Standpunkt
„Die Daten dieses Zuges reisen heute über amerikanische Server, die Fahrgäste bleiben zum Glück in Deutschland.“
Sollte die Bahn ihre IT aus amerikanischen Clouds zurückholen?
→ Ein Standpunkt zur digitalen Unabhängigkeit der Bahn.
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Worum es geht
Ja, zumindest für kritische Systeme. Was den Bahnbetrieb stützt oder sensible Daten enthält, sollte in europäischer Hand und unter europäischem Recht laufen, auch wenn das mehr kostet.
Fahrplanauskunft, Ticketverkauf und viele interne Programme der Bahn laufen längst nicht mehr in eigenen Rechenzentren.
Seit einigen Jahren nutzt die Bahn dafür große Cloud-Dienste amerikanischer Konzerne.
Sollte sie ihre IT wieder in europäische Hände zurückholen?

Die IT-Tochter der Bahn
Die DB Systel entwickelt und betreibt IT- und Digitalisierungslösungen für die Geschäftsfelder der Deutschen Bahn.
Sie entstand im August 2007 aus der Fusion der Tochtergesellschaften DB Systems und DB Telematik.
Sie ist eine hundertprozentige Tochter der Bahn mit Sitz in Frankfurt am Main.
Weitere Hauptstandorte liegen in Berlin und Erfurt.
Einen weiteren Sitz hat das Unternehmen im britischen Doncaster.
Über sie laufen viele Programme, die Fahrgäste und Beschäftigte täglich nutzen.

Der Umzug in die Cloud
Im Jahr 2016 beschloss der Vorstand der Bahn, den Großteil der IT-Anwendungen in eine Cloud zu verlagern.
Im selben Jahr baute DB Systel mit dem sogenannten Skydeck einen eigenen Innovationsbereich auf.
Bis zum Abschluss der Migration im Jahr 2020 wurden rund 450 Anwendungen und Dienste aus den eigenen Rechenzentren verlegt.
In der Cloud standen danach über 535 Terabyte Speicher für bis zu 15.000 virtuelle Server bereit.
Der Umzug galt damals als großer Schritt der Modernisierung.
Er machte die Bahn aber auch abhängig von externen Anbietern.
Rechenzentren abgebaut
Nach 2020 baute die Deutsche Bahn wesentliche Teile ihrer eigenen Server und Rechenzentren ab.
Bestehende und neue Rechenleistungen wanderten in Cloud-Systeme privater amerikanischer Firmen.
Genannt werden dabei Microsoft Azure und Amazon AWS.
Die Bahn nutzt damit dieselben Plattformen wie viele große Unternehmen weltweit.
Zurück in eigene Räume kann sie nicht auf Knopfdruck.
Ein amerikanisches Gesetz
Seit 2018 gilt in den USA der sogenannte CLOUD Act.
Unterzeichnet wurde es im März 2018.
Er verpflichtet amerikanische Internet-Firmen und IT-Dienstleister, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, auch wenn diese nicht in den USA liegen.
Betroffen sind nach dem Gesetz auch Tochterfirmen und Niederlassungen amerikanischer Unternehmen.
Im Einzelfall können sich die Unternehmen gegen eine Herausgabe wehren.
Für europäische Kunden bleibt damit eine rechtliche Unsicherheit.
Die Bahn als kritische Infrastruktur
Nach dem BSI-Gesetz gehört der Sektor Transport und Verkehr zu den kritischen Infrastrukturen in Deutschland.
Betreiber solcher Anlagen müssen angemessene organisatorische und technische Vorkehrungen gegen Störungen treffen.
Die europäische NIS-2-Richtlinie weitet diese Vorgaben zur Cybersicherheit auf mehr Sektoren und Unternehmen aus.
Die Bahn ist damit besonders gefordert, ihre Systeme zu schützen.
Wo diese Systeme laufen, ist dabei keine Nebensache.
Wenn Technik ausfällt
Wie verwundbar Bahnen durch Computer sind, zeigte ein Fall in den USA.
Im August 2003 ließ ein Computervirus dort in 23 Bundesstaaten für Stunden die Eisenbahnsignale ausfallen.
Züge hatten bis zu sechs Stunden Verspätung oder fielen ganz aus.
Solche Ereignisse zeigen, wie eng Bahnbetrieb und Informationstechnik heute verbunden sind.
Die Frage nach der Kontrolle über die IT ist deshalb auch eine Frage der Betriebssicherheit.
Der Weg zurück
Seit 2025 arbeitet die Bahn mit Schwarz Digits und der Landesbank Hessen-Thüringen an einem Projekt namens DataHub Europe.
Es soll eine eigenverwaltete IT-Infrastruktur wiederherstellen.
Damit reagiert die Bahn auf die Abhängigkeit von großen Cloud-Anbietern.
Wie weit der Rückweg führen soll, ist eine wichtige Weichenstellung für die kommenden Jahre.
Ein Anfang ist damit aber gemacht.
Was eine Rückkehr kosten würde
Eigene oder europäische Rechenzentren verlangen Investitionen in Technik, Gebäude und Personal.
Große Cloud-Anbieter können Rechenleistung dagegen sehr flexibel bereitstellen.
Ein zweiter Umzug binnen weniger Jahre würde wieder viele Fachleute binden.
Sinnvoll ist deshalb eine genaue Auswahl, welche Anwendungen besonders schützenswert sind.
Nicht jede Speisekarte des Bordbistros muss im Hochsicherheitsrechenzentrum liegen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Pro und Contra
Dafür
+ Systeme, die den Bahnbetrieb stützen oder Fahrgastdaten speichern, sollten nicht dem Zugriff fremder Behörden ausgesetzt sein.
+ Der CLOUD Act zeigt, dass Daten bei amerikanischen Konzernen auch in Europa nicht vollständig geschützt sind.
+ Eine kritische Infrastruktur sollte nicht von wenigen außereuropäischen Anbietern abhängen.
+ Europäische Rechenzentren und Anbieter würden gestärkt.
+ Eigene Kontrolle über die IT erleichtert es, bei Störungen schnell selbst einzugreifen.
+ Mit DataHub Europe gibt es bereits einen Ansatz, auf dem sich aufbauen lässt.
Dagegen
− Große Cloud-Anbieter bieten eine Größe und Sicherheit, die ein einzelnes Unternehmen kaum erreicht.
− Ein Rückbau der Migration kostet viel Geld, das auch für Gleise und Züge gebraucht wird.
− Die Bahn hat den Umzug in die Cloud erst 2020 abgeschlossen, ein erneuter Wechsel bindet wieder Fachkräfte.
− Auch europäische Anbieter sind nicht automatisch sicherer vor Angriffen.
− Nicht jede Anwendung ist sensibel, vieles kann problemlos in einer internationalen Cloud laufen.
− Verschlüsselung und kluge Verträge können Risiken auch ohne kompletten Umzug verringern.
Unterm Strich
Die Bahn gehört zur kritischen Infrastruktur, und ihre IT sollte das widerspiegeln.
Besonders sensible Systeme und Daten sollten in europäischer Hand und unter europäischem Recht laufen.
Für weniger kritische Anwendungen dürfen internationale Clouds bleiben.
Ein kluger Mix ist besser als ein teurer Komplettumzug.
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