Stimmt es, dass …?
„Auf Gleis 3 fährt ein Güterzug durch, bei dem Lok und Wagen ganz verschiedenen Firmen gehören können.“
Stimmt es, dass viele Güterwagen gar nicht der Bahn gehören?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Das stimmt. Privatgüterwagen gibt es schon seit etwa 1850, und heute verfügt das Hamburger Vermietunternehmen VTG mit 84.800 Güterwagen über die größte Wagenflotte Europas.
Ein Güterzug sieht auf den ersten Blick aus wie ein einheitliches Ganzes, das einer einzigen Bahngesellschaft gehört.
Tatsächlich können Lok und Wagen ganz verschiedenen Eigentümern gehören, und viele Wagen stammen von spezialisierten Vermietern.
Dieser Mythos-Check zeigt, wem Güterwagen gehören und seit wann private Wagen auf der Schiene unterwegs sind.

Die Fakten in Zahlen
84.800
VTG
Güterwagen, die größte Wagenflotte Europas
82.895
2018
Güterwagen im Einsatz bei DB Cargo
um 1850
seit
gibt es Privatgüterwagen
Zu den Privatwagen zählten früher fast alle Kesselwagen und viele Kühlwagen.
Nicht jeder Wagen gehört der Bahn
Schon zu Zeiten der Staatsbahnen unterschied man zwischen bahneigenen und nichtbahneigenen Güterwagen.
Zu den nichtbahneigenen Wagen zählen Privatwagen, Werkwagen für Werksbahnen und Fremdwagen anderer Eisenbahnverwaltungen.
Privatwagen gehören Firmen, die sie selbst nutzen oder an andere vermieten.
Im Güterverkehr laufen sie zusammen mit Wagen anderer Eigentümer.
Ein Güterzug kann deshalb aus Wagen ganz unterschiedlicher Eigentümer bestehen.

Eine Idee aus der Frühzeit
Privatgüterwagen gab es schon um 1850.
Damals wurden vor allem Spezialwagen für besondere Güter oder mit besonderen Eigenschaften als Privatwagen eingestellt.
Darunter fielen fast alle Kesselwagen und viele Kühlwagen.
Sogenannte Wagenleihanstalten stellten viele dieser Wagen ein und vermieteten sie an die Betriebe, die sie nutzten.
Gut zu wissen
Zu den nichtbahneigenen Güterwagen zählen neben Privatwagen auch Werkwagen, die auf Werksbahnen eingesetzt werden. Fremdwagen sind dagegen Wagen anderer Eisenbahnverwaltungen.
Die VTG war zeitweise auch in der Binnenschifffahrt und im Tanklagergeschäft tätig. Später konzentrierte sie sich auf Waggonvermietung, Schienenlogistik und Tankcontainerlogistik.
Eingestellt in den Wagenpark
Solche Wagen wurden in den Wagenpark einer Bahn eingestellt, fuhren also in deren Zügen mit, blieben aber im Besitz ihrer Eigentümer.
Kleinere Privatbahnen erhielten für ihre Wagen einen Gruppencode oder stellten sie als Privatwagen in den Park einer Staatsbahn ein.
Seit 1964 bilden die ersten beiden Stellen der zwölfstelligen Wagennummer einen Code für das Austauschverfahren.
Vorher standen diese beiden Stellen für das Eigentumsmerkmal, heute steht hinter der Fahrzeugnummer ein Haltercode.
Die größte Flotte Europas
Das größte Unternehmen dieser Art ist heute die VTG mit Sitz in Hamburg.
Mit 84.800 Güterwagen verfügt die VTG-Gruppe über die größte Wagenflotte Europas.
Sie ist vor allem in der Waggonvermietung tätig, dazu in der Schienenlogistik und der Vermietung von Tankcontainern.
Zu ihren Kunden zählen Unternehmen aus der Chemie- und Mineralölindustrie sowie aus der Auto-, Papier- und Verbrauchsgüterindustrie.
