Standpunkt
„Achtung, blinde Passagiere am Gleis, sie blühen gelb, sind giftig und reisen ohne Fahrkarte.“
Sollte die Bahn invasive Pflanzen an ihren Strecken konsequent bekämpfen?
→ Ein Standpunkt zu eingeschleppten Pflanzen an Bahnstrecken.
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Worum es geht
Ja, aber gezielt. Wo sich giftige oder allergene Arten von der Strecke ins Umland ausbreiten, muss die Bahn früh eingreifen. Ein flächendeckender Feldzug gegen jede fremde Pflanze wäre dagegen weder bezahlbar noch sinnvoll.
Bahnstrecken ziehen sich als lange, sonnige und oft trockene Bänder durch die Landschaft.
Auf ihnen breiten sich nicht nur heimische Pflanzen aus, sondern auch Arten aus anderen Erdteilen.
Manche davon sind giftig für Weidetiere, andere lösen Allergien aus oder verdrängen heimische Pflanzen.
Ob die Bahn solche invasiven Arten an ihren Gleisen konsequent bekämpfen sollte, ist die Frage dieses Standpunkts.

Blinde Passagiere am Gleis
Pflanzen, die unbeabsichtigt vom Menschen verschleppt werden, traten früher häufig in Häfen, an Bahnhöfen und entlang von Bahnstrecken auf.
Ihre Samen reisen an Fahrzeugen und Maschinen, mit Gütern oder mit verschleppter Erde.
Offene, gestörte Flächen wie Bahndämme und Baustellen bieten ihnen gute Bedingungen.
Allein das Netz der DB InfraGO umfasste im Jahr 2025 rund 33.400 Kilometer Strecke.
Entsprechend groß sind die Flächen, die neben den Gleisen gepflegt werden müssen.

Das gelbe Greiskraut
Das Schmalblättrige Greiskraut stammt ursprünglich aus Südafrika und Lesotho.
Oft bildet es entlang von Autobahnen und Eisenbahnlinien auffällige, gelb blühende Massenbestände.
Es wächst auf Baustellen und an Güterbahnhöfen, wandert aber auch in natürliche Trockenrasen ein, zum Beispiel am Mittelrhein.
Es gilt als der Neophyt mit der schnellsten Ausbreitung in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten.
Weil es unempfindlich gegen Schädlinge, Krankheiten, Mahd und Herbizide ist, droht es heimische Pflanzen zu verdrängen.
Gift für Weide und Honig
Das Greiskraut enthält in allen Pflanzenteilen giftige Pyrrolizidinalkaloide.
Wie das Jakobs-Greiskraut kann es bei Weidetieren, besonders bei Pferden und Rindern, tödliche Vergiftungen verursachen.
Bienen können giftige Pollen eintragen, was ein ganzes Volk zum Absterben bringen kann.
Die Alkaloide sind im Honig nachweisbar und bedeuten auch für Menschen ein gewisses gesundheitliches Risiko.
Breitet sich eine solche Pflanze vom Bahndamm auf angrenzende Weiden aus, wird aus einem Problem der Bahn ein Problem der Landwirtschaft.
Der Götterbaum am Bahndamm
Der Götterbaum gilt als der am schnellsten wachsende Baum in Europa.
Die ersten Pflanzen gelangten 1740 nach Paris, heute gilt die Art in Europa als invasiv.
Aufgrund des Klimawandels breitet er sich auf weitere Standorte aus, vor allem an Bahn- und Straßenrändern.
Nach einer Störung des Stammes wachsen Stockausschläge und Wurzelsprosse besonders schnell nach.
Über den Umgang mit vorhandenen Beständen wird kontrovers diskutiert, als nötig gilt aber, die weitere unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern.
Ambrosia und die Allergie
Das Beifußblättrige Traubenkraut, auch Ambrosia genannt, wächst als Ruderalpflanze auf gestörten Standorten wie Straßenrändern, Bahndämmen und Baustellen.
Seine Pollen und auch der Hautkontakt mit dem Blütenstand können bei empfindlichen Menschen heftige allergische Reaktionen auslösen.
Eine einzige Pflanze kann bis zu einer Milliarde Pollenkörner freisetzen.
