Standpunkt
„Der Intercity nach Prag fährt heute auf Gummireifen, Abfahrt am Busbahnhof gegenüber.“
Sollte die Bahn Lücken im Fernverkehr wieder mit eigenen Fernbussen schließen?
→ Ein Standpunkt zum Fernverkehr jenseits der Schiene.
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Worum es geht
Ja, als Ergänzung auf ausgewählten Strecken. Wo es keine schnelle Zugverbindung gibt, kann ein Bus mit Bahnfahrkarte und BahnCard-Rabatt die Lücke füllen, darf aber nie zur Ausrede für fehlende Schienen werden.
Manche Städte liegen nicht weit voneinander entfernt und sind mit dem Zug trotzdem nur umständlich zu erreichen.
Die Bahn schickte deshalb über Jahre eigene Fernbusse auf solche Strecken.
Sollte sie diese Idee wieder aufgreifen?

Der IC Bus der Bahn
Der IC Bus war ein Angebot der DB Fernverkehr, das zwischen 2009 und 2020 Fernbusfahrten im In- und Ausland anbot.
Die Busse fuhren auf Linien, auf denen die Fernzüge der Bahn als nicht konkurrenzfähig galten.
Die Fahrzeit der Busse war dort kürzer als die der Zugverbindung.
So ließ sich das Netz der Bahn ohne neue Gleise erweitern.
Für viele Reisende war der Bus damit ein Teil des Bahnangebots.

Mit Bahnfahrkarte in den Bus
Im IC Bus galten BahnCard-Ermäßigungen, Sparpreise und City-Tickets wie im Fernverkehr auf der Schiene.
Anders als im Intercity gab es eine Reservierungspflicht, die aber ohne Aufpreis im Fahrpreis enthalten war.
Fahrkarten gab es in den Reisezentren, an Automaten, am Telefon, online und im Bus selbst.
Reisende konnten Bus und Zug so in einer Buchung verbinden.
Das unterschied den IC Bus von vielen anderen Fernbusangeboten.
Von Mannheim bis Prag
Im Oktober 2020 bestand das Netz noch aus vier Linien.
Zwei davon verbanden Mannheim über Nürnberg mit Prag, eine davon in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Unternehmen RegioJet.
Eine weitere Linie führte von München nach Zürich, in Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Bundesbahnen.
Dazu kam eine Verbindung von Leipzig nach Prag.
Gerade in Richtung Tschechien fehlten damals schnelle Zugverbindungen.
Früher ein größeres Netz
In früheren Jahren fuhr der IC Bus unter anderem von Berlin über Breslau und Kattowitz nach Krakau.
Weitere Linien verbanden Berlin mit Kopenhagen, bei Tag über Rostock und nachts über Hamburg.
Von Hamburg ging es über Oldenburg und Groningen nach Amsterdam.
Von München fuhr ein Bus über Chur und Como nach Mailand, von Düsseldorf einer über Eindhoven und Gent nach Lille.
Auf den Linien nach Kopenhagen konnten nach Verfügbarkeit sogar Fahrräder mit.
Das Ende im Jahr 2020
In den letzten Jahren wurde die Zahl der Linien schrittweise auf vier verringert.
Den Rückgang der Fahrgäste in der Corona-Pandemie nahm die Bahn zum Anlass, den IC Bus zum Jahresende 2020 einzustellen.
Schon früher hatte die Bahn Busse als Ersatz für Züge ausprobiert.
Als Ersatz für wegfallende Interregio-Züge zwischen Bremen und Cuxhaven richtete sie als Pilotprojekt eine Schnellbuslinie über die Autobahn ein.
Der Bus war für die Bahn also immer auch ein Lückenfüller.
Rückkehr als Ersatzverkehr
Während der Generalsanierung der Riedbahn kam der IC Bus als Ersatzverkehr zurück.
Er fuhr zwischen Mannheim Hauptbahnhof und dem Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen.
Auch bei den Arbeiten an der Strecke Hamburg–Berlin vom 16. August bis 14. Dezember 2024 war ein solcher Einsatz zwischen Hamburg, Ludwigslust und Wittenberge geplant.
Die Marke lebt damit in der Baustellenzeit weiter.
Als reguläres Angebot gibt es sie aber nicht mehr.
Ein Markt mit einem Riesen
Seit Anfang 2013 ist der Fernbusverkehr in Deutschland weitgehend freigegeben.
Zum Schutz des Nahverkehrs dürfen Fernbusse aber keine Fahrgäste zwischen Haltestellen befördern, die höchstens 50 Kilometer auseinanderliegen.
Zwischen Januar 2013 und Dezember 2014 fielen die durchschnittlichen Fahrpreise um rund 14 Prozent.
Zeitweise entfielen 95,4 Prozent des Fernbusmarkts auf Flixbus, der IC Bus kam auf 1,2 Prozent.
Der Markt gilt damit als stark von einem Anbieter geprägt.
Die Bahn und der Fernbus
Vor der Freigabe hatte sich die Bahn für den Schutz des Schienenverkehrs vor Fernbussen eingesetzt.
Sie argumentierte, dass sich bestimmte Fernzüge sonst nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen.
Einige Verkehrswissenschaftler hielten diese Befürchtung für unbegründet.
Heute ist der Fernbus ein fester Teil des Verkehrsmarkts.
Die Frage ist, ob die Bahn ihn ergänzend für eigene Kunden nutzen sollte.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Pro und Contra
Dafür
+ Wo Züge Umwege fahren oder Strecken fehlen, ist ein direkter Bus oft schneller.
+ Bahnkunden könnten mit einer Fahrkarte und ihrer BahnCard weiterreisen.
+ Busse lassen sich schnell und ohne teure Infrastruktur auf neue Linien setzen.
+ Gerade Verbindungen ins Ausland ließen sich so rasch verbessern.
+ Ein eigenes Angebot würde der Bahn Kunden sichern, die sonst zum Wettbewerber wechseln.
+ Die Erfahrung als Ersatzverkehr bei Baustellen zeigt, dass die Bahn Busbetrieb organisieren kann.
Dagegen
− Die Bahn sollte ihre Kraft auf bessere Züge und Strecken richten, nicht auf Busse.
− Der Fernbusmarkt ist hart umkämpft, und der IC Bus hatte nur einen kleinen Anteil.
− Busse stehen im selben Stau wie Autos und sind bei langen Strecken weniger bequem.
− Ein Bus kann zur Ausrede werden, eine nötige Schienenverbindung nicht zu bauen.
− Schon einmal wurde das Angebot mangels Fahrgästen eingestellt.
− Private Anbieter decken viele Strecken bereits ab.
Unterm Strich
Der IC Bus war ein vernünftiger Lückenfüller dort, wo die Schiene zu langsam war.
Ein Comeback lohnt sich auf wenigen Strecken, besonders ins Ausland.
Wichtig ist, dass Bus und Zug mit einer Fahrkarte zusammen funktionieren.
Das eigentliche Ziel muss aber bleiben, die Lücken im Schienennetz zu schließen.
Weiterfahrt
