Stimmt es, dass Biber Bahndämme gefährden können?

Stimmt es, dass …?

„Wegen einer Baustelle der örtlichen Biberfamilie ist die Strecke vorübergehend nur eingleisig befahrbar.“

Stimmt es, dass Biber Bahndämme gefährden können?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

Ja, das stimmt. Biber graben ihre Baue in Böschungen und stauen Gewässer auf, und so können sie Ufer, Wege und Dämme unterhöhlen oder bei einem Dammbruch gefährliche Wassermassen freisetzen.

Der Biber ist an viele Gewässer in Deutschland zurückgekehrt, und das freut Naturschützer.

Für Bahnstrecken an Flüssen und Bächen kann der fleißige Baumeister allerdings zum Problem werden.

Wie ein Nagetier einem Bahndamm gefährlich werden kann, zeigt dieser Mythos-Check.

Bahndamm zw. Strengen und Flirsch
Foto: Josef Saurwein 19:22, 13. Okt. 2008, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

23–30 kg

Gewicht

eines ausgewachsenen Europäischen Bibers

6 m

hoher Bahndamm

1984 in Vermont nach Biberdamm-Brüchen weggespült

639.000

Biber

mindestens, in Europa und Asien laut IUCN

Der Europäische Biber war in weiten Teilen Europas verschwunden und wurde vielerorts wieder angesiedelt.

Ein Baumeister am Wasser

Europäische Biber sind große Nagetiere, die ausgewachsen zwischen 23 und 30 Kilogramm wiegen.

Sie leben am Wasser und gestalten ihren Lebensraum sehr aktiv um.

Dazu legen sie Baue an, errichten Dämme und graben sogar eigene Kanäle.

Diese Bauwerke sind für die Natur wertvoll, können aber mit menschlichen Anlagen in Konflikt geraten.

Biberdamm Eifel
Foto: Gs2006 at German Wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons

Baue in der Böschung

Europäische Biber legen ihre Baue in Böschungen von Gewässern an.

Die Eingänge liegen stets unter der Wasseroberfläche, dahinter führen mehrere Röhren zu einem trockenen Wohnkessel über dem Wasser.

Solche Röhren können das Erdreich einer Böschung von innen aushöhlen.

Führt ein Bahndamm direkt an einem Gewässer entlang, kann seine Böschung für den Biber wie ein natürliches Ufer wirken.

Gut zu wissen

In Biberbauen leben mitunter auch Untermieter wie Bisamratten, Spitzmäuse oder Ringelnattern. Die Baue haben eine Belüftungsröhre nach außen und sind sonst gut isoliert und trocken.

Die kanadische Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific führte lange einen Biber im Logo. Später ersetzte sie das traditionsreiche Biber-Logo durch einen schlichten Schriftzug.

Was als typischer Konflikt gilt

Zu den gängigen Konflikten mit dem Biber zählt die Unterminierung von Uferbereichen und Fahrwegen, bei der Einbruchgefahr besteht.

Auch Schutzwasserbauten wie Dämme können unterhöhlt werden.

Hinzu kommen Überschwemmungen von Infrastruktur und die Vernässung von Flächen, wenn der Biber Wasser aufstaut.

Ein Bahndamm, der unterhöhlt oder durchnässt wird, kann seine Tragfähigkeit verlieren.

Dämme, die Wasser stauen

Mit seinen Dämmen staut der Biber Wasserläufe, um die Eingänge seiner Baue unter Wasser zu halten.

Dadurch können Wiesen, Wälder und Wege überflutet werden.

Gefährlich wird es, wenn ein solcher Biberdamm plötzlich bricht und das gestaute Wasser auf einmal abfließt.

Durchlässe unter Bahnstrecken können dann viel mehr Wasser abbekommen, als sie fassen können.

Das Unglück von Vermont

Wie folgenreich das sein kann, zeigte ein Unglück am 7. Juli 1984 im US-Bundesstaat Vermont.

Nach heftigem Regen waren flussaufwärts Biberdämme gebrochen, und das Wasser spülte einen rund sechs Meter hohen Bahndamm auf etwa 15 Metern Länge weg.

Der Zug Montrealer mit 262 Fahrgästen und 16 Beschäftigten entgleiste, und fünf seiner 13 Wagen stürzten in den Bach.

Fünf Menschen kamen ums Leben, 29 weitere wurden schwer verletzt.

Auch in Kanada ein Thema

Im Jahr 2018 entgleiste nahe Ponton in der kanadischen Provinz Manitoba ein Zug, dabei kam ein Eisenbahner ums Leben.

Nach Medienberichten führte ein Ermittler die Entgleisung auf die Arbeit von Bibern zurück.

Zuvor hatten schwere Überschwemmungen die Strecke bereits im Frühjahr 2017 beschädigt, und der Sommer 2018 war ungewöhnlich regenreich.

Solche Fälle zeigen, dass Biber vor allem im Zusammenspiel mit Starkregen und Hochwasser zur Gefahr werden können.

Bibermanagement statt Vertreibung

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Biber streng geschützt, und seine Aktivitäten werden überwacht.

Managementpläne stellen eine Reihe von Gegenmaßnahmen bereit, um Konflikte mit Menschen gering zu halten.

Dazu gehören Öffentlichkeitsarbeit, die Überwachung der Bestände sowie vorbeugende und akute Maßnahmen.

Teilweise gibt es auch Beihilfen für Grundstückseigentümer, die durch den Biber finanzielle Einbußen erleiden.

Ein Comeback mit Folgen

Lange Zeit waren weite Teile Deutschlands und Europas biberfrei.

In Europa konnte sich der Biber nur in wenigen Restgebieten halten, darunter an der Mittleren Elbe.

Durch Wiederansiedlungen ist er inzwischen an viele Gewässer zurückgekehrt.

Die IUCN schätzt den Gesamtbestand in Europa und Asien auf mindestens 639.000 Tiere.

Das Fazit

Der Mythos stimmt, denn Biber können Bahndämme gefährden.

Sie graben Baue in Böschungen, unterhöhlen Ufer und Wege und stauen Gewässer auf.

Bricht ein Biberdamm nach Starkregen, kann das Wasser sogar einen ganzen Bahndamm wegspülen, wie 1984 in Vermont.

Mit Beobachtung und Bibermanagement lassen sich solche Konflikte aber oft entschärfen, ohne dem geschützten Tier zu schaden.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Häufige Fragen

Können Biber wirklich Bahndämme gefährden?
Ja. Sie graben Baue in Böschungen und stauen Gewässer auf, dadurch können Dämme unterhöhlt oder bei einem Dammbruch weggespült werden.
Ist schon einmal ein Zug wegen Bibern verunglückt?
Ja. Im Juli 1984 entgleiste in Vermont der Zug Montrealer, nachdem gebrochene Biberdämme einen Bahndamm weggespült hatten. Fünf Menschen starben.
Wie schwer wird ein Biber?
Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 Kilogramm.
Darf man Biber einfach vertreiben?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Biber streng geschützt. Konflikte werden über ein Bibermanagement mit vorbeugenden und akuten Maßnahmen angegangen.
Wie viele Biber gibt es?
Die IUCN schätzt den Bestand in Europa und Asien auf mindestens 639.000 Tiere.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →