Standpunkt
„Das Auto vor der Tür kostet pauschal ein Prozent im Monat, der Sprit oft gar nichts, da hat es der Zug schwer.“
Sollte das Dienstwagenprivileg zugunsten der Bahn fallen?
→ Ein Standpunkt zur Besteuerung von Firmenwagen.
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Worum es geht
Ja, schrittweise. Die pauschale Besteuerung macht das Autofahren für viele Beschäftigte fast kostenlos und nimmt der Bahn Fahrgäste. Sie sollte nach und nach so umgebaut werden, dass Bahn, Rad und Auto steuerlich gleich behandelt werden.
Viele Beschäftigte fahren einen Firmenwagen, den sie auch privat nutzen dürfen.
Versteuert wird dieser Vorteil meist pauschal, und oft übernimmt der Arbeitgeber auch die laufenden Kosten.
Kritiker sprechen deshalb von einem Dienstwagenprivileg, das Autofahren belohnt und die Bahn benachteiligt.

Was ein Firmenwagen ist
Als Firmenwagen oder Dienstwagen gilt ein Auto, das Selbständigen oder Beschäftigten für ihre betrieblichen Aufgaben zur Verfügung steht.
Im Steuerrecht geht es vor allem um die Frage, wie die private Nutzung eines solchen Wagens bewertet wird.
Ein Auto gehört zum Betriebsvermögen, wenn es zu mehr als der Hälfte betrieblich genutzt wird.
Bei manchen Berufen, etwa bei Taxifahrern oder Handelsvertretern, wird das grundsätzlich angenommen.

Die Ein-Prozent-Regel
Wird kein Fahrtenbuch geführt, gilt für die private Nutzung eine Pauschale.
Monatlich wird dann ein Prozent des Bruttolistenpreises bei der Erstzulassung als geldwerter Vorteil angesetzt.
Für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit kommen 0,03 Prozent des Listenpreises je Entfernungskilometer hinzu.
Wer ein Fahrtenbuch führt, kann stattdessen den tatsächlichen Anteil der privaten Fahrten nachweisen.
Warum von einem Privileg die Rede ist
Kritiker meinen, der tatsächliche Nutzen eines privat genutzten Dienstwagens sei höher als das eine Prozent, das monatlich versteuert wird.
Die Regel wird deshalb als Subvention oder Steuervorteil kritisiert und in Medien und Fachliteratur auch Dienstwagenprivileg genannt.
Zudem wird vermutet, dass sie den Kauf größerer Fahrzeuge der gehobenen Mittel- und Oberklasse begünstigt.
Umweltverbände halten die Regeln für unsozial und ökologisch bedenklich.
Kein Anreiz zum Umsteigen
Häufig übernehmen Arbeitgeber alle Betriebskosten des Wagens, auch den Treibstoff.
Für Beschäftigte fallen dann für jede zusätzliche Fahrt praktisch keine Kosten an.
Nach Ansicht der Kritiker fehlt so jeder Anreiz, Fahrrad oder Bahn zu nutzen oder sparsamer zu fahren.
Die Bahn muss dann mit einem Auto konkurrieren, dessen Kilometer den Fahrer scheinbar nichts kosten.
Was das den Staat kostet
Eine im Oktober 2024 veröffentlichte Studie beziffert die Förderung von Firmenwagen mit Verbrennungsmotor in Deutschland auf 13,7 Milliarden Euro im Jahr.
Die fünf größten Volkswirtschaften der EU wendeten 2024 zusammen etwa 42 Milliarden Euro jährlich für solche Subventionen auf.
In Frankreich und Polen waren es jeweils etwa 6 Milliarden Euro.
Schon ein Teil dieser Summe wäre ein großer Betrag für den Ausbau von Bus und Bahn.
Viele Neuwagen sind Firmenwagen
Eine eigene amtliche Statistik über Firmenwagen gibt es nicht.
Im Januar 2021 waren 10,7 Prozent aller Autos in Deutschland auf gewerbliche Halter zugelassen.
Bei den Neuzulassungen lag der gewerbliche Anteil im Juli 2022 dagegen bei 65,1 Prozent, ein Teil davon entfiel auf Autohäuser und Hersteller.
Welche Autos Firmen kaufen, beeinflusst deshalb stark, welche Neuwagen auf die Straßen kommen.
Anreize lassen sich umbauen
Der Staat nutzt die Besteuerung von Firmenwagen auch, um Elektroautos zu fördern.
Vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021 wurde der Satz für neu zugelassene Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge von einem auf 0,5 Prozent gesenkt.
Seit 2012 gilt die Pauschale entsprechend auch für Dienstfahrräder und E-Bikes, die als Fahrrad gelten.
Das zeigt, dass sich die Regel gezielt verändern lässt.
Das Jobticket als Gegenstück
Seit 2019 sind Jobtickets für Bus und Bahn steuerfrei, sie mindern allerdings die Entfernungspauschale.
Das steuerfreie Jobticket darf auch in der Freizeit genutzt werden.
Seit 2020 können Jobtickets, die Beschäftigte über ihr Gehalt selbst finanzieren, pauschal mit 25 Prozent versteuert werden.
Neben einem Dienstwagen mit Tankkarte wirkt dieses Angebot für viele Pendler trotzdem wenig verlockend.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Pro und Contra
Dafür
+ Die Pauschale bewertet den Vorteil eines privat genutzten Dienstwagens nach Ansicht der Kritiker zu niedrig.
+ Milliarden an Steuervorteilen für Verbrenner-Firmenwagen passen schlecht zu den Klimazielen.
+ Wenn jeder gefahrene Kilometer wieder etwas kostet, dürften mehr Beschäftigte Bahn und Rad in Betracht ziehen.
+ Frei werdende Mittel könnten in den Nahverkehr und in bessere Jobtickets fließen.
+ Eine gleiche steuerliche Behandlung von Auto, Bahn und Rad wäre gerechter.
+ Andere EU-Länder zeigen, dass die Förderung von Firmenwagen ein europaweites Thema ist.
Dagegen
− Viele Beschäftigte brauchen ihr Auto beruflich, etwa im Außendienst oder in der ambulanten Pflege.
− Ein plötzlicher Wegfall würde viele Beschäftigte mit höheren Steuern belasten.
− Auf dem Land gibt es oft keine gute Bahnverbindung, auf die man umsteigen könnte.
− Firmenwagen gelten für Arbeitgeber als wichtiges Mittel, um Fachkräfte zu gewinnen.
− Die Pauschale ist einfach und spart Bürokratie im Vergleich zum Fahrtenbuch.
− Über die Besteuerung werden schon heute Elektroautos gezielt gefördert.
Unterm Strich
Das Dienstwagenprivileg setzt falsche Anreize, weil es Autofahren für viele Beschäftigte fast kostenlos macht.
Es sollte deshalb nicht über Nacht fallen, aber schrittweise umgebaut werden.
Ziel sollte sein, dass Arbeitgeber Bahn, Rad und Auto steuerlich gleich attraktiv anbieten können.
Dann entscheidet nicht die Steuer, sondern der Weg selbst, welches Verkehrsmittel am besten passt.
Weiterfahrt
