Der Bahnhof Kamen, ein Schinkel-Entwurf an der Köln-Mindener Bahn

Ortstermin

„Nächster Halt Kamen, Ausstieg zur Innenstadt mit der Pauluskirche und zum Radweg an der Seseke.“

Der Bahnhof Kamen, ein Schinkel-Entwurf an der Köln-Mindener Bahn

→ Ein Ortstermin im Kreis Unna am Ostrand des Ruhrgebiets.

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Kurz gesagt

Das Bahnhofsgebäude von Kamen wurde 1848 nach einem Musterentwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtet und ist im restaurierten Originalzustand erhalten. Es steht an der Köln-Mindener Eisenbahn, einer der ältesten und meistbefahrenen Magistralen, die hier zwischen Dortmund und Hamm verläuft.

Kamen ist eine Hansestadt im östlichen Ruhrgebiet und gehört zum Kreis Unna, und bis Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb man den Namen oft noch Camen.

Bekannt ist die Stadt vielen vor allem durch das Kamener Kreuz, an dem sich die Autobahnen A 1 und A 2 kreuzen.

Doch lange vor den Autobahnen war Kamen schon ein Verkehrsort, denn seit 1847 fahren hier die Züge der Köln-Mindener Eisenbahn mitten durch die Stadt.

Bahnhof Kamen
Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Köln-Mindener Bahn kommt 1847

Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft baute ihre Stammstrecke von Deutz nach Minden in mehreren Abschnitten, und das Teilstück über Oberhausen, Gelsenkirchen, Herne und Dortmund nach Hamm ging am 15. Mai 1847 in Betrieb.

Bei der Planung hatte man sich bewusst für eine weniger hügelige und damit günstigere Trasse entschieden, statt die Strecke nahe an die Kohlegruben am Nordufer der Ruhr heranzuführen.

Am 15. Oktober 1847 war die gesamte, 263 Kilometer lange und zunächst eingleisige Strecke bis Minden fertig.

Der Abschnitt zwischen Dortmund und Hamm, an dem Kamen liegt, gehört bis heute zu den ältesten und meistbefahrenen Eisenbahn-Magistralen.

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Foto: Smial Original uploader was Smial, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Ein Bahnhof nach Schinkels Muster

Das Empfangsgebäude wurde 1848 nach einem Musterentwurf des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel errichtet.

Es ist bis heute im restaurierten Originalzustand erhalten und gehört zusammen mit der Seseke-Brücke zur Route der Industriekultur.

Die Seseke fließt von Osten nach Westen durch die Stadt und nimmt im westlichen Stadtgebiet den Körnebach auf, der aus dem Dortmunder Osten kommt.

Im Rahmen des Sesekeprogramms wurden beide Wasserläufe renaturiert und fließen heute teils in künstlichen Mäandern.

Bahnhof Kamen, 1, Kamen, Landkreis Unna
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Gut zu wissen

Der Bahnhof Kamen liegt an der Strecke Dortmund–Hamm, nach dem Stand von 2022 halten hier stündlich die Linien RE 1, RE 3, RE 6 und RE 11. Einen zweiten Halt gibt es in Kamen-Methler.

Das Bahnhofsgebäude von 1848 gehört zur Route der Industriekultur. In Methler lohnt die Margaretenkirche, eine spätromanische Hallenkirche aus dem 12. Jahrhundert mit Deckenmalereien im Altarbereich.

Die Bahn teilt die Stadt

Die Magistrale Dortmund–Hamm teilt das Stadtgebiet in Ost-West-Richtung, und das war lange ein Problem für den Verkehr.

Bis Anfang der 1970er Jahre die Hochstraße der B 233 über die Bahn gebaut wurde, sorgte der schienengleiche Bahnübergang für große Probleme im Nord-Süd-Verkehr.

Die Strecke ist heute mit Zugbeeinflussung ausgerüstet und kann fast überall mit 200 Kilometern pro Stunde befahren werden.

Nur auf einem kurzen Abschnitt liegt die Höchstgeschwindigkeit wegen der letzten beiden Bahnübergänge bei 160, und am Bahnübergang Südkamener Straße bei Kamen begannen schon 2012 erste Arbeiten für eine Unterführung.

Fünf Bogen Brücke Kamen
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Stündlich nach Dortmund und Hamm

Nach dem Stand von 2022 halten in Kamen an Werktagen in beiden Richtungen vier Regional-Express-Linien jeweils stündlich, der RE 1, der RE 3, der RE 6 und der RE 11.

Am zweiten Halt der Stadt, dem Haltepunkt Kamen-Methler, halten nur die Linien RE 1 und RE 3.

Künftig soll Kamen von den Linien 2, 3, 4 und 6 des Rhein-Ruhr-Express angefahren werden, Kamen-Methler von der Linie 3.

Die Linien RE 1, RE 6 und RE 11 fahren bereits im Vorlaufbetrieb des Rhein-Ruhr-Express.

Kamen Seseke Weg Fünf Bogen Brücke
Foto: Dat doris, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Nebenbahn nach Unna

Um die Bahnhöfe Kamen, Königsborn und Unna an drei konkurrierenden Ost-West-Strecken zu verbinden, bauten die Preußischen Staatseisenbahnen um 1900 eine Nebenbahn von Unna nach Kamen.