Hauptsächlich verbreitet der Mensch die Art über verunreinigtes Vogelfutter und verschleppte Erde.
Bahndämme sind also nicht die Hauptquelle, können aber zu Zwischenstationen der Ausbreitung werden.
Was das Recht verlangt
Die Europäische Union hat mit der Verordnung Nr. 1143/2014 eine Liste invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung geschaffen.
Die Verordnung verpflichtet zu Maßnahmen, um diese Arten zu bekämpfen.
In der Schweiz steht das Schmalblättrige Greiskraut wegen seines Ausbreitungspotenzials und seiner Schäden für Artenvielfalt, Gesundheit und Wirtschaft auf der Schwarzen Liste invasiver Neophyten.
Für große Flächenbesitzer wie die Bahn stellt sich damit die Frage, wie weit ihre Verantwortung reicht.
Eine konsequente Kontrolle auf dem eigenen Gelände wäre ein Beitrag, den niemand sonst leisten kann.
Schwierige Bekämpfung
Chemische Mittel sind an Gleisen umstritten, und das Greiskraut reagiert ohnehin kaum auf Herbizide.
Auch Mähen hilft bei dieser Art wenig, weil sie unempfindlich gegen Mahd ist.
Wirksame Bekämpfung dürfte daher vor allem Handarbeit und wiederholte Kontrollen bedeuten.
Auf einem Netz von mehreren zehntausend Kilometern ist das ein enormer Aufwand.
Deshalb kommt es darauf an, Schwerpunkte zu setzen, etwa neben Weiden, Imkereien und Schutzgebieten.
Was invasive Arten kosten
Invasive Arten verursachen weltweit hohe Kosten, zwischen 1970 und 2017 waren es Schätzungen zufolge mindestens 1,288 Billionen US-Dollar.
Allein für das Jahr 2020 kam eine neuere Studie auf mindestens 23 Milliarden US-Dollar.
In Deutschland verursachte die Herkulesstaude geschätzt über eine Million Euro Behandlungskosten im Jahr.
Solche Zahlen zeigen, dass frühes Eingreifen meist billiger ist als späte Reparatur.
Für die Bahn heißt das, dass Kontrolle an den Strecken auch Kosten vermeidet, die sonst an anderer Stelle entstehen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Pro und Contra
Dafür
+ Bahnstrecken können als lange Korridore die Ausbreitung fremder Pflanzen beschleunigen.
+ Das Greiskraut kann Weidetiere tödlich vergiften und über Honig auch Menschen belasten.
+ Ambrosia-Pollen lösen bei empfindlichen Menschen heftige Allergien aus.
+ Früh einzugreifen ist meist billiger, als große Bestände später zu entfernen.
+ Die EU verpflichtet mit ihrer Verordnung von 2014 zu Maßnahmen gegen besonders problematische Arten.
+ Als großer Flächenbesitzer trägt die Bahn Verantwortung für ihre Nachbarn in Landwirtschaft und Natur.
Dagegen
− Das Netz ist so lang, dass eine lückenlose Bekämpfung kaum möglich ist.
− Viele fremde Arten sind harmlos, ein Kampf gegen alle wäre teuer und sinnlos.
− Chemische Mittel sind umstritten und wirken beim Greiskraut kaum.
− Handarbeit direkt am Gleis ist aufwendig und für die Beschäftigten nicht ungefährlich.
− Ambrosia verbreitet sich vor allem über Vogelfutter, die Bahn ist nicht die Hauptquelle.
− Das Geld für die Pflanzenbekämpfung fehlt womöglich bei der Sanierung der Strecken.
Unterm Strich
Bahnstrecken sind Wege für Züge, aber eben auch für Samen aus aller Welt.
Nicht jede fremde Pflanze ist ein Problem, doch giftige und allergene Arten wie Greiskraut und Ambrosia sind es.
Die Bahn sollte deshalb gezielt dort eingreifen, wo sich solche Arten von ihren Flächen auf Weiden, in Gärten oder in Schutzgebiete ausbreiten.
Konsequent heißt dabei nicht flächendeckend, sondern früh, gezielt und dauerhaft.
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