Sollte der Fernbahnhof Hamburg-Altona nach Diebsteich verlegt werden?

Standpunkt

„Endstation Altona, bitte alle aussteigen, ab 2029 fährt dieser Zug einfach weiter.“

Sollte der Fernbahnhof Hamburg-Altona nach Diebsteich verlegt werden?

→ Ein Standpunkt zur Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona nach Diebsteich.

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Worum es geht

Ja, aber. Ein Durchgangsbahnhof in Diebsteich ist leistungsfähiger als der alte Kopfbahnhof und schafft Platz für mehr Züge. Die Bahn muss aber gute Wege ins alte Zentrum von Altona sichern und aus den Pannen beim ersten Bauabschnitt lernen.

Der Bahnhof Hamburg-Altona ist ein Kopfbahnhof, in dem Fern- und Regionalzüge enden und wieder umkehren müssen.

Mit täglich 138.000 Reisenden und Besuchern gehört er zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse in Deutschland.

Nach dem Stand von 2026 soll ihn ab Dezember 2029 ein neuer Durchgangsbahnhof in Diebsteich ersetzen, etwa anderthalb Kilometer weiter nördlich.

Die Bauarbeiten laufen seit 2021, nach Jahren mit Protesten und einem Streit vor Gericht.

Type 474 HH Diebsteich
Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Kopfbahnhof mit Engpässen

Die Anlage des heutigen Kopfbahnhofs geht auf einen Neubau zurück, der im Januar 1898 eröffnet wurde.

Damals lag ein Kopfbahnhof nahe, weil im Dampfbetrieb ohnehin häufig die Lokomotive gewechselt werden musste.

Heute müssen die Züge in Altona die Fahrtrichtung wechseln, was Zeit und Platz auf den Gleisen kostet.

Etwa die Hälfte der Regionalzüge aus Schleswig-Holstein endet wegen des Engpasses auf der Verbindungsbahn in Altona.

Wer weiter zum Hauptbahnhof will, muss dann teilweise in die S-Bahn umsteigen.

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Foto: Reinhard Kraasch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine alte Idee

Schon seit Mitte der 1990er Jahre gibt es Überlegungen, den Bahnhof weiter nördlich als Durchgangsbahnhof neu zu bauen.

In den Jahren 1997 und 2004 informierte die Deutsche Bahn die Stadt über entsprechende Planungen.

Ein Anlass war die mögliche Sanierung einer Eisenbahnbrücke nördlich des Bahnhofs, die Anwohner wegen der Geräusche „Quietschkurve“ nennen.

Neuen Schwung bekam die Idee durch das Stadtentwicklungsprojekt Neue Mitte Altona.

Am 1. Juli 2014 gab die Deutsche Bahn bekannt, den Fern- und Regionalbahnhof nach Diebsteich verlegen zu wollen, damals noch bis 2023.

Streit vor Gericht

Das Eisenbahn-Bundesamt erließ den Planfeststellungsbeschluss am 29. Dezember 2017.

Im Februar 2018 klagten der Verkehrsclub VCD Nord und der Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona dagegen.

Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht stoppte das Vorhaben im August 2018 vorläufig, weil der Ersatz für die Verladung von Autozügen nicht geklärt war.

Die Deutsche Bahn kündigte daraufhin im November 2019 eine neue Verladeanlage an der S-Bahn-Station Elbgaustraße in Eidelstedt an.

Danach wurde der Baustopp aufgehoben, und am 5. Juli 2021 begannen die Bauarbeiten.

Der neue Bahnhof

In Diebsteich entsteht ein Bahnhof mit acht Gleisen, davon sechs für Fern- und Regionalzüge und zwei für die S-Bahn.

Die Gleise liegen an insgesamt vier Mittelbahnsteigen.

Für den Umbau sind 25 Kilometer neue Gleise und 48 Weichen vorgesehen.

Gebaut wird bei laufendem Betrieb, was die Arbeiten deutlich aufwendiger macht.

Das Empfangsgebäude folgt einem Entwurf des dänischen Architekturbüros C.F. Møller, den eine Jury im Juni 2018 ausgewählt hat.

Mehr Züge für den Hamburger Westen

Mit dem neuen Fernbahnhof soll das Zugangebot gegenüber dem alten Bahnhof Altona um ein Viertel wachsen, nach den Planungen um 380 Züge pro Tag.

Weil die Züge durchfahren können, entfällt das zeitraubende Wenden im Kopfbahnhof.

