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Jede Verspätung ist schuld an der nächsten
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Ursache: siehe vorher)

Zwei Fahrten, eine Ursache. Die vordere war auch zu spät. Foto: wpa (Symbolbild)
Frankfurt am Main (wpa) – Die Bahn hat ein neues System zur Ursachenanalyse. Es ordnet jede Verspätung automatisch einer Ursache zu.
In 71 Prozent der Fälle nennt es die Vorgängerfahrt. Intern heißt das „Fremdverursachung“.
Statistisch stimmt das. Verspätungen wandern von Zug zu Zug.
Wenn sie wandern, hatte die erste eine andere Ursache. Die wird nicht genannt.
Weil die Kette nicht zurückverfolgt wird. Nach einer Stufe ist Schluss.
Eine Stufe ist der Standardwert. Ändern könnte man ihn.
Verfolgt man die Kette ganz zurück, sind es im Schnitt neun Schritte. Am Ende steht in 61 Prozent der Fälle eine Baustelle.
Diese Auswertung gibt es. Sie ist „nicht zur Veröffentlichung freigegeben“.
Begründung: Die Kettenbetrachtung sei „methodisch umstritten“. Der Blick zum Ursprung sei „nicht üblich“.
Üblich ist: Jede Fahrt kriegt das eigene Auslöse-Ereignis. So ist jede Verspätung die Schuld einer anderen.
In der veröffentlichten Statistik landen so 71 Prozent in einer Schublade ohne Verantwortlichen. Aufgeschlüsselt wird sie nicht.
Der Rechnungshof fragte nach. Antwort: „die Methodik“.
Ein Fachbereich wollte die Kette in die Statistik aufnehmen. Der Vorschlag liegt seit April.
Er würde die baustellenbedingten Verspätungen deutlich hochtreiben. Und genau die muss man dem Bund melden.
Erstursachen kosten Strafzahlung. Folgeursachen nicht. Ein Schelm.
Eine Entscheidung steht aus. Zuständig: ein Lenkungskreis.
Der tagt halbjährlich. Nächster Termin: November.
Das System selbst ist gut. Das bestreitet keiner. Extern geprüft.
Trefferquote: 91 Prozent. Der Prüfbericht ist öffentlich.
Öffentlich ist damit, wie gut das System rechnet. Nicht öffentlich ist, was es ausrechnet.
Eine Fachzeitschrift hat darauf hingewiesen. Kommentiert wurde es nicht.
Die Systemdoku wird an einer Stelle unfreiwillig komisch.
Das System sei in der Lage, jede Verspätung eindeutig einer anderen zuzuordnen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Rückverfolgung endet nach einer Stufe – der Standardwert ist änderbar und wurde nicht geändert +++
+++ Erstursachen gehen in die Pönalrechnung ein, Folgeursachen nicht +++
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