Zahlen, bitte!
„Willkommen in London St Pancras, hier trägt ein einziger Bogen das ganze Hallendach, 74 Meter breit.“
Wie weit spannt sich die Halle von St Pancras?
→ Ein Bahnhof in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die Bahnhofshalle von St Pancras spannt sich mit einem einzigen Bogen 74 Meter weit über die Gleise. Bei ihrem Bau war sie die größte Halle dieser Art auf der Welt.
London St Pancras gilt als architektonisches Meisterwerk der viktorianischen Zeit.
Heute enden hier die Eurostar-Züge aus Paris und Brüssel.
Wie weit sich die berühmte Halle spannt und was der Bahnhof sonst erlebt hat, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
74 m
Spannweite der Halle
ein einziger Bogen
1. Oktober 1868
Einweihung
das Hotel folgte 1873
438.000 £
Baukosten
für den ganzen Bahnhof
Im Jahr 2013 nutzten 24,298 Millionen Fahrgäste den Bahnhof.
74 Meter in einem Bogen
Die Haupthalle von St Pancras überspannt die Gleise mit einem einzigen Bogen von 74 Metern Breite.
Zur Zeit ihres Baus war sie die größte Halle der Welt, die aus nur einem Bogen besteht.
Nach ihrem Erbauer William Henry Barlow heißt sie bis heute Barlow Trainshed.
Barlow folgte rein wirtschaftlichen Überlegungen, der Raum sollte ohne störende Bauteile dazwischen möglichst gut nutzbar sein.

Warum die Midland Railway bauen wollte
Die Bahngesellschaft Midland Railway hatte vor den 1860er Jahren viele Strecken nördlich von London, aber keine eigene Strecke in die Hauptstadt.
Seit 1840 fuhren ihre Züge auf der Strecke einer anderen Gesellschaft, die bald überlastet war, sodass Verspätungen an der Tagesordnung waren.
Nach Streit mit der Great Northern Railway entschied sich die Midland Railway im Jahr 1862 für eine eigene Zufahrt.
Die Vermessung der 80 Kilometer langen Strecke von Bedford nach London begann im Oktober 1862.
Gut zu wissen
Im Mai 1969 nutzte die britische Luftwaffe eine alte Kohlenlagerfläche neben dem Bahnhof als Flugplatz für Senkrechtstarter. Es war das erste Mal, dass Strahlflugzeuge direkt im Zentrum einer Großstadt starteten und landeten.
Das Hotel diente mehrfach als Filmkulisse, unter anderem für Batman Begins. Auch Szenen der Harry-Potter-Filme entstanden teilweise im Bahnhof St Pancras.
Ein Viertel mit Slums und Gaswerk
St Pancras war damals eine wenig einladende Gegend mit Slums, einem Gaswerk, dem Regent’s Canal und einer alten Kirche mit Friedhof.
Die Bahn wählte ein Grundstück direkt westlich des Bahnhofs King’s Cross.
Für 19.500 Pfund wurde das Gelände geräumt, die Bewohner der Häuser erhielten keine Entschädigung.
Die alte Kirche wurde abgetragen und 1867 Stück für Stück in Wanstead wieder aufgebaut.
Ein Hotel als Schaufenster
Vor der Halle sollte ein prächtiges Gebäude mit Hotel entstehen.
Im August 1865 reichten elf Architekten ihre Entwürfe ein, im Januar 1866 fiel die Wahl auf George Gilbert Scott.
Sein neugotischer Ziegelbau war mit 315.000 Pfund der mit Abstand teuerste Entwurf.
Genau das wollten die Direktoren, denn mit dem Prachtbau sollte St Pancras alle anderen Londoner Bahnhöfe übertreffen.
438.000 Pfund für den ganzen Bahnhof
Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1864, der Grundstein wurde im Juli 1866 gelegt.
Das Dach der Halle wurde gesondert ausgeschrieben und kostete 117.000 Pfund.
Am 1. Oktober 1868 wurde der Bahnhof eingeweiht, obwohl er noch nicht ganz fertig war.
Am Ende kostete der gesamte Bahnhof 438.000 Pfund.
156 Kilometer ohne Halt
Schon der erste Schnellzug schrieb Geschichte.
Er fuhr von St Pancras in Richtung Manchester und hielt erst in Leicester.
Mit 156 Kilometern war das damals die längste Zugfahrt der Welt ohne Zwischenhalt.
Das Hotel vor der Halle, das Midland Grand Hotel, wurde erst am 5. Mai 1873 eröffnet.
Bierfässer unter den Gleisen
Die Bahnsteige liegen sechs Meter über dem Straßenniveau.
Im Gewölbe darunter lagerten früher Bierfässer, die mit der Bahn aus Burton-upon-Trent nach London kamen.
Heute befindet sich dort der Check-in-Bereich für die Eurostar-Züge mit Personen- und Gepäckkontrolle.
Die Eurostar-Gleise sind durch Glaswände vom übrigen Bahnhof getrennt und nur über Rolltreppen und Aufzüge erreichbar.
Beinahe abgerissen
Das Hotel wurde 1935 geschlossen und danach bis Mitte der 1980er Jahre als Bürogebäude genutzt.
In den 1960er Jahren galt St Pancras als überflüssig, und es gab mehrere Versuche, den Bahnhof zu schließen und das Hotel abzureißen.
Dagegen regte sich starker Widerstand, der schließlich Erfolg hatte.
Im Mai 2011 eröffnete das Hotel neu als St. Pancras Renaissance Hotel.
Endstation für den Eurostar
Eigentlich sollte die Schnellfahrstrecke High Speed 1 unterirdisch nahe King’s Cross enden.
Nach einer späten Planänderung führt sie von Osten über Stratford und durch 20 Kilometer neue Tunnel nach St Pancras.
Die Halle war dafür bis November 2007 wegen großer Umbauarbeiten geschlossen.
Seit dem 14. November 2007 fahren von hier die Eurostar-Züge nach Paris und Brüssel ab.
Drei Arten von Gleisen
Die Gleise 1 bis 4 gehören zur Midland Main Line, auf der Züge unter anderem nach Leicester, Nottingham, Derby und Sheffield fahren.
Die Gleise 5 bis 10 sind Teil von High Speed 1 und haben Bahnsteige mit 760 Millimetern Höhe.
Auf den Gleisen 11 bis 14 fahren 225 km/h schnelle Regionalzüge nach Kent.
Seit dem 9. Dezember 2007 halten außerdem Thameslink-Züge in einem unterirdischen Durchgangsbahnhof.
24 Millionen Fahrgäste und ein ICE
Im Jahr 2013 nutzten 24,298 Millionen Fahrgäste den Bahnhof.
Am 19. Oktober 2010 fuhr zum ersten Mal ein ICE der Deutschen Bahn durch den Eurotunnel bis nach St Pancras.
Geplante ICE-Verbindungen nach Köln, Frankfurt und Amsterdam wurden aber zurückgestellt.
Seit 2007 steht in der Halle außerdem die Skulptur The Meeting Place des Bildhauers Paul Day.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