An der S-Bahn-Station halten die Linien S3 und S5, seit Dezember 2025 in der Hauptverkehrszeit auch planmäßig die S2.

Schon heute nutzen bis zu 12.500 Fahrgäste am Tag die S-Bahn-Station Diebsteich.

Im Zusammenhang mit einem geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel wird sogar überlegt, die S-Bahn später in eine unterirdische Station zu verlegen.

Kosten und Städtebau

Ende 2017 wurden die Baukosten mit 360 Millionen Euro veranschlagt.

Für das Gebäudeensemble des Bahnhofs wurden im Jahr 2018 weitere 120 Millionen Euro angesetzt.

Inzwischen werden die Kosten mit 548 Millionen Euro beziffert.

Auf dem Gelände des alten Bahnhofs sollen nach der Verlegung unter anderem Wohnungen entstehen.

Direkt daneben wächst schon das Stadtquartier Neue Mitte Altona, dessen erste Baustufe 1600 Wohnungen umfasst.

Pannen beim ersten Bahnsteig

Die alte S-Bahn-Station Diebsteich wurde am 15. Oktober 2022 geschlossen und durch den ersten Bahnsteig des neuen Bahnhofs ersetzt.

Die Wiedereröffnung war zunächst für Oktober 2023 angekündigt und wurde danach mehrfach verschoben.

Erst am 7. Februar 2025 fuhren dort wieder S-Bahnen.

Barrierefrei erreichbar ist die Station seit Ende März 2026, als ein Aufzug in Betrieb ging.

Im Juli 2026 begannen die Vorarbeiten für die weiteren Bahnsteige, bis Ende 2027 soll zunächst der Bahnsteig 4 fertig werden.

Was Kritiker bemängeln

Die Bürgerinitiative Prellbock Altona befürchtet längere Reisezeiten für Pendler, die bisher direkt im Zentrum von Altona ankommen.

Kritisiert wurde außerdem, dass am neuen Standort keine Verladung für Autozüge geplant war.

Manche Stimmen aus der Lokalpolitik sahen durch den Wegzug ein Stück Identität des Stadtteils verloren gehen.

Begrüßt wurde dagegen die zu erwartende Lärmminderung durch die Verlegung der Strecke.

Die damalige Leiterin des Bezirksamts nannte die Entscheidung sogar das schönste Geschenk zum 350. Geburtstag Altonas.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Pro und Contra

Dafür

+  Ein Durchgangsbahnhof ist leistungsfähiger, weil die Züge nicht mehr wenden müssen.

+  Das Angebot soll um ein Viertel wachsen, was Fahrgästen im Hamburger Westen direkt zugutekommt.

+  Fernbahn und S-Bahn liegen in Diebsteich unmittelbar nebeneinander, das erleichtert das Umsteigen.

+  Frei werdende Bahnflächen in Altona können für Wohnungen genutzt werden, die Hamburg dringend braucht.

+  Anwohner der lauten Kurve zum alten Bahnhof werden entlastet.

+  Der Bau läuft seit 2021, ein Abbruch würde viel bereits investiertes Geld entwerten.

Dagegen

−  Wer ins Zentrum von Altona will, hat vom Fernzug aus künftig einen weiteren Weg.

−  Die Kosten liegen mit 548 Millionen Euro deutlich über der ersten Schätzung von 2017.

−  Der Streit um die Autozug-Verladung hat gezeigt, dass wichtige Fragen in der Planung zunächst offen geblieben waren.

−  Die mehrfach verschobene Wiedereröffnung der S-Bahn-Station weckt Zweifel am Zeitplan für 2029.

−  Der traditionsreiche Bahnhof Altona verliert seine Rolle als Fernbahnhof, was Kritiker im Stadtteil bedauern.

−  Manche Kritiker hielten es für ausreichend, den Fernverkehr am alten Standort auf andere Gleise zu verlegen, um den Lärm zu senken.

Unterm Strich

Der Kopfbahnhof Altona ist ein Engpass, und ein Durchgangsbahnhof in Diebsteich löst dieses Problem.

Die Verlegung ist deshalb im Grundsatz richtig, zumal der Bau längst läuft.

Die Bahn muss aber schnelle Wege ins alte Zentrum von Altona sichern und den Zeitplan diesmal einhalten.

Dann heißt es ab 2029 im Hamburger Westen nicht mehr Endstation, sondern Weiterfahrt.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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