Stimmt es, dass Endstation Sehnsucht nach einer Straßenbahn benannt ist?

Stimmt es, dass …?

„Nächster Halt: Desire Street, bitte umsteigen in Richtung Elysian Fields.“

Stimmt es, dass Endstation Sehnsucht nach einer Straßenbahn benannt ist?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, im Kern stimmt das. Der Originaltitel A Streetcar Named Desire verweist auf eine Straßenbahnlinie, die von 1920 bis 1948 in New Orleans fuhr, der deutsche Titel Endstation Sehnsucht ist dagegen eine freie Übertragung.

Endstation Sehnsucht gilt als Meisterwerk des amerikanischen Nachkriegsdramas und wurde mit Marlon Brando verfilmt.

Der Titel klingt nach Liebeskummer und Lebenskrise, aber auch ein wenig nach Straßenbahn.

Ob hinter dem Stück wirklich eine echte Straßenbahn steckt, klärt dieser Mythos-Check.

Napoleon at St Charles, Uptown New Orleans, with Streetcar, 24 November
Foto: Infrogmation of New Orleans, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1920–1948

Linie Desire

Straßenbahn in New Orleans

855

Aufführungen am Broadway

von Dezember 1947 bis Dezember 1949

1948

Pulitzer-Preis

für Tennessee Williams

Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 10. November 1949 am Schauspielhaus Zürich statt.

Ein Stück aus New Orleans

Endstation Sehnsucht ist ein Drama des amerikanischen Autors Tennessee Williams, im Original heißt es A Streetcar Named Desire.

Es erzählt von Blanche DuBois, die nach dem Verlust von Familienbesitz, Ehe und Stelle ihre Schwester Stella in New Orleans besucht.

Dort gerät sie in einen heftigen Konflikt mit Stellas Ehemann Stanley Kowalski.

Uraufgeführt wurde das Stück im Dezember 1947 am Ethel Barrymore Theater in New York.

Passing Streetcar, St Charles Avenue, Uptown New Orleans, 23 Feb 2021 01
Foto: Infrogmation of New Orleans, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Straßenbahn namens Desire

Der Originaltitel verweist auf eine Straßenbahnlinie, die tatsächlich zwischen 1920 und 1948 in New Orleans verkehrte.

Ihren Namen hatte sie von der Desire Street im Stadtteil Bywater, durch die sie fuhr.

Die Strecke führte durch das French Quarter bis zur Desire Street und wieder zurück zur Canal Street.

Auch die Elysian Fields Avenue, an der das Stück spielt, lag an ihrem Weg.

Gut zu wissen

In New Orleans eröffnete die New Orleans and Carrollton Railroad schon 1835 drei Linien für den städtischen Schienenverkehr. Die Linie St. Charles gilt heute als älteste noch betriebene Straßenbahnlinie der Welt.

Der verlorene Familienbesitz von Blanche und Stella heißt im Stück Belle Reve. Der Name ist an das französische Wort für schöner Traum angelehnt.

Umsteigen in Richtung Friedhof

Im Stück beschreibt Blanche ihren Weg zur Schwester als Fahrt mit einer Bahn namens Desire und einer zweiten namens Cemetery.

Aussteigen soll sie schließlich an den Elysian Fields.

Diese Route weicht allerdings vom tatsächlichen historischen Streckenverlauf ab.

Die realen Namen lassen sich als Bilder lesen, denn Desire bedeutet Verlangen, Cemetery Friedhof, und die Elysian Fields erinnern an das Elysium der antiken Sage.

Eine Metapher für das Leben

Williams erklärte seine Titelwahl später damit, dass ihm die Straßenbahn als ideale Metapher für die Lage des Menschen erschien.

Die Fahrt vom Verlangen über den Friedhof ins Elysium lässt sich als Weg durch ein ganzes Leben verstehen.

So wurde eine gewöhnliche Straßenbahnlinie zum Titel eines Theaterklassikers.

Im Jahr 1948 erhielt Williams für das Stück den Pulitzer-Preis.

Wie aus Desire Sehnsucht wurde

Den deutschen Titel wählte der österreichische Schriftsteller Berthold Viertel, der das Stück 1949 im Auftrag der amerikanischen Besatzungsbehörden übersetzte.

Er schuf die Übersetzung in nur vier Wochen auf Grundlage einer unvollständigen Entwurfsfassung.

Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 10. November 1949 am Schauspielhaus Zürich statt.

Die deutsche Erstaufführung folgte am 17. März 1950 am Stadttheater Pforzheim.

Ein umstrittener Titel

Der deutsche Titel wurde anfangs vielfach gelobt, stieß aber schon bei der Zürcher Aufführung auch auf Kritik.

Seit den späten 1960er Jahren wurden in der Forschung zunehmend Einwände laut.

Das Wortspiel mit den realen Orten lässt sich kaum wörtlich ins Deutsche übertragen, und der deutsche Titel löst die Mehrdeutigkeit des Originals auf.

Christian Jauslin schlug 1969 deshalb den Alternativtitel Eine Straßenbahn, genannt Desire vor.

Straßenbahnen in New Orleans

Straßenbahnen gehören bis heute zum Bild von New Orleans.

Am bekanntesten ist die Linie St. Charles, die als älteste ununterbrochen betriebene Straßenbahnlinie der Welt gilt.

Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1835 zurück.

Die Linie Desire wurde dagegen 1948 eingestellt, und wie fast alle anderen Linien der Stadt wurde sie durch Busse ersetzt.

Die Straßenbahn im Film

Die Verfilmung unter der Regie von Elia Kazan feierte am 19. September 1951 Premiere.

Marlon Brando spielte den Stanley Kowalski sowohl bei der Uraufführung am Broadway als auch im Film.

Am Broadway lief das Stück bis Dezember 1949 insgesamt 855 Mal.

Mit dem Stoff wurde auch der Name einer längst verschwundenen Straßenbahnlinie weltberühmt.

Das Fazit

Der Mythos stimmt, denn das Stück ist im Original tatsächlich nach einer Straßenbahn benannt.

Die Linie Desire fuhr von 1920 bis 1948 durch New Orleans und trug ihren Namen nach der Desire Street.

Im deutschen Titel Endstation Sehnsucht ist die Straßenbahn nur noch im Wort Endstation zu erahnen.

Wer den Titel ernst nimmt, fährt also mit einer echten Straßenbahn in ein berühmtes Stück Theatergeschichte.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Häufige Fragen

Ist Endstation Sehnsucht nach einer Straßenbahn benannt?
Im Original ja. A Streetcar Named Desire verweist auf eine Straßenbahnlinie, die von 1920 bis 1948 in New Orleans fuhr.
Woher hatte die Linie ihren Namen?
Von der Desire Street im Stadtteil Bywater, durch die sie fuhr.
Wer hat den deutschen Titel gewählt?
Der österreichische Schriftsteller Berthold Viertel, der das Stück 1949 ins Deutsche übertrug.
Fährt die Straßenbahn Desire heute noch?
Nein. Die Linie wurde 1948 eingestellt. Bekannt ist heute vor allem die Linie St. Charles.
Wann wurde das Stück uraufgeführt?
Im Dezember 1947 in New York. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte am 10. November 1949 in Zürich.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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