Standpunkt
„Dieser Zug fällt heute aus, der Grund ist kein Signal und keine Weiche, sondern ein leerer Führerstand.“
Sollte die Bahn Lokführer aus dem Ausland anwerben?
→ Ein Standpunkt zur Anwerbung von Lokführern aus anderen Ländern.
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Worum es geht
Ja, aber gut vorbereitet. Lokführer aus dem Ausland können helfen, Zugausfälle zu verringern, wenn Sprachkurse, Streckenkunde und faire Arbeitsbedingungen von Anfang an dazugehören.
Immer wieder fallen in Deutschland Regionalzüge aus, weil nicht genug Lokführer zur Verfügung stehen.
Die Ausbildung eigener Kräfte dauert Monate bis Jahre, während Fahrgäste schon heute auf dem Bahnsteig warten.
Deshalb liegt die Frage nahe, ob Eisenbahnunternehmen gezielt Personal aus anderen Ländern gewinnen sollten.

Wenn der Führerstand leer bleibt
Bei der Eurobahn kam es seit 2024 wegen Personalmangels vermehrt zu Zugausfällen, auf Teilen ihres Netzes gilt seit April 2024 ein Notfahrplan.
Die S-Bahn Stuttgart nahm im Dezember 2023 den 15-Minuten-Takt zu bestimmten Zeiten zurück und nannte Personal- und Fahrzeugmangel als Grund.
Auch die Vias GmbH musste ab Mitte 2024 wegen Personalmangels viele Fahrten auf der Rheingaulinie ausfallen lassen.
Für Pendler bedeuten solche Ausfälle volle Züge, verpasste Anschlüsse und lange Wartezeiten.

Ein Führerschein für Europa
Um die unterschiedlichen Regeln in den Mitgliedstaaten zu vereinheitlichen, verabschiedete die EU die Richtlinie 2007/59/EG.
Seitdem gibt es einen europäisch harmonisierten Triebfahrzeugführerschein.
Er gilt bei allen deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen und grundsätzlich auch im europäischen Ausland.
Für Lokführer aus anderen EU-Staaten ist der Wechsel nach Deutschland damit zumindest auf dem Papier einfacher geworden.
Die deutsche Umsetzung
In Deutschland trat im Mai 2011 die Triebfahrzeugführerscheinverordnung in Kraft.
Seitdem stellt das Eisenbahn-Bundesamt den Führerschein als behördliches Dokument aus, seine Führerscheinstelle arbeitet seit Mitte Juli 2011.
Es gibt die Klasse A für Rangierfahrten und die Klasse B für Zugfahrten, die auf Personen- oder Güterverkehr beschränkt sein kann.
Seit Oktober 2011 gelten die regelmäßigen Überprüfungen der Fachkenntnisse nach dieser Verordnung auch für sogenannte Auslandslokführer.
Mehr als ein Stück Papier
Der Führerschein allein reicht noch nicht aus, um einen Zug fahren zu dürfen.
Dazu kommt eine Zusatzbescheinigung, die dem Arbeitgeber gehört und festhält, was der Lokführer fahren darf.
Die Fahrberechtigung muss außerdem für jede Triebfahrzeugart und jede Baureihe gesondert erworben werden.
Wer aus dem Ausland kommt, muss sich deshalb zuerst mit den hier eingesetzten Fahrzeugen vertraut machen.
Jede Strecke will gelernt sein
Lokführer brauchen außerdem Streckenkenntnis, also genaues Wissen über Steigungen, Kurven und Signale einer Strecke.
Sie erwerben es durch sogenannte Belehrungsfahrten, bei denen sie auf der Lok eines Zuges mitfahren.
Ohne Streckenkenntnis darf eine Strecke nur mit einem streckenkundigen Lotsen befahren werden.
Wird eine Strecke längere Zeit nicht befahren, muss die Kenntnis meist alle zwei Jahre erneuert werden.
Sprache im Betrieb
Im Bahnbetrieb spielt die Verständigung eine zentrale Rolle, etwa über den Zugfunk mit den Leitstellen.
Wie wichtig dieser Funk ist, zeigte sein Ausfall im Oktober 2022, als der Zugverkehr in Norddeutschland für Stunden stillstand.
Bei der Deutschen Bahn informiert der Lokführer im Regionalverkehr zudem die Reisenden, wenn ihm das nicht Zugbegleiter oder Technik abnehmen.
Gute Deutschkenntnisse sind für ausländische Lokführer deshalb keine Formalie, sondern eine Frage von Sicherheit und Service.
Neue Regeln für Fachkräfte
Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz vom 15. August 2019 soll die Zuwanderung benötigter Fachkräfte gezielt steuern und steigern.
Im Juni 2023 beschloss der Bundestag eine Reform, zu der auch ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild gehört.
Sie soll es qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland einfacher und attraktiver machen, eine Stelle in Deutschland anzunehmen.
Für Eisenbahnunternehmen eröffnet das neue Möglichkeiten, auch außerhalb der EU nach Personal zu suchen.
Ein Beruf mit Schichten
Lokführer arbeiten im Schichtdienst, und gerade im Fernverkehr kommen auswärtige Übernachtungen vor.
Dienstbeginn und Dienstende liegen dann an verschiedenen Orten, die nächste Schicht beginnt dort, wo die vorige endete.
Die Übernachtung zählt bei den meisten Eisenbahnunternehmen nicht als Arbeitszeit, die Unterkunft wird aber meist bezahlt.
Wer Menschen aus dem Ausland gewinnen will, muss solche Bedingungen offen erklären und attraktiv gestalten.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Pro und Contra
Dafür
+ Jeder zusätzliche Lokführer kann Zugausfälle verhindern, die heute Pendler und Schüler treffen.
+ Ein europaweit harmonisierter Führerschein erleichtert den Wechsel zwischen den EU-Staaten.
+ Die Reform der Fachkräfteeinwanderung öffnet neue Wege auch für Bewerber von außerhalb der EU.
+ Erfahrene Lokführer aus dem Ausland brauchen oft keine komplette Ausbildung, sondern vor allem Fahrzeug- und Streckenkunde.
+ Ein vielfältiges Team kann auch im Umgang mit Fahrgästen aus aller Welt helfen.
+ Die Anwerbung ergänzt die eigene Ausbildung und überbrückt die Zeit, bis genug Nachwuchs da ist.
Dagegen
− Sprachkurse, Streckenkunde und Einarbeitung kosten viel Zeit, bevor ein neuer Lokführer allein fahren darf.
− Wer im Ausland anwirbt, kann dort Lücken reißen, wo Lokführer ebenfalls gebraucht werden.
− Missverständnisse im Zugfunk wären ein ernstes Sicherheitsrisiko.
− Ohne gute Arbeitsbedingungen wandern angeworbene Kräfte womöglich schnell wieder ab.
− Wohnungssuche, Anerkennung und Behördengänge können Neuankömmlinge lange aufhalten.
− Die Anwerbung darf nicht davon ablenken, im eigenen Land mehr und besser auszubilden.
Unterm Strich
Die Anwerbung von Lokführern aus dem Ausland ist ein sinnvoller Baustein gegen den Personalmangel.
Sie gelingt aber nur mit guten Sprachkursen, gründlicher Einarbeitung und echter Hilfe beim Ankommen.
An der Sicherheit darf dabei nicht gespart werden, die Anforderungen müssen für alle gleich bleiben.
Für Fahrgäste zählt am Ende nur eines, nämlich dass vorne jemand sitzt, der den Zug sicher ans Ziel bringt.
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