Das Unternehmen beschäftigte 2025 über 2100 Menschen, davon etwa 900 im Ausland.
Vom Staatsbetrieb zum Vermieter
Die VTG geht auf einen 1951 gegründeten Staatsbetrieb zurück, die VTG Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH.
Sie übernahm Tanklager, Kesselwagen und Tankschiffe, die zuvor unter dem Namen der 1934 gegründeten reichseigenen Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft geführt worden waren.
Im Jahr 1961 wurde die VTG durch den Verkauf an die Preussag privatisiert.
Im Jahr 2002 übernahm sie die europäischen Schienenlogistikaktivitäten der australischen Brambles-Gruppe und vergrößerte ihren Wagenpark um rund 23.000 Waggons.
Während der fast 45 Jahre im Preussag-Konzern konzentrierte sich die VTG auf die Waggonvermietung.
Im Jahr 2002 gab sich die Preussag den Namen TUI, und im Juni 2005 verkaufte TUI die VTG an einen neuen Eigentümer.
Große Flotten neben der Bahn
Zum Vergleich: DB Cargo setzte im Geschäftsjahr 2018 insgesamt 82.895 Güterwagen ein.
Die heutige Flotte der VTG liegt damit in derselben Größenordnung wie der Wagenpark der Güterbahn der Deutschen Bahn.
Zu den vier größten privaten Vermietern von Güterwagen in Europa zählt außerdem die Wascosa AG mit Hauptsitz in Luzern.
Auch Güterbahnen wie Captrain Deutschland setzen eigene Wagenflotten ein, dort waren es im Jahr 2022 insgesamt 2710 Güterwagen.
Eine eigene Interessenvertretung
Die privaten Wagenbesitzer haben seit 1921 eine eigene Interessenvertretung.
Die Vereinigung der Privatgüterwagen-Interessenten vertritt vor allem Waggonvermieter sowie Unternehmen aus Güterwagenbau und Instandhaltung.
Schon um 1850 gab es erste Vereinbarungen zwischen Privat- und Staatsbahnen über die gegenseitige Verwendung von Güterwagen.
Der Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen stellte damals Vorschriften zur Vereinheitlichung von Abmessungen und Einrichtungen auf.
Ein gemeinsamer Wagenpark der Staatsbahnen
Auch die Staatsbahnen selbst teilten ihre Wagen früh miteinander.
Die Gründung des Preußischen Staatswagenverbands im Jahr 1881 begünstigte Wagen, die nach einheitlichen Normen gebaut wurden.
Im Jahr 1909 bildeten die deutschen Staatsbahnen den Deutschen Staatswagenverband mit einheitlichen Wagentypen und Anschriften.
Der gemeinsame Wagenpark umfasste Ende 1911 rund 560.000 Güterwagen.
Regeln für alle Wagenhalter
Welche Regeln für alle Wagen gelten, zeigt das Beispiel Lärm.
Seit dem 13. Dezember 2020 dürfen laute Güterwagen nicht mehr auf dem deutschen Schienennetz fahren, unabhängig davon, wem sie gehören.
Als laut gilt ein Wagen, der bei seiner Inbetriebnahme nicht den Anforderungen einer europäischen Lärmverordnung aus dem Jahr 2014 entsprochen hat.
Wagenhalter, die ihre Wagen auf leise Bremsen umrüsteten, erhielten dafür eine Förderung von 0,7 Cent je Achskilometer.
Bis 2020 sollten so rund 180.000 Güterwagen mit leiseren Bremsen ausgestattet werden.
Das Fazit
Der Mythos stimmt: Viele Güterwagen gehören nicht einer Bahn, sondern privaten Firmen und Vermietern.
Privatwagen gibt es schon seit etwa 1850, früher vor allem als Kessel- und Kühlwagen.
Heute besitzt der Hamburger Vermieter VTG mit 84.800 Wagen die größte Güterwagenflotte Europas.
Im Güterzug laufen solche Wagen ganz selbstverständlich neben den Wagen der Bahnunternehmen mit.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
