schönefeld bis zum Flughafen zu verlängern.

Nach dem Stand von 2025 ist aber offen, ob und wann das geschieht.

Berlin U Bahnhof Rudow ()
Foto: Ingolf, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die längste U-Bahn-Linie der Stadt

Die U7 fährt vollständig unterirdisch und braucht für die ganze Strecke 56 Minuten.

Von 1984 bis 1988 hielt sie den Rekord als längster Tunnel der Welt.

Sie verbindet zwölf Ortsteile in fünf Bezirken, von Rudow und Neukölln über Kreuzberg und Charlottenburg bis nach Spandau.

Ursprünglich war sie ein Zweig der heutigen U6 und wurde erst 1966 zur eigenen Linie.

Danach wurde sie über Jahrzehnte in Etappen verlängert, zuletzt 1984 bis Rathaus Spandau.

Berlin U Bahnhof Rudow ()
Foto: Ingolf, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Rudow und die Gropiusstadt

Der Endbahnhof Rudow wurde 1972 eröffnet.

Die Strecke dorthin entstand zusammen mit der Großsiedlung Britz-Buckow-Rudow, der heutigen Gropiusstadt.

Rudow hatte bei der letzten West-Berliner Volkszählung 1987 rund 48.000 Einwohner.

Heute verbindet ein Expressbus den U-Bahnhof Rudow über die Lieselotte-Berger-Straße mit dem Flughafen.

Wer mit der U7 zum BER will, muss also in Rudow in den Bus umsteigen.

Wie der BER schon angebunden ist

Der Flughafen Berlin Brandenburg zählte 2025 rund 26,1 Millionen Passagiere und war damit der drittgrößte Flughafen Deutschlands.

Unter dem Terminal liegt ein Bahnhof, an dem die S-Bahn-Linien S9 und S85 sowie Regional- und Fernzüge halten.

Seit Oktober 2020 fährt der Flughafen-Express vom Berliner Hauptbahnhof in rund 30 Minuten zum BER.

Für die S-Bahn wurde eine 8,6 Kilometer lange Strecke vom alten Bahnhof Schönefeld zum neuen Flughafenbahnhof gebaut, mit einem zusätzlichen Halt in Waßmannsdorf.

Wegen dieser Anbindung hatte Berlin eine U-Bahn zum Flughafen zwischenzeitlich nicht weiterverfolgt.

Die Pläne für die Verlängerung

Erste Überlegungen zu einer Verlängerung nach Süden gab es schon 2003 beim Stadtentwicklungsplan Verkehr.

Inzwischen hält der Senat eine Verlängerung nur auf Berliner Stadtgebiet nicht mehr für zielführend.

Die rund 8,5 Kilometer lange Strecke soll das Wohngebiet um den Lieselotte-Berger-Platz, die Gemeinde Schönefeld und den Flughafen erschließen.

Geplant sind mindestens drei neue Stationen, nach manchen Überlegungen könnten es südlich von Rudow bis zu sieben werden.

Erwartet werden insgesamt 35.000 Fahrgäste am Tag.

Was die Strecke kosten würde

Für die Verlängerung wird mit Kosten von 811 bis 890 Millionen Euro gerechnet.

Am 10. November 2023 begann eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für die Strecke zum Flughafen.

Die Kosten-Nutzen-Analyse kam zu einem positiven Ergebnis.

Einen Zeitrahmen für den Bau gibt es trotzdem noch nicht.

Weil die Strecke über die Landesgrenze in die Brandenburger Gemeinde Schönefeld führt, ist sie ein Projekt für zwei Länder.

Schönefeld direkt hinter der Stadtgrenze

Die Gemeinde Schönefeld grenzt unmittelbar an den Südosten Berlins, unter anderem an Rudow und die Gropiusstadt.

Auf ihrem Gebiet liegen der Flughafen und das Autobahnkreuz Schönefeld.

Im Norden der Gemeinde, an der Grenze zu Rudow, liegen mehrere kleine Einfamilienhaus-Siedlungen.

Die Waltersdorfer Chaussee aus Rudow ist ein wichtiger Zubringer zum Flughafen.

Ein Blick nach Westen

Auch am anderen Ende der U7 gibt es seit den 1970er Jahren Pläne für eine Verlängerung, von Rathaus Spandau in Richtung Heerstraße.

Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2020 rechnete dort mit bis zu 40.000 Fahrgästen am Tag und Kosten von etwa 580 Millionen Euro.

Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse kam im März 2026 aber zu keinem positiven Ergebnis, die Finanzierung gilt seitdem als gescheitert.

Das zeigt, dass viele Fahrgäste allein noch keine Förderung garantieren.

Wem die U-Bahn nützen würde

Eine U-Bahn hält in kurzen Abständen und erschließt damit die Wohngebiete zwischen Rudow und dem Flughafen.

S-Bahn und Flughafen-Express verbinden dagegen vor allem die Innenstadt mit dem Terminal.

Für Beschäftigte am Flughafen, die in Neukölln oder der Gropiusstadt wohnen, wäre eine direkte U-Bahn ein Gewinn.

Für Reisende aus dem Westen der Stadt ist die U7 dagegen keine schnelle Verbindung, schon heute braucht sie von Spandau bis Rudow 56 Minuten.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Pro und Contra

Dafür

+  Die Verlängerung erschließt Wohngebiete in Rudow und Schönefeld, die heute vor allem mit dem Bus angebunden sind.

+  Mit 35.000 erwarteten Fahrgästen am Tag wäre die neue Strecke gut genutzt.

+  Die Kosten-Nutzen-Analyse fiel positiv aus, das Projekt ist also mehr als Wunschdenken.

+  Beschäftigte am Flughafen könnten ohne Umstieg aus Neukölln und der Gropiusstadt zur Arbeit fahren.

+  Der Umstieg vom U-Bahnhof Rudow in den Expressbus würde entfallen.

+  Eine weitere Schienenverbindung macht den Flughafen bei Störungen weniger abhängig von einzelnen Strecken.

Dagegen

−  Mit 811 bis 890 Millionen Euro für rund 8,5 Kilometer ist die Strecke sehr teuer.

−  Der Flughafen ist mit S-Bahn, Flughafen-Express, Regional- und Fernzügen bereits gut angebunden.

−  Reisende aus dem Zentrum erreichen den BER schon heute mit dem Flughafen-Express in rund 30 Minuten ab Hauptbahnhof.

−  Die gescheiterte Verlängerung nach Westen zeigt, wie unsicher die Finanzierung solcher Großprojekte ist.

−  Einen Zeitplan gibt es nicht, Geld und Planungskräfte wären auf Jahre gebunden.

−  Ein Expressbus erfüllt die Aufgabe heute schon, wenn auch mit Umstieg.

Unterm Strich

Die U7 zum BER ist weniger eine Flughafenbahn als eine Bahn für die Wohngebiete am Stadtrand.

Dafür sprechen die positive Kosten-Nutzen-Analyse und die erwarteten 35.000 Fahrgäste am Tag.

Bei über 800 Millionen Euro müssen Berlin und Brandenburg aber genau rechnen und gemeinsam entscheiden.

Dann könnte es eines Tages heißen: Endstation Flughafen, bitte alle aussteigen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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