Ab dem 1. November 1900 fuhren Güterzüge bis Kamen, und am 1. Oktober 1901 begann der Personenverkehr zwischen Unna und Kamen.

Schon Anfang 1926 wurde der Personenverkehr wieder eingestellt, und am 3. Juni 1955 endete auch der Güterverkehr zwischen Königsborn und Kamen.

Ein Rest der Gleise diente zuletzt einer Firma als Anschluss, und die Trasse soll künftig den Bahnhof mit dem Radschnellweg Ruhr verbinden.

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Foto: Mbdortmund, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Straßenbahn auf Regelspur

Einer der Gründe für das frühe Ende war die Kleinbahn Unna–Kamen–Werne, die vom 1. August 1909 an eine Überlandstraßenbahn zwischen Unna, Kamen, Bergkamen und Werne betrieb.

Sie fuhr auf normalspurigen Gleisen mit einer Oberleitung von 600 Volt Gleichstrom, und Kamen war ihr betrieblicher Mittelpunkt.

Am 14. Dezember 1950 wurde der Betrieb eingestellt, und die Buslinien, die ihr folgten, bilden bis heute das Rückgrat der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna.

Auch zwei Zechenbahnen durchzogen das Stadtgebiet, darunter die Klöcknerbahn, die von der Zeche Königsborn kam und die Köln-Mindener Strecke östlich des Bahnhofs kreuzte.

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Foto: Mbdortmund, Public domain, via Wikimedia Commons

Kohle aus Monopol und Königsborn

Mit dem Abteufen der Zechen Monopol und Königsborn in den 1870er Jahren stiegen die Einwohnerzahlen in Kamen stark an.

Am 1. Dezember 1910 lebten auf dem heutigen Stadtgebiet zusammen 21.091 Menschen, davon 10.754 in Kamen selbst.

Seit dem 1. Januar 1968 gehören Derne, Heeren-Werve, Methler, Rottum und Südkamen zur Stadt.

Auf dem Gelände der früheren Zeche Monopol hat sich ein Technologie- und Gründerzentrum angesiedelt, und auf der Trasse ihrer alten Zechenbahn führt heute ein Radweg nach Werne.

Marktplatz Kamen
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Der schiefe Turm von Kamen

Die erste Kirche der Stadt war eine kleine Holzkirche aus der Zeit Karls des Großen, die im frühen 12. Jahrhundert durch die Severinskirche ersetzt wurde.

Deren romanischer Turm aus grünem Sandstein steht bis heute, und seine geneigte Dachhaube heißt im Volksmund Schiefer Turm.

Einer Überlieferung nach wurde die Haube bei ihrer Errichtung bewusst gegen die vorherrschende Windrichtung geneigt.

Seit dem Zusammenschluss der beiden evangelischen Gemeinden im Jahr 1920 heißt die frühere Severinskirche Pauluskirche.

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Ankommen in Kamen

Ankommen in Kamen heißt, vom Bahnhof in die Innenstadt zu gehen, wo die Lutherkirche von 1744 an den langen Streit zwischen reformierten und lutherischen Christen erinnert.

Im Stadtteil Heeren-Werve steht Schloss Heeren, ein frühbarockes Wasserschloss aus dem Jahr 1606, das sich im Besitz der Familie von Plettenberg befindet.

Ebenfalls in Heeren-Werve liegt der Rollmannsbrunnen, eine Solequelle, die 1844 für die benachbarte Saline Königsborn abgeteuft wurde und deren Pumpmaschinenhaus noch erhalten ist.

Und am Kamener Kreuz bildet ein ausgedienter ADAC-Hubschrauber auf einem aufgeschütteten Hügel eine Landmarke an einem der wichtigsten Straßenknoten Deutschlands.

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Foto: ULausHRO, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wie alt ist der Bahnhof Kamen?
Die Köln-Mindener Strecke durch Kamen wurde 1847 eröffnet, das heutige Empfangsgebäude entstand 1848 nach einem Musterentwurf von Karl Friedrich Schinkel.
Welche Züge halten in Kamen?
Nach dem Stand von 2022 halten die Regional-Express-Linien RE 1, RE 3, RE 6 und RE 11 jeweils stündlich.
Gab es in Kamen eine Straßenbahn?
Ja, von 1909 bis 1950 fuhr die Kleinbahn Unna–Kamen–Werne als Überlandstraßenbahn auf normalspurigen Gleisen durch die Stadt.
Was ist der Schiefe Turm von Kamen?
So nennen die Kamener die geneigte Dachhaube auf dem romanischen Turm der Pauluskirche.
Wo liegt das Kamener Kreuz?
Die Stadt liegt in der Südwestecke des Autobahnkreuzes, an dem sich die A 1 und die A 2 kreuzen.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Der Bahnhof Unna am Hellweg – die Kreisstadt im Süden, einst per Nebenbahn und Straßenbahn verbunden

→ Ortstermin: Hamm Hauptbahnhof – der große Bahnknoten im Osten an derselben Köln-Mindener Strecke

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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