Standpunkt
„Diese Reise wird begleitet, nicht nur vom Zugbegleiter, sondern auch von einigen Datendiensten.“
Sollte die Bahn-App ohne Werbe-Tracking auskommen?
→ Ein Standpunkt zu Daten und Digitalisierung bei der Bahn.
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Worum es geht
Ja. Wer für Fahrkarte, BahnCard und Verspätungsinfos auf eine App angewiesen ist, sollte sie nutzen können, ohne dass Daten an Werbe- und Analysedienste fließen, die für die Reise nicht nötig sind.
Für viele Reisende ist die App der Bahn längst wichtiger als der Fahrkartenschalter.
Sie enthält Tickets, BahnCard und Verspätungsmeldungen in einem Gerät.
Doch was passiert eigentlich mit den Daten, die bei jeder Nutzung entstehen?

Die App für fast alles
Der DB Navigator ist die Smartphone-App der Deutschen Bahn für Endkunden.
Mit ihr lassen sich digitale Fahrkarten kaufen und verwalten, Fahrpläne abfragen und Echtzeitinformationen zur Reise abrufen.
Auch die BahnCard, das Kundenprogramm BahnBonus und ein Check-in bei Fahrtantritt sind dort zu finden.
Die App unterstützt eine Anmeldung mit zwei Faktoren.
Erhältlich ist sie in den großen App-Stores von Google, Apple und Huawei.

Millionen Nutzer
Bis 2019 wurde die App über 42 Millionen Mal heruntergeladen.
Im selben Jahr lagen die Abrufzahlen bei 100 Millionen pro Monat.
Für sehr viele Menschen ist sie damit ein tägliches Werkzeug.
Jede Suche nach einer Verbindung verrät, wer wann wohin reisen möchte.
Gerade Reisedaten gelten deshalb als besonders aufschlussreich.
Eine Analyse im April 2022
Im April 2022 veröffentlichte ein Sicherheitsforscher Analysen zum Kommunikationsverhalten der App für Android und iOS.
Dabei stellte er unter anderem mögliche Verstöße gegen das Datenschutzrecht fest.
Genannt wurden das damalige Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz und die Datenschutz-Grundverordnung.
Auch Datenübertragungen in die USA gehörten zu den Kritikpunkten.
Die Befunde lösten eine öffentliche Debatte über Tracking in der Bahn-App aus.
Der Streit vor Gericht
Der Verein Digitalcourage setzte der Deutschen Bahn daraufhin eine Frist von zwei Monaten, um die Verstöße zu beseitigen.
Da die Bahn dem nicht nachkam, kündigte der Verein im Juli 2022 eine Klage an.
Im Oktober 2022 reichte Digitalcourage beim Landgericht Frankfurt Klage gegen die Deutsche Bahn wegen des Trackings ein.
Auf dem Chaos Communication Camp 2023 befasste sich zudem ein Vortrag mit kritikwürdigen Details der App.
Das Thema beschäftigt Datenschützer also seit Jahren.
Was das Gesetz verlangt
Seit Dezember 2021 gilt in Deutschland ein eigenes Gesetz zum Datenschutz bei digitalen Diensten.
Es hieß zunächst TTDSG und wurde im Mai 2024 in TDDDG umbenannt.
Danach dürfen Informationen auf einem Endgerät grundsätzlich nur mit Einwilligung gespeichert oder ausgelesen werden.
Die Einwilligung muss auf klaren Informationen beruhen und durch eine eindeutige Handlung erfolgen.
Für die Einwilligung gelten die Voraussetzungen der Datenschutz-Grundverordnung, die bereits seit Mai 2018 gilt.
Keine Einwilligung braucht es nur, wenn der Zugriff für den ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich ist.
Immer mehr nur noch digital
Digitalcourage kritisierte in den folgenden Jahren vor allem einen Trend zum Digitalzwang bei der Bahn.
Zeitweise sollte die BahnCard ab 2024 nur noch per App erhältlich sein.
Eine BahnCard auf Papier gibt die Bahn seitdem nur noch in ihren Reisezentren aus.
Wer auf die App angewiesen ist, kann ihr kaum ausweichen.
Umso wichtiger ist die Frage, welche Daten dort gesammelt werden.
Eine App für die Allgemeinheit
Das Bundesverkehrsministerium strebt an, die App im Zuge der weiteren Entflechtung des DB-Konzerns auf die DB InfraGO zu übertragen.
Diese Gesellschaft soll gemeinwohlorientiert arbeiten.
Eine App in öffentlicher Verantwortung wäre damit Teil der Grundversorgung im Verkehr.
Für eine solche Anwendung gelten besonders hohe Erwartungen an den Datenschutz.
Werbe-Tracking passt schlecht zu diesem Anspruch.
Warum Unternehmen messen wollen
Anbieter von Apps messen die Nutzung, um Fehler zu finden und Abläufe zu verbessern.
Solche Auswertungen lassen sich auch ohne Weitergabe an Werbedienste organisieren.
Kritisch wird es vor allem, wenn Daten an Dritte fließen, die daraus Profile bilden können.
Nicht jede Messung ist also Tracking im Sinne von Werbung.
Die Grenze zwischen nützlicher Statistik und Überwachung verdient deshalb klare Regeln.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Pro und Contra
Dafür
+ Wer für Tickets und BahnCard auf die App angewiesen ist, kann dem Tracking kaum ausweichen.
+ Reisedaten verraten viel über Wohnort, Arbeitsplatz und Gewohnheiten.
+ Eine App in öffentlicher Verantwortung sollte beim Datenschutz Vorbild sein.
+ Weniger Drittanbieter bedeuten weniger Angriffsflächen und weniger Datenabflüsse ins Ausland.
+ Vertrauen ist für die Bahn wertvoller als ein paar zusätzliche Werbedaten.
+ Ein klarer Verzicht würde jahrelangen Streit mit Datenschützern beenden.
Dagegen
− Ohne Messdaten lassen sich Fehler und Schwachstellen in der App schlechter finden.
− Werbeeinnahmen und Kundenanalysen können helfen, Angebote und Preise zu verbessern.
− Wer zustimmt, entscheidet selbst, und das Gesetz verlangt bereits eine Einwilligung.
− Ein völliger Verzicht auf Analysewerkzeuge könnte die Weiterentwicklung der App verlangsamen.
− Auch andere große Apps nutzen solche Dienste, die Bahn wäre im Wettbewerb benachteiligt.
− Datenschutz lässt sich auch mit strengen Einstellungen statt mit einem Totalverbot sichern.
Unterm Strich
Die App der Bahn ist für viele Reisende kein Extra mehr, sondern die Eintrittskarte in den Zug.
Deshalb sollte sie ohne Werbe-Tracking auskommen und Daten nur für die Reise selbst nutzen.
Eigene Statistiken zur Verbesserung bleiben erlaubt, solange nichts an Werbedienste fließt.
So bleibt die digitale Fahrkarte ein Service und kein Datenhandel.
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